Startbereitschaft: 25. Mai 2017, 11.30 Uhr

Es ist vorbei. Und das ist bitter. Hatte ich schon bei meiner BBSW-Teilnahme im vergangenen Jahr bei der Abreise das Gefühl, mich von liebgewonnenen Menschen zu trennen, so begleitet mich dieser Eindruck in diesen Tagen noch viel mehr. Ja, so sentimental bin ich manchmal. Aber der Reihe nach.

Nach meiner Ackerlandung am 11. Mai zeigt sich das Wetter einen Tag später keinen Deut besser. Für die Club-/Standardklasse wird gleich beim Briefing neutralisiert, die Renn/Offene und die DoSis bekommen zwar noch Aufgaben, aber nachdem die Crews eine Stunde auf der Wiese geschmollt haben wird der Tag abgebrochen. Also ab in die Sauna… Anschließend lassen wir den Tag bei einem Essen am Gutshof ausklingen – bei wunderbarer Abendsonne.

Einen Tag später sieht das Spiel so ähnlich aus, allerdings wissen unsere Wetterfrösche noch nicht, ob das Mistwetter uns voll trifft oder vorbei zieht. Nachdem in einem Feldbriefing die Streichung des ersten Wendepunktes bekannt gegeben ist warten wir zunächst in einer Mischung aus Sonne und dunklen Wolken auf den Start. Langsam wird klar, dass der Tag auch keien Wettbewerbsbedingungen bietet, schließlich neutralisieren die Chefs. Da über dem Platz das (grau)blaue Loch klafft und ich Bock zu fliegen habe, hänge ich mich hinter die Morane und lasse mich ins Ungewisse schleppen. Allerdings: Die dunklen Wolken ziehen ordentlich. Vielleicht ein Drittel der Flugzeuge startet, ein paar Clubbis, ein paar Dosis und auch der ein oder andere Rennklasseflieger. Es steigt gut, aber bei 1200 Meter wird es sehr sehr diesig, an der Basis ist es absolut grenzwertig zu fliegen. So richtig geheuer ist mir das Ganze nicht, aber die Lust am Fliegen ist in diesem Fall stärker.
Irgendwo kreist gerade irgendwer einen Bart kaputt und irgend ein anderer kommentiert lakonisch „Na, das gemeinsame Kurbeln üben wir aber noch mal…“. Ein zeitlang fliege ich einem DoSi hinterher und feile seine angemalten Aufwinde nach. Nach vielleicht 30 Minuten ist der Top-Meteo-Bernd im Funk zu hören. Was er genau gesagt hat, weiß ich nicht mehr, aber inhaltlich hat es sich in etwa im Rahmen „Das Wetter ist totale scheiße, aber die Chancen stehen gut, dass es noch schlechter wird“ abgespielt. Wenn der meint, es wäre Zeit zu landen, dann sollte auch ich meinen Arsch auf die Erde bekommen. Aber wie das so ist: Es steigt und steigt. Also Klappen raus, Querruder links, Gegenseitenruder und runter den Kahn. In diesem Flugzustand schüttelt die Else wie eine Waschmaschine im Schleudergang, vermutlich, weil reichlich verwirbelte Luft vom Flügel auf das Pendelruder trifft. Mit Slips und Steilkreisen vernichte ich Höhe und bekomme zweimal sogar Regentropfen ab. Die Landerichtung ist inzwischen von 28 auf 10 geändert, weil der Wind gedreht hat. Weil ich keine Ahnung habe, welche Turbulenzen durch die Bäume im Anflug verursacht werden, fliege ich mit Überfahrt an, der Platz ist ja lang genug. Bei einem knappen Drittel der Bahn fange ich ab, setze auf und rolle nach rechts raus. Das Pisswetter kommt immer näher, und sofort sind Kameraden bei mir und helfen, den Flieger an den Anhänger zu schieben. Zunächst helfe ich Henning vom LSC Erftland, der direkt neben mir steht beim Abrüsten, dann ist die Else dran. Kurz bevor der Rumpf verschwindet, fängt es richtig an zu schütten, und wir werten den Tag in kleiner Runde unter dem Carport für die Anhänger aus. Bernds vorhergesagte vier Achtel Cumulus sind inzwischen deutlich gewachsen, trommeln aufs Dach und werfen sogar mit Hagelkörnern.

Für den 13. Mai scheint das Wetter etwas besser zu werden. Da die Basis jedoch niedrig und der Wind stark sein soll, entscheidet sich die Wettbewerbsleitung dagegen, Clubklasse-Weitwurf zu spielen und lässt uns am Boden. Ich reiße unbedacht meine Fresse auf und beschwere mich, dass mir damit die letzte Chance genommen wird, das Feld aufzurollen. Gerd verdonnert mich darauf hin dazu, meine Karre aufzurüsten und Schnüffler zu spielen. „Sonst nehmen wir ja Leute, die das können, aber wenn es Freiwillige gibt, dann nehmen wir auch die“, kommentiert er und das Plenum grölt. Nunja.
Ich stecke also die Else zusammen in der Gewissheit, 40 Euro für nen F-Schlepp auszugeben und mich dann derart zu blamieren, dass es nur für ne Platzrunde reicht. Ganz großes Kino. In der Staraufstellung frieren sich schließlich alle den Arsch ab und ich warte drauf, dass mir Gerd den Befehl zum Start gibt. Nichts aber passiert. Während wir warten, inspiziert Markus Böhnisch den Ventus vom Top-Meteo-Bernd und analysiert die kleinen Turbulatoren, die am Rumpf und am Flächenansatz kleben und gemeinsam mit den Wölbklappenscheiben dafür sorgen sollen, dass die Kiste trotz deutlichen Mehrgewichts besser steigt als Markus‘ eigener (der ist übrigens ein Musterbeispiel an Sicherheit: Gesamtrettungssystem, Dynafoam, Blitzlicht auf dem Rücken und reichlich Leuchtlack an Nase, Winglets und Seitenruder; vielleicht stelle ich den hier mal noch ausführlich vor).
Schließlich taucht der Besitzer des Fliegers auf, scheucht die Meute weg und übernimmt den Schnüffelstart höchstselbst. Als auch der Profi, der bestimmt 300 Stunden im Jahr fliegt, so gar nichts findet, wird neutralisiert. Heute schleppe ich den Flieger einfach nur zurück, rüste ab und mache meinen dritten Saunatag. Hier ein bisschen Schleichwerbung, denn das Monte Mare in Andernach ist ein absoluter Geheimtipp. Teuer, aber jeden Cent wert. Auch an diesem Abend wird das Wetter noch richtig schön, in der Abendsonne sitzen wir bei einer oberleckeren Soljanka zusammen, die mein Vater für uns, die Erftländer und den Geisen/Wiesenthal-Clan kocht. Bei Eierlikörchen, leckeren Weinen und dem üblichen Neuzeller Klosterbräu Kirsch machen wir uns einen schönen Abend, an dem sicher auch die Hunde ihren Spaß gehabt haben dürften – Fotobeweis in der Galerie 😉

Sonntag. Briefing auf 11.30 Uhr verschoben. Es gilt verschärfte Hörbereitschaft. Die Bernd-Fischer-Show startet mit dem gleichen diffusen Wolkenbild wie am Vortag. Die Startbereitschaft wird bekannt gegeben: 25. Mai 2017, 11.30 Uhr. Damit ist klar, der Sonntag ist neutralisiert und alle können sich in Ruhe um das abrüsten der Flieger kümmern und auf das gemeinsame Wildschweinessen vorbereiten. Und natürlich mental auf das Abschlussbriefing einstimmen.
In Vorbereitung dessen sitzen Pilotensprecher und Teilzeit-Kabarettist Mario, Simon und ich nochmal zusammen und proben unsere Songs, die wir für die Show am Abend vorbereitet haben. Alles klappt gut und wir beschließen, es nicht totzuproben, sondern einfach Rauszugehen und es zu machen. Nur ein Bandname fehlt noch. Schließlich fällt die Wahl auf 5,3m integriert (minus). Sperrig, aber passend.
Nachdem das Wildschwein verputzt und die Sieger geehrt sind, geht es los. Mit meiner Mönchsheide-Version des Songs „Hier bin ich Mensch“ von der Flugplatzkapelle Stölln reiße ich gemeinsam mit Simon, der mit seine iPad und der App Garage Band noch Begleitsamples komponiert hat, den Saal echt von den Sitzen.

Jeden Tag um Punkt neun, manchmal auch viertel zehn,
kann man wagemutige Piloten an den Hängern sehn.
Sie komm’ von Nah und Fern, Oberhausen, Neuenahr,
Und von drüben, aus’m Osten ist auch wieder einer da.

Flugzeuge und Menschen, wohin ich auch seh’
Kein Zweifel auf der Heide läuft die BBSW!
Ein hübscher Flugplatz und dazu ein echt netter Verein,
so muss es sein, so muss es sein.

Es ist so schön, dabei zu sein,
wenn ich richtig überlege kann ich nicht mehr ohne sein.
Es ist so schön, dabei zu sein,
hier bin ich Mensch, hier kreis ich ein.

Zelt-Frühstück, dazu erstmal nen starken Kaffee kochen.
Der Likör von gestern Abende steckt noch richtig in den Knochen.
Dann zum Hänger denn der Flieger rüstet sich allein nicht auf,
jetzt nimmt das Spiel aus Kraft und Präzision seinen Lauf.

Der Rumpf ist raus, die Helfer stöhnen an den Flächen rum
Ein alter Hase witzelt „ja da brauchste richtig Mumm!“
Auf mein Kommando flutscht der Bolzen in die Buchse rein
und mir fällt ein, und mir fällt ein

Es ist so schön…

Kaum sind die Flieger aufgebaut, die Ritzen abgeklebt,
brüllt der Doepner-Gerd zum Briefing, wohin es wohl heute geht?
Ein Zylinder bei Wershofen und noch einer auf der Binz.
Was, Wershofen? Nicht schon wieder. Alles guckt mich an und grinst.

Auf dem Weg zur Startaufstellung gibt mir Bernd noch paar Hinweise,
kaum am Flieger spinnt das Navi und ich fluche „was ne Scheiße!“.
Die ersten Schlepps sind lange raus, ich mache mich bereit,
von hinten dröhnt die Remo und ich weiß, jetzt wird es Zeit.

Und dann seh’ ich auch noch wie der Gerd in seine Funke schreit:
„Tango-Whiskey, sofort klinken!“, – war natürlich viel zu weit.
Bis der Schlepper endlich da ist und mich an den Haken nimmt,
blicke ich hinauf zur Sonne – Optimismus, eingestimmt.
60 Meter – grüne Sollbruchstelle, ja so muss es sein,
und mir fällt ein, und mir fällt ein

Es ist so schön…

Nach dreimal Überrollen geht es endlich in die Höhe,
Vollgas mit 170, hoffentlich kommt keine Böe.
Basis bei 400, Kurve rechts als ob’s was bringt,
dann direkt zu Position weil die Else so schnell sinkt.

Erst im Zweiten Anlauf klappt es und ich finde sattes Steigen,
das Flarm brüllt ohne Ende, aus dem Kreis raus, schon herrscht Schweigen.
Nach `ner gefühlten Stunde ist der Abflug endlich frei
und mir fällt ein, und mir fällt ein…

Es ist so schön…

Kaum auf Strecke geht es freilich permanent nur noch nach unten,
wenn es weiter nur so säuft dann wird das nichts mit dem Umrunden.
Die Heide ist weit weg ich bin noch knapp 400 hoch,
dunkle Wolken straffer Wind und nirgendwo ein blaues Loch.

Doch da unten ist ein Acker, braun, die Pflügung ist noch frisch.
Paradies für Außenlander – Hammertypen so wie mich.
Gurte straff das Fahrwerk raus und in den Anflug rein
so muss es sein, so muss es sein…

Es ist so schön…

 

Die Aktion hätte voll daneben gehen können, man weiß ja nie, was das Volk von spontanen Musikeinlagen hält. Aber das Gefühl, wenn man vor 100 Leuten sitzt, ein Lied spielt, das Gelächter über den Text hört und im Refrain wirklich alle mitsingen – das ist fast noch schöner als das Fliegen selbst. Das war echt Gänsehautfeeling. Wahnsinn. Hier schonmal ein Dankeschön an euch alle, es war toll!
Mario nimmt die Wettbewerbsleitung in seiner Show gnadenlos auseinander. Bernd und Gerd bekommen Eisbeutel umgehängt, weil sie uns am Start so oft haben frieren lassen, bevor endlich die Neutralisation kam. Flugleiter Andreas bekommt eine Spezialbrille, damit er die Kennzeichen der Flieger künftig ohne Probleme erkennt, und unsere Internetfee Babette ein riesengroßes Blatt, auf dem sie vorne und hinten den Satz „Segelflieger wollen nicht außenlanden“ oder so schreiben soll. Dann ist noch Markus Geisen dran, genau der, der jüngst mit seiner Partnerin und Co-Pilotin Karin Wiesenthal in Südafrika mit einem Arcus M 1370 Kilometer geflogen ist. Markus hatte an einem der ersten Tage ein Radieschen aus einem der Abflüsse gefischt, dass Mario dort offenbar unabsichtlich platziert hatte. Zitat von Bernd Fischer damals zum Brifing: „Es brauchte einen Doktor der Zahnmedizin, um das Radieschen in den Syphon hinein und zwei Doktoren der Naturwissenschaften, um es wieder heraus zu bekommen!“. Jedenfalls hatte unser Pilotensprecher und Urheber des Malheurs den Reinhard-Mey-Song „Er ist Klempner von Beruf“ auf Markus umgedichtet, und wieder feierte das Plenum die musikalische Darbietung von -5,3 Meter integriert. Zum Abschluss sangen wir noch gemeinsam „Über den Wolken“, und auch wenn ich nur ein BBSW-Abschlussbriefing live erlebt habe behaupte ich einfach mal, dass es das bewegendste in 30 Jahren war.
Zunächst feiern wir noch in der Halle weiter, es gibt reichlich Eierlikörchen aus Schoko-Waffel-Bechern, dann klingt der Abend in der Flugplatzkneipe bei Cocktails aus.

Für den Pfingstmontag bleibt nur noch, die Zelte abzureißen und alles transportfertig zu verpacken. Felix nimmt die Else an den Haken und zerrt sie Richtung Perleberg, für mich soll es direkt nach Stuttgart gehen. Jeder Abschied von einem Fliegerkameraden ist wehmütig. Als die Mönchsheider aber ihre Winde aufbauen und mit Schulbetrieb anfangen, wittere ich noch eine Chance: Mein erster ASK21-Flug. Tatsächlich lässt mich Fluglehrer Bernd Dolba für eine Runde einsteigen. Die dauert zwar nur drei Minuten und ich weiß jetzt über ihr Flugverhalten auch nur, dass sie eben fliegt, aber es ist ein perfekter Abschluss meiner zweiten BBSW. Was auch immer kommt, ich komme wieder. Definitiv. Danke an alle, die diese tolle Veranstaltung möglich machen. Leute, fahrt nach Bad Breisig, lernd den Luftsportverein Mönchsheide kennen. Es lohnt sich!
Ein besonderes Dankeschön geht noch an Thorsten, der sich mehrfach als Rückholer verdingt hat, sowie an Simon und Gerhard, die mir einen Teil der Bilder zur Verfügung gestellt haben. Und an die Flugplatzkapelle Stölln für die wunderbare Textzeile „Hier bin ich Mensch, hier kreis‘ ich ein.“

Die Platzierungen:
DoSi: 1. 4Y (Wiesenthal/Geisen); 2. BD (Dolba/Lengemann); 3. RR (Richter/Hannemann)
Renn: 1. PC (Schmidt/Schmidt); 2. LO (Loth); 3. C8 (Goretzki)Club: 1. OE (Schumann); 2. PG (Lauer/Roloff); 3. NT (Mülligan); 7. IL (Reinhold)

 

Rumkommen, aber wie?

Das schöne am heutigen Flugtag ist definitiv, dass ich mich, was das Fliegerische angeht, relativ kurz fassen kann. Denn das Fliegerische war relativ kurz. Aber dazu später. Auch auf der Heide sind es mitunter die kleinen Dinge und Aufmerksamkeiten, die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern. So war es heute auch bei mir. Nach umfangreichen Trockenlegungsarbeiten, die die Regengüsse in der Nacht notwendig gemacht hatten, konnte ich mein Fliegerchen als erster in die Startaufstellung reihen. Das verschafft Zeit, die erfahrungsgemäß vor dem Start immer besonders knapp ist, wenn doch noch irgend eine Kleinigkeit fehlt.

Beim Briefing versprühen die Organisatoren verhaltenen Optimismus bezüglich des Wetters, Bernd Fischer prognostiziert zwei bis drei Achtel Pixelfehler mit halbwegs gängigen Steigwerten. Nunja. Die Aufgabe: Ailerchen, Netphen-Staumauer, Asslarer Hütte und zurück. Die Zylinder waren einigermaßen großzügig dimensioniert, sodass auch mir ein Rumkommen nicht völlig unmöglich schien. Whatever.

Zurück am Flugzeug die gar wunderbare Überraschung: In der Aufnahme für die Kompensationsdüse steckt ein Düsenstopfen mit Remove-Before-Flight-Anhänger von Ülis Segelflugbedarf. Die Geschichte mit der Wespe im Rohr hatte gestern für hinreichend Gelächter gesorgt, und Markus, seineszeichens Ehemann von Sylvia „Üli“ Böhnisch, hatte sich unerlabt an meinem Flieger vergriffen und das kleine Utensil angebracht. Mir huscht ein Lächeln übers Gesicht, denn diese Geste trifft mich völlig unvorbereitet. Damit lässt sich super in den Tag starten, auch wenn das Ding eigentlich eher für die Bodenphasen gedacht ist und vor dem „flighten“ besser „removed“ wird.

Wie schon angedeutet, verdient die Fliegerei des heutigen Tages kaum große literarische Ergüsse. Der Schlepp hinter dem UL ist absolute Spitzenklasse, ein Lob an den Piloten. Ausgeklinkt direkt im Aufwind und bis auf 1300 Meter MSL hochgeschraubt. Direkt unter der Wolke bis zur Abflugfreigabe rumgegeiert. Da der angesprochene Clubklasseflieger die 10-Minuten-bis-Freigabe-Anfrage nicht beantwortet, grätsche ich dazwischen und quittiere die Meldung von der Wettbewerbsleitung. Vielleicht drei Minuten nach der Freigabe melde ich meinen Abflug und zische unter den Wolken mit geringem Sinken über dne Rhein. Ein ganzes Stück fliege ich gemeinsam mit Simon in der Papa Golf in Richtung Ziel, aber irgendwie steigt seine LS4 besser. Vielleicht bin ich auch einfach zu blöd, die Bärte richtig zu treffen. In der mir eigenen fatalistischen Art suche ich in Zielrichtung weiter Thermik, aber was ich auch anfliege, es bringt absolut nichts. Ich kreise mich immer weiter nach unten und habe zwei schöne Äcker im Auge, kann mich aber noch nicht so recht entscheiden. Fakt ist, beide liegen nicht optimal in Windrichtung und die Stromleitungen in der Umgebung sind auch alles andere als einladend. Also noch `nen knappen Kilometer weiter geflogen in der Gewissheit, den Flugplatz Dierdorf-Wienau aufgrund der Tatsache, dass er auf einer Anhöhe liegt, sowieso nicht zu erreichen. Über dem nächsten überaus einladenden Feld steigt es sogar nochmal kurz, aber rund kriege ich das ganze nicht annähernd. Also Platzrunde, Fahrwerk raus und in den Endanflug gekurvt. Klappen raus und runter. Das Abfangen ist ungewohnt, weil der Acker abschüssig ist, was ich aus der Luft so nicht erkennen konnte. Bei gut zwei Dritteln des Feldes setze ich den Bock in den Dreck, es staubt gewaltig und als das Feld noch weiter abfällt ziehe ich die Bremse auf die Gefahr hin, mich einzubuddeln. Nichts dergleichen passiert, das Heck bumst auf die Erde und ich stehe. Flieger ganz, Pilot ganz, Laune im Keller.

Beim Telefonat mit der Mönchsheide stellt sich heraus, dass einige den Flug abgebrochen haben und die Stemme nach einer Platzrunde mit Motorproblemen wieder gelandet ist. Außerdem ist Heribert mit seiner Elfe S4 auch irgendwo auf den Acker gegangen, angeblich nur zwei oder drei Täler weiter. Also setzt sich der Rückholer-Tross in Bewegung, aber da Heribert zuerst aufgesammelt werden soll, kann ich mich auf eine längere Wartezeit einstellen. Inzwischen ist auch der Vater des Landwirtes, dem das Feld gehört, das ich zur Landebahn umfunktioniert habe, eingetroffen und kann seine Sorge über den Flurschaden kaum verbergen. Also rufe ich beim Landwirt an und hinterlasse meinen Namen und die Telefonnummer in der Gewissheit, dass die Else kaum ein Feld derart umgeflügt haben kann, dass hier existentbedrohliche Ausfälle entstehen.

Schließlich kuschle ich mich in meinem Flieger, zücke die Außenlandelektüre und döse nach vielleicht vier gelesenen Seiten ein. Als mein Vater, Thorsten und Lars mit dem Anhänger eintreffen, dauert es gerade zehn Minuten bis die Else an den Rand geschoben ist und auf dem Rumpfbock hängt. Einziger Schaden infolge der Außenlandung: Der Gummilappen an der Schleppkupplung ist hinten abgelöst, aber mit etwas Alleskleber, den ich im Utensilienkoffer habe, ist das schnell behoben. Kaum dass wir das Feld verlassen, kreist ein Segler über meinem Acker, biegt dann aber in Richtung Dierdorf-Wienau ab. Also nehmen wir straßengebunden Kurs auf den Platz und treffen dort Lars mit der HPH 304 Shark. Zitat des Gelandeten: „Die Düse wollte nicht…“ So viel dazu. Während wir auf die Schleppmaschine warten, die die Shark wieder auf Heimgleithöhe bringen soll, essen wir im Flugplatzcasino bei Stella ein Eis. Geht freilich auf mich, als Dankeschön an die Rückholer. Als der Schleppzug den Platz verlassen hat, gehen auch wir auf Heimatkurs.

Tatsächlich reichen die 28 Kilometer und 48 Punkte für den vierten Platz in der Club-/Standardklasse. Rumgekommen ist übrigens gar keiner, in der DoSi-Klasse immerhin einer. In der Renn-/offene Klasse haben es fünf Piloten geschafft.

Neutralisatiooooon

Kurz und knapp: Der 10 Mai ist wetterbedingt neutralisiert. Soweit die schlechte Nachricht. Wobei: Ein Tag ohne Fliegen ist auch mal ne entspannte Sache. Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Endlich ist mein Paket mit dem Spot-Tracker angekommen. Schon vor der Heide hatte ich überlegt, mir so eine Rettungsschachtel zuzulegen, um im Fall der Fälle einfach Hilfe holen zu können, auch wenn das mobile Fernsprechendgerät mangels Empfang seinen Dienst versagt. Es muss sich dabei ja nichtmal immer um ein Worst-Case-Szenario handeln. Es reicht ja sogar, wenn man eine Außenlandung irgendwo in der Prärie hinlegt und mitten im Funkloch steckt. Ein Tastendruck, und der Rückholer bekommt die Koordinaten aufs Handy. Dazu noch die Möglichkeit, einem definierten Empfängerkreis eine OK-Nachricht zu schicken – Familie freut sich ja immer über Lebenszeichen. Außerdem können die Lieben zuhause die Trackingspur verfolgen und wissen so immer relativ genau, wo man sich gerade befindet. Noch unsicher bin ich mir, was die automatische Alarmfunktion angeht. Grundsätzlich ist das ja super, wenn spätestens eine halbe Stunde nach dem Einschlag in die Erde jemand davon erfährt, dass etwas richtig Schlimmes passiert ist. Allerdings kann der Spot einen Unfall nicht von einer sauberen Landung unterschieden und alarmiert im Zweifelsfall auch dann die Kavallerie, wenn man längst im Flugplatzcasino sitzt und nur vergessen hat, das Ding auszuschalten. In jedem Fall sollte ich mir da mal noch Gedanken um eine „Erinnerung“ im Cockpit oder sonstwo machen und mich zusätzlich um eine Versicherung kümmern, die sowas gegebenenfalls abdeckt. Man weiß ja nie. Überhaupt wäre es schön, das Ding niemals wirklich benutzen zu müssen. Aber sicher ist sicher. Und wenn man bedenkt, wieviel Geld man für irgendwelchen Scheiß ausgibt, dann sind die 16 Euro im Monat für den SPOT-Service sicher sehr gut angelegt.

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Ab jetzt nicht mehr ohne SPOT!

Die Stöllner Flugplatzkapelle kann einpacken!

Ok, ok, ganz so extrem ist es vielleicht nicht, aber die wohl wichtigste Erkenntnis, die der heutige Tag gebracht hat, ist die, dass auch auf der Mönchsheide exzellente Musiker zusammen kommen. In jedem Fall ist ein neutralisierter Tag, der mit handgemachter Musik ausklingt, bei weitem kein verlorener Tag.

Die erste Premiere direkt am frühen Morgen: Erst frühstücken und dann aufrüsten. Man muss sich auch mal was trauen! Nach `ner Leberwurstbemme und `ner Schüssel Müsli die Else zusammengesteckt und schnell an den Start gezerrt. Immerhin zweitletzte Reihe, das verschafft Zeit. Beim Briefing deutet sich bereits an, dass der Tag wettermäßig schwierig werden würde. Die Aufgabe ist entsprechend kurz gewählt. Als Sportleiter Gerd Doepner Daun-Senheld als ersten Wendepunkt nennt, schießt mir durch den Kopf, dass ich dann gleich von dort aus hätte starten können. Die zweite Wende ist Wershofen, dann soll es nochmal zur Elz gehen. Also flux ein paar Striche in die Karte gemalt und ab zum Flieger. Allerdings ist mein Rückholer plötzlich passé, denn mein Vater, der inzwischen auch hier angekommen ist, soll mit der Stemme mitfliegen – und zwar, weil der eigentlich vorgesehene Co-Pilot Thorsten nicht ins Cockpit passt. (zum Gemütszustand des Delinquenten angesichts dieses Ärgers gibt es beim De-Debriefing am späten Abend noch unterschiedliche Auffassungen, angefangen von total angepisst (laut Aussage unserer Internetfee Babette) bis hin zu enttäuscht vom Flieger und seinen Konstrukteuren (Thorsten)) Wie auch immer.

Startbereitschaft 12.30 Uhr, dann Verschiebung auf 13 Uhr. Angesichts der Briefingzeit von 11.07 Uhr hätte man sich schon denken können, dass das kein gutes Ende nimmt. Eine durchgängige Schicht von Stratus macht jede Aussicht auf Thermik zunichte, ein Schnüffler eiert von Bart zu Bart und feilt Feingewinde in die Luft, die aber weit jenseits von potentiellen Abflughöhen enden. Nachdem sich auf dem Flugfeld mehrere Sitzkreise und Diskussionsrunden gebildet haben und alle nur noch auf die erlösende Ansage warten, gibt Gerd die Neutralisation bekannt. Endlich Klarheit. Die alten Hasen zerren ihre Flieger zurück zu den Abstellplätzen, ich aber entscheide mich, doch einen Start zu machen. Ich habe einfach Lust zu fliegen, scheiß auf die Kohle für den Schlepp. Außerdem ist Uli, ein Kamerad vom Fliegerclub in Taucha, inzwischen auch auf der Heide angekommen, und eine gemeinsame Runde wäre ein netter Einstand.

Nicki vom LSC Erftland reicht mir meine Haube, und die FK9 zerrt das Seil straff. Der Schlepp ist wirklich gut, im Gegensatz zum Vortag, als ich durch eine Böe geflogen bin und es plötzlich Salami und Müsliriegel geregnet hat, weil man die Cockpittasche auf der rechten Seite nicht verschließen kann. Nach dem Ausklinken finde ich tatsächlich Anschluss, obwohl noch immer ein dicker Schleier über dem Platz liegt. Robert kurvt mit der Ka6e seiner Frau durch die Gegend, und ich düse hinterher in der Hoffnung, dass ein erfahrenerer Pilot auch was findet. Plötzlich aber reißt es auf und die Cumulanten schießen wie Pilze aus dem Boden. Stellenweise geht es bis auf 1700 Meter, und so kann man immerhin ein bisschen Sightseeing machen. Da mein Vater mit der Bravo Mike vom LSC Erftland noch mitfliegen wollte, kommt irgendwann von der Duo-Besatzung die Frage, wo er sich denn rumtreibe. Mir bleibt also nichts anders übrig, als ihn anzurufen, was via Lautsprecher im Cockpit alles andere als qualitativ gute akustische Kommunikation ist. Egal, alles kann geklärt werden, sodass die Bravo Mike 16 Uhr mit meiner Verwandschaft zum Premierenflug abhebt. Mit einem mehrfachen Deutschen Meister im Cockpit kann das nur gut werden. Ich kreise mit den beiden noch für eine Fotosession durch die Gegend und arbeitete mich dann langsam gen Boden, weil ich einfach den Kanal voll habe. Zweieinhalb Stunden an einem toten Tag, das muss reichen.

Ärger gibts dann beim Anpflocken des Fliegers, denn eine Wespe meint, in der Aufnahme für die Sonde am Seitenleitwerk quartier beziehen zu müssen. Doof, dass ich das Ding nicht abgeklebt hatte. So sitze ich da auf dem Schwanz des Fliegers und guckte in das Rahr, die Wespe sitzt drin und glotzt zurück. Ende vom Lied war, dass wir das I-Brett auseinander gefummelt und den Schlauch vom Vario abgezogen und durchgepustet haben. Allerdings hatte die Wespe offenbar schon vorher die Kurve gekratzt, denn es kam nichts mehr.

Als wir schließlich alle zusammen unterm Pavillon zum Essen versammelt sitzen, ist noch nicht abzusehen, wohin sich das ganze entwickeln würde. Vielleicht war es die Überdosis an Knoblaubroten die uns schließlich dazu verleitet hat, mit zwei Gitarren, einer Trompete und einem iPad eine Jamsession zu veranstakten. Simon vom LSC Erftland konnte als Profimusiker natürlich mit allerlei Skills vom Pianospiel über Trompete bis hin zum Schlagzeug punkten, wobei die Krönung der Session sicher „Shine On You Crazy Diamond“ von Pink Floyd war – auf iPad und Akustikgitarre mit Youtube-Unterstützung zum Besten gegeben. Und natürlich gabs mit Reinhard Meys „Über den Wolken“ auch noch etwas zum Mitsingen fürs allgemeine Flugplatzvolk. Was für ein irrer Abend. Mehr davon! Vielleicht entsteht ja mal ein Musikprojekt „Flugplatzkapelle Stölln vs. Rockrüpel der BBSW“ oder so.

Zehn Kilometer weiter…

Im Prinzip kann ich mir heute sehr viel Schreibarbeit sparen, denn mein heutiger Flug hat mich ganze zehn Kilometer weiter geführt als der gestern.
Die Bernd-Fischer-Show verbreitete bereits am frühen Morgen Lügengeschichten von ein bis zwei Achtel Cumulus. In der empirischen Überprüfung dieser Vorhersage kam ich später zu dem Schluss, dass unter dem Bruchstrich keine 8, sondern eher eine 16 oder gar eine 32 stehen musste, um die Bewölkung einigermaßen realistisch abzubilden.

Es galt, die Strecke Düren-Hürtgenwald, Daun-Senheld und Ailertchen mit je 25 Kilometer Wendezylinder zu fliegen. Und zwar wieder mit dem Wind im Rücken auf dem ersten Schenkel. Ganz großes Kino. Das macht ja auf exakt diesem einen Schenkel Spaß, alles weitere ging dann aber gegen eine reichlich steife Brise. Um es ganz kurz zu machen: Es ging ein stückweit gut, stellenweise bis 2400 Meter. In den ersten Zylinder bin ich vielleicht fünf, sechs Kilometer reingeflogen, dann Kurswechsel Richtung Südsüdost. Hier habe ich den Taurus aus unserem Starterfeld aufgegabelt und bin mit den Kameraden etliche Bärte gemeinsam gekreist. Das ging natürlich weit besser als alleine. Irgendwann war ich dann wieder alleine, und hier, nicht weit von Hinterweiler, wo ich am Vortag für ein Stück Apfelkuchen gelandet bin, ging die Malaise wieder los. Saufen, Saufen, Saufen. Der Hass. Allerdings reichte die Höhe diese Mal immerhin zehn Kilometer weiter.

Über Daun-Senheld ging es zunächst nochmal einigermaßen aufwärts, aber der satte Wind sorgte für ebenso starken Versatz vom Ziel weg. Also hoch, wieder rangeflogen und dabei die gesammelte Höhe verfeuert. Das habe ich zweimal gemacht, dann hatte ich die schnauze voll und bin bis direkt an den Platz geflogen in der Hoffnung, dass sich am Hang dahinter nochmal was löst. Aschekasten. Im Funk melde ich meine Landeabsicht an und erbitte Informationen zum Hausbart. Das bringt alles keine Punkte, geschweige denn Höhenmeter, und so gehe ich in den Gegenanflug. Allerdings ist der Anflug hier etwas anspruchsvoller, es geht leicht bergauf und direkt vor der Bahn liegt ein mit Maar. Mit reichlich Sicherheitshöhe kurve ich auf de Platz ein und setze die Else sauber auf die Wiese.

Sofort bin ich von den Hausherren umringt, und wir schieben die Else direkt vors Flugplatzcafé. „Ich lese Deinen Blog“ ist einer der ersten Sätze, die mir entgegen schlagen. Tatsache, es scheinen sich doch Leute für die literarische Verarbeitung meines fliegerischen Unvermögens zu interessieren. Gelächter kommt auf, als ich erzähle, dass ich am Vortag in Hinterweiler gelegen habe. Man erzählt mir, dass die hiesigen Segelflieger heute aufgrund des starken Windes recht zeitig wieder eingeräumt haben. So viel zum Wetter in dieser ganz speziellen Region.

Eine gute Stunde nachdem ich auf der Mönchsheide angerufen und von meiner erneuten Fremdflugplatzbodenkontakterfahrung berichtet habe, rollt mein Vater mit meinem Auto und dem Elsehänger vor und wir verstauen den Hobel innerhalb von zehn Minuten. Einmal mehr Dank an mein Empfangskommando vom Segelflugverein Vulkaneifel, für den netten Empfang und für das leckere Eis. Auf bald!

Zu Gast bei den Drachen

Zweiter Tag mit Wertung, erster Tag mit Außenlandung. Zufrieden? Nicht wirklich, aber schön wars trotzdem. Aber der Reihe nach.

Am Freitag hatten die Masterminds um Sportleiter Gerd Doepner das Briefing zweimal verschoben und nach einem Feldbriefing mit nochmals verkürzten Aufgaben den Tag schließlich neutralisiert. Zitat des Tages: Pilot: „Ich hab hier drei Meter“. Flugleitung: „Wir brauchen Steigwerte, keine Durchmesser!“. Knaller. Jedenfalls bot der Tag dann genug Zeit, um endlich mal die Schleppstange für die Else fertig zu basteln. Gemeinsam mit Stefan Wilnat, Schleppilot, Fluglehrer und Analyse-Crack für F-Schleppgebühren hatte ich einen spitzenmäßigen Plan ausgearbeitet, den Werkstattleiterin Frauke dann komplett über den Haufen geworfen hat. Sollte ja ordentlich werden und so. So stand ich dann vier Stunden in der Werkstatt und habe mit Unterstützung von Frauke und Heribert die Teile, die meine Vereinskameraden schon vorbereitet hatten, zu einem funktionsfähigen Utensil zusammengebastelt. Sogar mit gepolsterter Spornaufnahme. Und siehe da, es funktionierte.

Das Abrüsten der Else habe ich mir dann gespart, den Kahn vorm Anhänger angepflockt und abgedeckt und gut war.

Am Samstag sieht das Wetter wieder besser aus. Erste Cumuli über der Eifel deuten auf einen guten Tag hin. Die Bernd-Fischer-Show beim Briefing bestätigt den Eindruck, die Wettbewerbsleitung bastelt uns eine AAT über Aachen, Daun Senheld und Ailerchen. Schien machbar. Angesichts zu viel vergammelter Zeit am Vormittag stehe ich in der zweiten Startreihe und muss entsprechend früh los. Kaum drin, zieht die Morane das Seil straff und es geht los. Einigermaßen ruppig der Schlepp, aber zügig auf 600 Meter AGL. Dann das übliche Spiel: Steigen im Wind, der einen Meter um Meter von der Startlinie wegträgt. Zweimal düse ich zurück in Richtung Start und verfeuere dabei Meter um Meter. Irgendwann habe ich mich dann auf 1600 Meter hochgearbeitet und melde fatalistisch meinen Abflug, da ich keine Lost habe, mir im Kreisen von der brennenden Sonne weiter das Hirn weichkochen zu lassen. Also Feuer frei nach Westen. Das geht im ersten Moment auch richtig gut, wenig sinken, immer mal ein Bart dazwischen und gut. Gut bis Düren-Hürtgenwald, denn dort sind es plötzlich nur noch 500 Meter AGL. Großes Kino. Über Funkt will ich die potenziell in Aussicht stehende Landung ankündigen, aber niemand antwortet. Zweiter Versuch, wieder nix. Blick auf die Karte, aha-Effekt. Im XCSoar ist die falsche Frequenz angegeben. Also die richtige aus der Karte gesucht und angefunkt. Delta-Blabla, südlich, saufen, mies, vielleicht landen, arschlecken. Antwort: Mach halt. Nun gut. Irgendwie gelingt es mir, aus dem weit fortgeschrittenen Sinkvorgang in mehreren brutalen Kampfkurven einen halben Meter Steigen zu runden und mich wieder auszugraben. Bei 1400 Meter AGL verlasse ich die Platzrunde und es geht weiter.

Tatsächlich fliege ich sogar recht weit in den ersten Zylinder rein, denn die Wolken sind einladend. Ein zieht mich bis auf 2700 Meter MSL – so hoch war ich noch nie! Dann Kurs auf Daun Senheld. Unter den Wolkenstraßen geht das richtig gut. Zumindest eine Zeitlang. Irgendwann komme ich dann immer tiefer und weiß wirklich nicht mehr, wo ich die Wolken noch anfliegen soll, damit ich Steigen bekomme. Auf Höhe der Dahlemer Binz raste ich die Frequenz von Wershofen und melde mich als der Typ, der da vor einem Jahr mal probiert hat, ob eine LS1 auch ohne Fahrwerk einigermaßen zu landen ist. Gelächter und Grüße werden zurückgefunkt. Dann kräht auch noch jemand, dass er regelmäßig diesen Blog liest und ich weitermachen soll. Nunja. Ich verspreche, irgendwie in den nächsten acht Tagen noch eine Kiste Bier als Dankeschön vorbei zu bringen. Immerhin hat man dort wichtige psychologische Erstbetreuung geleistet.

Das alles lässt die Else aber nicht besser steigen. Inzwischen bin ich auch angepisst, weil mein gesamter Proviant alle ist und ich Appetit habe. Mit Airman-Beans halte ich mich bei Laune, auch wenn ich dafür mit Blick auf Vario und Höhenmesser eigentlich Kokain oder sowas bräuchte. Also Kurs auf das nächste landbare Stück Erde. Das ist in diesem Fall das Gleiterflugfeld Hinterweiler. Ein zweites Mal verarscht mich XCSoar beim Frequenzrasten, aber irgendwann habe ich die Jungs da unten am Rohr. Gleiches Spiel wie in Düren, ich such Thermik, und die unten lachen mich wahrscheinlich aus. Thermik ist keine da, also nehme ich die kurze Landebahn ins Visier, fliege eine saubere Platzrunde und setze die Else auf den englisch getrimmten Rasen. Ich bin unten, der Flieger ist ganz und ich hatte sogar das Fahrwerk draußen. Nicht schlecht für einen wie mich.

Die Überraschung kommt Sekunden später. Klaus, ein Drachenflieger, der noch tags zuvor auf der Mönchsheide zu Besuch war, steht vor mir und grinst. „Was willstn Du hier?“ fragt er und lässt sich von mir das ganze Drama berichten. Im Anschluss an die Begrüßung gibt es frischen Apfelkuchen. Da hätte ich mir echt ein schlechteres Feld suchen können. Nach der Info an die Mönchsheide und meine Rückholer lasse ich mir etwas übers Drachenfliegen erzählen und komme zu dem Schluss, dass ich das irgendwann mal ausprobieren muss.

Gut eine Stunde später sind Thorsten und Anna, die jüngste im LV Mönchsheide, mit meinem Auto und dem Anhänger da. Keine Viertelstunde dauert es, und die Else ist im Anhänger verschwunden und wir auf dem Rückweg.

Danke an meine Rückholer und die freundlichen Drachenflieger von Hinterweiler! Auf Bald!

Eigentlich gut, aber…

…wenn man den vierten Wendepunkt der Einer Speed Area Task nicht anfliegt, weil man eigentlich nur noch wieder nach Hause will, dann könnte man sich doch massiv in den Allerwertesten beißen. Wie kann man nur so unfassbar blöd sein? Ich weiß es echt nicht. Aber der Reihe nach.

30. Bad Breisiger Segelflugwoche, und der Quoten-Ossi natürlich mittendrin. Dankenswerter Weise haben mir meine Kameraden vom Aeroclub Perleberg noch einmal die LS1 zur Verfügung gestellt, damit ich hier mitfliegen kann. Da ich bei der Anmeldung nicht wissen konnte, ob und wann ich in Stuttgart einen neuen Verein finde war klar, dass ich mit der Else fliegen musste. Selbst wenn mir mein neuer Verein einen Fliger zur Verfügung gestellt hätte, wäre da immernoch das Problem mit der mangelnden Erfahrung auf der Kiste geblieben. Also Else. Dafür am ersten Maiwochenende mal eben 700km in die Prignitz gegondelt und den Kahn abgeholt. Am Sonntag gleich noch zwei Starts und gut 40 Minuten Flugzeit, um uns wieder aneinander zu gewöhnen. Hat geklappt. Vor allem waren die Landungen sauber, was mich wirklich gefreut hat, weil ich den Bock sonst immer irgendwie unschön hingeschmissen habe. Wershofen lässt grüßen… Dann noch ein Start im Bergfalken, und gucke da, selbst die Kiste fliegt irggendwie. Nicht schön, aber sie fliegt.

Montag dann die 630 Kilometer auf die Mönchsheide. Zuvor freilich die obligatorische Kiste Neuzeller Klosterbräu Kirsch geholt und dann ab auf die Bahn. Natürlich viel zu spät, dieses Mal aber unverschuldet, da das Auto vorher noch zur Inspektion musste. 15.30 Anfahrt in Wittenberge, 0.30 Ankunft auf der Heide. Dankenswerter Weise ließ mich unser Wetterfrosch in einem der bereits aufgebauten Zelte übernachten und es blieb mir erspart, mein neues Einfamilienhaus aus Stoff und Stangen in der Nacht aufbauen zu müssen.

Der Dienstag ging völlig für Vorbereitungen drauf und fand sein Finale in der Panoramasauna Holzweiler. Das war bei dem Sauwetter auch viel besser als Fliegen. Für Mittwoch stand dann eigentlich nur eine erweiterte Platzrunde an, um nochmal nach Außenlandefeldern für den Fall eines missglückten F-Schlepps zu gucken. Allerdings lud das Hammerwetter dann doch zu einer gewaltig erweiterten Platzrunde ein, zumal Thorsten vom LV Mönchsheide sich als Rückholer angeboten hatte. Also gings von der Heide erstmal nach Norden bis kurz vor eine gut sichtbare Antennenkuppel. Vorm Charlie von Frankfurt 90 Grad links in zum Radioteleskop Effelsberg und weiter zum Nürburgring. Das war eine Empfehlung von Thorsten und sah aus der Luft echt spannend aus. Dann war ich eigentlich schon wieder auf Kurs zurück, aber irgendwie waren die Wolken doch zu verlockend. Also nochmal Schwenk nach rechts und Industrieruinen-Sightseeing am Kernkraftwerk Mühlheim-Kärlich. Schöne Runde. Gute zweieinhalb Stunden später setze ich die Else ins Gras der Mönchsheide und bin zufrieden, dass die Technik soweit funktioniert. Aber ich sitze noch immer beschissen. Aber da Empfängt mich Alice vom LV Mönchsheide wie ein rettender Engel und empfiehlt mir, eins der Sitzkssen zwischen Rücken und Schirm zu stopfen. Und tatsächlich: Ich konnte ohne sitzschalenbedingten Lendenwirbelschmerz völlig entspannt im Cockpit Lümmeln. Der Hammer! Der Rest des Tages ging für das übliche Shake Hands drauf, denn als eininziger Teilnehmer mit ostdeutschem Migrationshintergrund kannten mich natürlich alle. Schön, die ganze Meute wiederzusehen.

Himmerlfahrt. Erster Wettbewerbstag. Pünktlich den Flieger aufgebaut und angesichts der eindeutigen Windverhältnisse noch vor dem Briefing an den Start gezerrt. Erster! Das Verschafft Zeit, wenn es losgeht. Das Erste Briefing sah noch eine AAT über die Wendepunkte Garbenheimer Wiesen, Schmallenberg-Rennefeld, Bad Marienberg und Wershofen vor, eine Stunde später wurde Wershofen Wetterbedingt wegrationalisiert. Blieb immernoch ein ordentliches Stück Flugarbeit, denn die Bedingungen waren bei weitem nicht so perfekt wie am Vortag, als mehrere tausender in Deutschland geflogen wurden und sogar ein Kollege mit einer LS1c mehr als 860km abgerissen hat. RESPEKT!
Tatsächlich gelingt es mir nach dem Start, mich irgendwie auf Abflughöhe hochzumogeln. Bis zur Abflugline verbrate ich allein 400 Meter und Fluche gar fürchterlich ob meiner Dummheit. Aber irgendwie hangele ich mich dann doch in Richtung des ersten Wendepunktes. Auf der östlichen Rheinseite geht es für meine Begriffe spürbar besser als im Westen. Allerdings ist man stellenweise besser beraten einfach geradeaus einen Meter Steigen mitzunehmen als einzkreisen und die Hälfte der Runde durchs Saufen zu fliegen. Irgendwann nach gut zwei Stunden, immernoch meilenweit entfernt von der ersten Wende bin ich auf 600 Meter AGL runter und gucke bereits nach landbaren Feldern. Da genug Braun in der Umgebung ist, kann ich hier weiter Kreisen. Kreisen bring an dem kleinen Höhenzug mit der Markanten Antenne direkt unter Mir aber keine Punkte, also gehts viermal die Nase im Wind am Hang entlang. So hole ich mir gute 400 Meter und kann dann weiter oben auch ordentlich kreisen. Hier irgendwo treffe ich auch die Bravo Mike mit Thomas und Dennis, aber die Duo fliegt entspannt mit irgendwas um die 150 Sachen vor, wohingegen ich mir mit Tempo 90 wie ein unbeleuchtetes Luftfahrthindernis vorkomme.
Zuerst fliege ich in den Zylinder des letzten Wendepunktes, weil der fast auf dem Weg liegt und die Wolken dort besser aussehen, dann biege ich nach rechts ab und pikse den Zylinder der Garbenheimer Wiesen an. Ab auf Nordkurs und ran an die 30-Kilometer-Röhre um Schmallenberg-Rennefeld. Unter mir sehe ich orgendeine Talsperre und weiß, ok, der Zylinder ist im Sack. Also wieder kehrt und zurück in Richtung Flughafen Siegerland, dort hatte ich schon auf dem Hinflug Hallo gesagt und der Platz wäre ne gangbare Alternative zur Außenlandung im Dreck. Über dem Flugplatz Siegen komme ich mit vielleicht 500 Meter AGL an und finde hier endlich wieder einen Bart, der wirklich geht und knappe 1000 Meter bringt. Mit der Höhe und angesichts der Tatsache, dass mir mein mit XCSoar getuntes mobiles Fernsprechendgerät schon dreimal gesagt hat, dass meine Ankunft nach Sonnenuntergang stattfinden wird lasse ich mich zu einer Abkürzung unter dem Charlie von Frankfurt durch hinreißen und verpasse ganz gepflegt die dritte Wende. Gottseidank ahne ich auf den umkämpften letzten 30 Kilometern nichts davon, denn im Glauben, endlich mal rumzukommen, feile ich jeden Bart bis zum letzten aus – bzw. so weit mich der Deckel des Luftraums lässt. Nach guten viereinhalb Stunden quere ich den Rhein und melde mich an. Da ich viel zu hoch bin – Zitat Andreas: „Ohne Fernglas hätte ich die Kennung nicht lesen können.“ – kreise ich mich nach unten und werfe die Else mit einer Mittwochlandung ins Gras. Unten und rum. Denke ich jedenfalls. Das böse Erwachen kommt bei der Auswertung. Zylinder verfehlt, Flug ungültig. Ich bin pappsatt.

Allerdings: Erster Wettbewerbstag und unverletzt mit einem völlig intakten Flugzeug am Zielflugplatz angekommen. Das hatte ich bis dato noch nicht.

Mönchsheide im Rückblick: Wie Weihnachten und Ostern, und das sogar mit Bananen…

Wieder zuhause mischt sich die Freude über die bisher wohl besten Flugtage meiner kurzen Zeit als Lizenzpilot mit der Trauer angesichts der Erkenntnis, dass es bis zur 30. BBSW eigentlich noch viel zu lange hin ist. Aber der Reihe nach.

Für mich endete die Mönchsheide 2015 planmäßig bereits drei Tage vor Wettbewerbsschluss, da ich mit meinen ehemaligen Schulkameraden auf 11 Jahre Abitur anstoßen wollte (das Zehnjährige hatten wir irgendwie verpennt…) So ist schon das Briefing am Donnerstag eine etwas wehmütige Angelegenheit, da mir hier die letzte Chance offeriert wird, doch wenigstens einmal rumzukommen. Nach Bernds ultraausführlicher Meteorologen-Selbstinszenierung, die er wie üblich mit subtil-humorvollen Einlagen würzt, haut Gerd die Tagesaufgaben raus. Von der Mönchsheide geht es nach Düren-Hürtgenwald, der Wendezylinder hat 15km Durchmesser. Wendepunkt zwei ist der Flugplatz Dahlemer Binz mit gleichem Zylinder. Zum Schluss heißt es noch einmal auf die andere Rheinseite hüpfen und den Flugplatz Elz bzw. seinen 30-km-Zylinder anpiksen. Mindeststrecke 153,0km, über die Wenden 255,7 und maximal 361,5km. Mindeststrecke 150? Das waren bisher immer um die 90… Sollten die Meteorologen wirklich derartiges Hammerwetter bestellt haben, dass einer wie ich 150 Kilometer fliegt? Wer weiß. Die Mindestflugzeit beträgt drei Stunden. Startbereitschaft 11.30 Uhr, also hinmachen.

Auch wenn ich noch allerhand Kram zu erledigen habe stehe ich nicht in Reihe eins, was mir zusätzlich Zeit verschafft. Tatsächlich habe ich in den paar Tagen auf der Mönchsheide gelernt, die knappe Zeit zwischen Aufstehen und Startbereitschaft so zu strukturieren, dass ich damit eingermaßen hinkomme. Auf der anderen Seite weiß ich inzwischen, was ich wirklich am und im Flieger brauche und beginne, so etwas wie eine vernünftige Aufbewahrungsstruktur in meinem Auto zu entwickeln, um nicht permanent nach irgendwelchen Kleinigkeiten wie beispielsweise Abklebeband suchen zu müssen. Das entspannt dann doch ein wenig. Mit dem Eintippen der Wendepunkte ins Navi bin ich startbereit.

Um 12.08 Uhr Ortszeit zerrt die Morane das Seil straff, die Else rollte und es macht klick. Das Seil ist aus der Kupplung raus und das Schleppflugzeug bewegt sich noch 20 oder 25 Meter weiter, bevor der Pilot abbremsen kann. Ein paar Starthelfer schieben meinen Flieger ein Stück nach vorne, damit das Seil noch einmal eingeklinkt werden kann. Per Funk kommt von Gerd die Bitte, bis zum Abflug den Flieger zu bremsen, damit der Schlepper das Seil straffen kann. Also Klappen voll raus, denn die Radbremse wird am Endanschlag des Klappenhebels aktiviert. Kaum steht das Seil unter Spannung, knarzt der Funk und ich erhalte Anweisung, die Klappen einzufahren. Als die Bretter in den Flächen verschschwunden sind, gibt die Morane vollgas und wir zischen los.

In nur dreieinhalb Minuten zerrt mich der Motorflieger auf 600 Meter und ich finde direkt westlich des Platzes gleich Steigen, um mich auf fast 1000 Meter über Grund hochzukurbeln. Na das läuft ja mal, denke ich und nehme mir fest vor, dieses Mal in Richtung des Windes Thermik zu suchen, um mich dann nach Abflugfreigabe nur kurz bis über die Startlinie versetzen zu lassen und dann Kurs auf den ersten Wendepunkt zu nehmen. Während ich auf die Freigabe warte, ziehe ich ein wirres Muster aus Kreisen im Steigen und Sinken in die Luft. Hier geht es Aufwärts, da Abwärts. Mal ist ein Flieger über mir, ein paar Minuten später sehe ich den gleichen irgendwo drei Etagen tiefer. Das Warten nervt, und ich verputze den ersten Müsliriegel, um wenigstens etwas Geschmack zwischen die Kauleisten zu bekommen.

Um 13.17 Uhr knarzt es im Funk: „Der Abflug für die Standard-/Clubklasse ist frei, India Lima bitte bestätigen.“ Ich bestätige die Abflugfreigabe und melde selbst kurz darauf meinen Abflug. Mit 1400 Meter AGL sollte doch irgendwie was gehen. Nach zwei Angstbärten habe ich 1500 Meter und gleite mit gleichmäßigem Tempo bei recht geringem Sinken Richtung West-Nordwest. Mit konstantem Wechsel zwischen kursgenauem Gleiten und Kurbeln in starken Aufwinden fliege ich den ersten Streckenabschnitt bis auf Höhe der Ortschaft Berbuir und reiße den 15er-Zylinder von Düren-Hürtgenwald an. Da das Wetter weiter im Westen nicht viel besser wird und ich ehrlich gesagt keine Lust habe, mich wieder vom Acker kratzen zu lassen, nehme ich gleich Kurs auf den Zylinder der Binz, den ich eine gute Viertelstunde später tangiere.

Zwei geschafft. Nun heißt es mit dem Wind vorfliegen. Und das macht unter den teils dunkelgrauen Wolken richtig Spaß. Bei Tempo 120 laut Fahrtmesser bin ich über Grund rund 135 bis 140 Stundenkilometer schnell, und wenn es richtig zuckt ziehe ich die Fahrt weg und kreise ein. Ich brauche nichtmal eine halbe Stunde und bin wieder in Sichtweite der Mönchsheide. Blöd nur, dass sich hier erstmals vorsichtig meine Blase bemerkbar macht und ich es kommen sehe, mit der erstmaligen Benutzung einer Pisstüte noch eine Premiere bei der BBSW zu erleben. Ich schiebe den Gedanken beiseite und konzentriere mich auf die Navogation.

Kurz vor Mühlheim-Kärlich habe ich gerade noch 500 Meter über Grund, und in dem Wissen, dass das nicht bis nach Hause zurück reicht, gucke ich bereits nach landbaren Feldern. Davon gibt es hier genug, ich kann mich also weiter auf die Thermiksuche konzentrieren, die tatsächlich Erfolg hat und mich und die Else wieder auf 1800 Meter über Grund bringt. 1300 in einem Bart ausgekurbelt, das ist sportlich. Bei Sankt Sebastian hüpfe ich über den Rhein und Kreise über Bendorf noch einen Aufwind aus, bevor ich mit einem kurzen Stück Ostkurs den Zylinder von Elz anschneide und dann direkt umdrehe.

Beim Eindrehen in den Endanflug habe ich 1400 Meter über Mönchsheide-Niveau, laut Navi komme ich mit 300 Meter Reserve dort am Platz an. Neben mir fliegen noch zwei andere ihren Endanflug, allerdings gleiten die beiden besser als ich. Genau in der Mitte des Anfluges drehe ich noch zwei Angstkreise, die vielleicht 50 Meter bringen und nur einen homöopathischen Effekt für die Psyche haben. Egal, die Höhe reicht. Mit bis zu 180 Sachen lasse ich die Else durch die Lusft flitzen und melde beim Überfliegen des Rheins meine Position an die Wettbewerbsleitung. Südlich des Platzes überfliege ich die imaginäre Ziellinie und ordne mich schließlich in die Platzrunde ein. Um 14.34 beende ich die letzte Kurve, gleite tiefer und setze die Else einigermaßen ordentlich ins Gras. Als ich aus dem Fliegersteige muss ich grinsen. Rumgekommen, zum ersten Mal. Ein perfekter Abschluss für meine erste BBSW.

Jeder Flieger, der mir begegnet, fragt mich, ob ich es geschafft habe, und es gibt Schulterklopfen und ernstgemeinte Glückwünsche. Alle hatten mitbekommen, wie ich die Else an Tag eins auf den Bauch gesetzt hatte, wussten von den Problemen mit dem Funk und dem Pech mit der kaputten Bremse des Anhängers. Es sind ernstgemeinte Glückwünsche, und das freut mich umso mehr. Am Ende des Tages bin ich elfter in der Klassenwertung mit 161, Kilometern und einem Schnitt von 53,8 km/h. Ich wusste gar nicht, dass die Else so langsam fliegt… Damit kann ich sogar Robert hinter mir lassen, der zwar mehr Kilometer mit besserem Schnitt flog, aber durch den Index-Nachteil seiner ASW20 offenbar Punkte eingebüßt hat.

Mein letzter Abend auf der Mönchsheide wird nochmal so richtig schön. Gemeinsam mit Markus, Karin und den Jungs und Mädels vom LFC Erftland sitze ich beim Abendessen, wo diverse Witze, vor allem über den Deutschen Schäferhund, die Belegschaft zweimal fast völlig zusammenbrechen lassen. Jaja, so viel Humor hätten die Gebrauchtdeutschen ihrem Quotenossi nicht zugetraut. Nachdem ich mein Zelt zerlegt und das ganze Campinggeraffel ins Auto verfrachtet habe – an dieser Stelle ein Dank an Maurice und Dennis, die mir eine Schlafkammer ihres Zeltes freigeräumt haben – geht es noch auf einen Cocktail in die Flugplatzbar, wo der ein oder andere meiner Fehltritte als Mönchsheide-Anfänger genüsslcih ausgeschlachtet wird (jaja, liebe Besatzung von Bravo Tango, euch meine ich damit besonders!!) Aber auch hier zeigt sich noch einmal, dass die BBSW-Flieger ihren Ossi offenbar voll und ganz adoptiert haben, denn ich bekomme mehrfach Dresche angedroht für den Fall, dass ich 2016 nicht wieder antrete.

Das Briefing am Freitag nutze ich unter Störung des Protokolls noch einmal, um mich von allen zu verabschieden und herzlich für die tolle Aufnahme bei der BBSW zu bedanken. Bernd drücke ich eine Flasche Tequila Gold in die Hand mit der Bitte, alle, die mich in den zehn Tagen unterstützt haben, daran teilhaben zu lassen. Bernd, Bernd, Bernd, Ramona, Robert, Dennis, Maurice, Thomas, Nicole, Gerd, Andreas, Babette, Karin, Markus, Gerhard, Jan, Obelix, Lucas, Yorg, Yogi, Alice, Patrick, Marcus, Frauke und allen anderen danke ich für Tipps, Motivation, Spülmittel, Spiegelei mit Speck, Verlängerungskabel, technischen Sachverstand, Fokkernadeln, Nudelsalat, Reibekuchen, Hilfe beim Auf- und Abrüsten und einfach für eine tolle Zeit, die mir klar gemacht hat, dass das Fliegen nur halb so schöne wäre ohne die Menschen, die dadurch zusammen kommen. DANKE! Ich hoffe, ihr kommt am letzten Wertungstag alle gut houch! (das ist KEIN Tippfehler ;-)) Für mich bleiben unvergessliche Eindrücke, die vor allem beim Spachteln und Lackieren der LS1 nochmal richtig präsent werden dürften, und nicht zuletzt das gute Gefühl, auf einem Flugplatz tief im Westen der Republik immer willkommen zu sein. Auf ein Neues im nächsten Jahr!

Das Radioteleskop Effelsberg, Spitzname Eifelohr. Angeblich steht da immer ein Bart.
Das Radioteleskop Effelsberg, Spitzname Eifelohr. Angeblich steht da immer ein Bart.
Unter einer Wolke wird es ziemlich schnell ziemlich diesig...
Unter einer Wolke wird es ziemlich schnell ziemlich diesig…
Das Ziel in Sicht und ein Guide vorneweg.
Das Ziel in Sicht und ein Guide vorneweg.
Ich war da, Beweisstück A.
Ich war da, Beweisstück A.

Zum Abschluss will ich BBSW für mich hier noch einmal in Zahlen zusammen fassen:

Flüge gesamt: 6
F-Schlepps: 6
Flugzeit gesamt: 15h 10min
längster Flug: 5h 1min
Wertungsstrecke gesamt: 370,7km

Neutralisation, Aufrüsten, Abrüsten, Sauna

Für den heutigen Tag geht der böse Blick in Richtung unserer Meteorologen. Diejenigen, die normalerweise der Garant für tolles Flugwetter sind, haben auf ganzer Linie versagt. Jedenfalls gab die Wetterlage nichts brauchbares her, die Wettbewerbsleitung neutralisierte den Tag und verschaffte damit allen eine Atempause. Da es zunächst hieß, dass es bis zu den ersten Schauern noch eine zeitlang dauert, rüstete ich die Else auf und wollte zumindest etwas Flugzeit am Platz sammeln. Kaum die Akkus angeklemmt und die Instrumente gecheckt, prasseln die ersten Tropfen auf die Flächen. Der Blick zum Himmel legt ein Gespräch mit dem Meteorologen meines Vertrauens nahe, und der meint nur lapidar, dass rings um den Platz alles zu ist. Also verschwindet die Else mit Hilfe einiger Fliegerkameraden wieder im Anhänger und ich lege den Flugtag ad acta.

Der Rest des Tages wird nochmal sowas wie Urlaub, mit Fliegern des LSC Erftland verbringe ich einen schönen Nachmittag in der Sauna und lasse fünfe gerade sein. Es ist auch mal schön, die Leute jenseits des zumeist straff organisierten Flugbetriebes kennen zu lernen. Und die Leute, die auf die Mönchsheide kommen, scheinen durchweg zu den freundlichen zu gehören. Der Suchtfaktor steigt in jedem Fall.

Am Abend geht es im Flugplatzcasino noch einnmal hoch her. Man mutmaßt, ob ich vielleicht nur ein IM aus dem Osten sei, da meine mäßigen fliegerischen Fähigkeiten allenfalls Tarnung sein können. Allerdings, der Quotenossi scheint auf der Mönchsheide angekommen. Zumindest hält sich die Gehässigkeit des Klassenfeindes in Grenzen. In sehr engen Grenzen.

P.S.: Morgen Radio hören!

Ich rüste auf, es regnet, ich rüste ab.
Ich rüste auf, es regnet, ich rüste ab.
Die Familie fliegt immer mit.
Die Familie fliegt immer mit.
Die Kollegen vom Deutschlandfunk sind auch da, wollen über die BBSW berichten.
Die Kollegen vom Deutschlandfunk sind auch da, wollen über die BBSW berichten.
Abendimpression.
Abendimpression.

Zwei Starts, zwei Plätze und letzter in der Klassenwertung

Mein dritter Wertungstag auf der Mönchsheide brachte zwei Starts und zwei Landungen, und das ganze auf zwei verschiedenen Flugplätzen.

Als Aufgabe stand heute für die Club- und Standardklasse der Flug von der Mönchsheide über Düren-Hürtgenwald und Montabaur zurück zum Startplatz. Startbereitschaft: 11.30 Uhr. Fast hätte ich die Startvorbereitungen stressfrei hinbekommen, wären da nicht die Klemmen der Stromversorgung fürs Navi gewesen, die partout nicht auf dem Akku halten wollten und erst richtig saßen, als ich mit der Zange nachhalf. Geschenkt. Mit dem Wissen, dass mein Hänger laut Auskunft der Werkstatt um 14 Uhr repariert wird kann ich mich ganz entspannt auf Strecke machen und freue mich auf einen tollen Flugtag.

Um 12.34 Uhr Ortszeit geht das UL vor der Else in Stellung und zerrt das Seil straff. Bei dem böigen Wind habe ich zunächst Probleme, sauber hinterher zu fliegen, fange den Bock aber schließlich ein und folge einigermaßen ordentlich. Bei 600 Meter klinke ich aus und finde in Richtung Rhein auch satte Thermik, die mich bis auf 1400 Meter MSL bringt. Gut, denke ich mir, da geht ja wirklich was. Der starke Westwind aber ist eine echte Herausforderung. Als alle Clubbis in der Luft sind und die Abflugfreigabe kommt, versuche ich, in Richtung des Flugplatzes vorzufliegen, brauche aber bis zur Mönchsheide schon 300 Meter. Das wird so nix. Also zurück und nochmal hoch gekurbelt. Gleiches Spiel. Schließlich versuche ich es mit einem Schlenker nördlich am Platz vorbei und melde kurz vor 14 Uhr meinen Abflug vom Platz. Mehr schlecht als recht düse ich in wahnsinnigem Saufen nördlich entlang der Autobahn Richtung West-Nordwest und ärgere mich, dass ich kein vernünftiges Steigen finde. Aber hey, mein Navi funktioniert immerhin und die Dritte-Welt-Müsliriegel aus dem Pennymarkt schmecken vorzüglich. Es könnte mir also schlechter gehen.

Noch bis kurz vor Wormersdorf schaffe ich es im Gleitflug und beobachte, wie ein anderer Segler auf dem Platz in Bad Neuenahr-Ahrweiler landet. Ich drehe rum und beschließe, mir diese Option offen zu halten. Da ich keine Lust habe, erneut auf dem Acker zu liegen, aber gegen den Wind bei der mäßigen Thermik nicht anfliegen kann, nehme ich Kurs auf die Mönchsheide und werde abbiegen, wenn ich es nicht schaffe. Als ich kur vor der Autobahn nur noch 400 Meter über Mönchsheide-Nievau habe fällt der Entschluss, zumal sich der andere bereits eine Schleppmaschine organisiert hat und wir so gegebenenfalls ohne Landtransport zurück kommen.

Ich fliege den Platz relativ hoch an, da ich bei dem Gegenwind genug Reserve haben will und funke auf der Platzfrequenz meine Positionsmeldung samt Fahrweksmeldung – der Mensch ist ja lernfähig. Bei ordentlichen Böen schwebe ich auf den Platz ein und arbeite mich langsam an die Schwelle heran. Abfangen, Ausschweben und irgendwie auf den Wind reagieren. Im Rollen erwischt mich noch eine Böe und dreht den Flieger um fast 90 Grad. Ich habe keine Chance, mit dem Seitenruder gegenzeusteuern und rutsche vielleicht zwanzig Meter quer zur Landerichtung. Dann steht die Else. Kaum aus dem Cockpit, gucke ich mir sicherheitshalber das Fahrwerk an, kann aber keine Schäden feststellen. Gemeinsam mit dem Schleppiloten und dem anderen Segelflieger rolle ich die India Lima an den Start und gerne nehme ich das Angebot an, dass mir der Kamerad den ersten Start überlässt, damit ich nicht mit abgelegter Fläche starten muss. Der Motor der Remo brüllt auf und ich habe Mühe, bei den Böen den Kurs zu halten. Die Hand am Ausklinkgriff sehe ich zu, die Flächen der Else in der Luft zu halten und bekomme den Flieger nach einer gefühlten Ewigkeit frei. Zunächst geht es auf Höhe, dann in einer gleichmäßigen Kurve Kurs Mönchsheide. Kurz vor dem Platz klinke ich mich in 800 Metern aus, eigentlich viel zu spät, was Sportleiter Gerd Doepner später zu der lakonischen Bemerkung animierte: „Wenn der Flieger explodiert wäre, wären die Trümmer auf dem Flugplatz gelandet.

Jetzt, wo ich eigentlich nur noch Höhe abfliegen und landen will steigt es überall. Noch gut 20 Minuten kreise ich am Platz, übeein paar Slips und gehe dann zur Landung. Die fällt außerordentlich kurz aus, da ich nicht in die weiter hinten stehenden Segler brettern will. Man könnte auch sagen, fast zu kurz. Schließlich kommt ein Auto und nimmt die Else an den Haken. Jetzt heißt es, den Anhänger abholen. Die Jungs von Vergölst in Bad Breisig haben super Arbeit geleistet und aus allerlei Ersatzteilen, die ich am Vortag besorgt habe, alles so zusammen improvisiert, dass es wieder funktioniert. Schließlich kann ich die Else verladen und den Hänger wieder an seinen Platz fahren. Die Auswerung des Logfiles ergibt einen respektablen letzten Platz in der Clubklasse mit 20,9 Kilometern Strecke. Aber ich sehe den Tag positiv: Zweimal auf einem Flugplatz gelandet, und das zweimal mit ausgefahrenem Fahrwerk. Das hatte ich schon schlechter. Dazu keine Teile verloren und nichts kaputt gemacht, aber wieder einen funktionsfähigen Anhänger fürs Flugzeug. Das sind echte Erfolgserlebnisse!

Bei lecker Steaks, zu denen die Jungs und Mädels vom LSC Erftland den Quoten-Ossi einladen, klingt der Abend aus. Natürlich wird der Tag ordentlich ausgewertet, meine Querlandung als durchaus nicht unüblich für derartig heftige Windbedingungen klassifiziert und noch allerlei Fachvokabular auf den Tisch gepackt. Nur ein Beispiel: Die Flüsterlatte. Macht keinen Krach, steigt aber auch nicht. Tolle Erfindung.

Am Start.
Am Start.
Das Corpus delicti am Anhänger.
Das Corpus delicti am Anhänger.