Mönchsheide im Rückblick: Wie Weihnachten und Ostern, und das sogar mit Bananen…

Wieder zuhause mischt sich die Freude über die bisher wohl besten Flugtage meiner kurzen Zeit als Lizenzpilot mit der Trauer angesichts der Erkenntnis, dass es bis zur 30. BBSW eigentlich noch viel zu lange hin ist. Aber der Reihe nach.

Für mich endete die Mönchsheide 2015 planmäßig bereits drei Tage vor Wettbewerbsschluss, da ich mit meinen ehemaligen Schulkameraden auf 11 Jahre Abitur anstoßen wollte (das Zehnjährige hatten wir irgendwie verpennt…) So ist schon das Briefing am Donnerstag eine etwas wehmütige Angelegenheit, da mir hier die letzte Chance offeriert wird, doch wenigstens einmal rumzukommen. Nach Bernds ultraausführlicher Meteorologen-Selbstinszenierung, die er wie üblich mit subtil-humorvollen Einlagen würzt, haut Gerd die Tagesaufgaben raus. Von der Mönchsheide geht es nach Düren-Hürtgenwald, der Wendezylinder hat 15km Durchmesser. Wendepunkt zwei ist der Flugplatz Dahlemer Binz mit gleichem Zylinder. Zum Schluss heißt es noch einmal auf die andere Rheinseite hüpfen und den Flugplatz Elz bzw. seinen 30-km-Zylinder anpiksen. Mindeststrecke 153,0km, über die Wenden 255,7 und maximal 361,5km. Mindeststrecke 150? Das waren bisher immer um die 90… Sollten die Meteorologen wirklich derartiges Hammerwetter bestellt haben, dass einer wie ich 150 Kilometer fliegt? Wer weiß. Die Mindestflugzeit beträgt drei Stunden. Startbereitschaft 11.30 Uhr, also hinmachen.

Auch wenn ich noch allerhand Kram zu erledigen habe stehe ich nicht in Reihe eins, was mir zusätzlich Zeit verschafft. Tatsächlich habe ich in den paar Tagen auf der Mönchsheide gelernt, die knappe Zeit zwischen Aufstehen und Startbereitschaft so zu strukturieren, dass ich damit eingermaßen hinkomme. Auf der anderen Seite weiß ich inzwischen, was ich wirklich am und im Flieger brauche und beginne, so etwas wie eine vernünftige Aufbewahrungsstruktur in meinem Auto zu entwickeln, um nicht permanent nach irgendwelchen Kleinigkeiten wie beispielsweise Abklebeband suchen zu müssen. Das entspannt dann doch ein wenig. Mit dem Eintippen der Wendepunkte ins Navi bin ich startbereit.

Um 12.08 Uhr Ortszeit zerrt die Morane das Seil straff, die Else rollte und es macht klick. Das Seil ist aus der Kupplung raus und das Schleppflugzeug bewegt sich noch 20 oder 25 Meter weiter, bevor der Pilot abbremsen kann. Ein paar Starthelfer schieben meinen Flieger ein Stück nach vorne, damit das Seil noch einmal eingeklinkt werden kann. Per Funk kommt von Gerd die Bitte, bis zum Abflug den Flieger zu bremsen, damit der Schlepper das Seil straffen kann. Also Klappen voll raus, denn die Radbremse wird am Endanschlag des Klappenhebels aktiviert. Kaum steht das Seil unter Spannung, knarzt der Funk und ich erhalte Anweisung, die Klappen einzufahren. Als die Bretter in den Flächen verschschwunden sind, gibt die Morane vollgas und wir zischen los.

In nur dreieinhalb Minuten zerrt mich der Motorflieger auf 600 Meter und ich finde direkt westlich des Platzes gleich Steigen, um mich auf fast 1000 Meter über Grund hochzukurbeln. Na das läuft ja mal, denke ich und nehme mir fest vor, dieses Mal in Richtung des Windes Thermik zu suchen, um mich dann nach Abflugfreigabe nur kurz bis über die Startlinie versetzen zu lassen und dann Kurs auf den ersten Wendepunkt zu nehmen. Während ich auf die Freigabe warte, ziehe ich ein wirres Muster aus Kreisen im Steigen und Sinken in die Luft. Hier geht es Aufwärts, da Abwärts. Mal ist ein Flieger über mir, ein paar Minuten später sehe ich den gleichen irgendwo drei Etagen tiefer. Das Warten nervt, und ich verputze den ersten Müsliriegel, um wenigstens etwas Geschmack zwischen die Kauleisten zu bekommen.

Um 13.17 Uhr knarzt es im Funk: „Der Abflug für die Standard-/Clubklasse ist frei, India Lima bitte bestätigen.“ Ich bestätige die Abflugfreigabe und melde selbst kurz darauf meinen Abflug. Mit 1400 Meter AGL sollte doch irgendwie was gehen. Nach zwei Angstbärten habe ich 1500 Meter und gleite mit gleichmäßigem Tempo bei recht geringem Sinken Richtung West-Nordwest. Mit konstantem Wechsel zwischen kursgenauem Gleiten und Kurbeln in starken Aufwinden fliege ich den ersten Streckenabschnitt bis auf Höhe der Ortschaft Berbuir und reiße den 15er-Zylinder von Düren-Hürtgenwald an. Da das Wetter weiter im Westen nicht viel besser wird und ich ehrlich gesagt keine Lust habe, mich wieder vom Acker kratzen zu lassen, nehme ich gleich Kurs auf den Zylinder der Binz, den ich eine gute Viertelstunde später tangiere.

Zwei geschafft. Nun heißt es mit dem Wind vorfliegen. Und das macht unter den teils dunkelgrauen Wolken richtig Spaß. Bei Tempo 120 laut Fahrtmesser bin ich über Grund rund 135 bis 140 Stundenkilometer schnell, und wenn es richtig zuckt ziehe ich die Fahrt weg und kreise ein. Ich brauche nichtmal eine halbe Stunde und bin wieder in Sichtweite der Mönchsheide. Blöd nur, dass sich hier erstmals vorsichtig meine Blase bemerkbar macht und ich es kommen sehe, mit der erstmaligen Benutzung einer Pisstüte noch eine Premiere bei der BBSW zu erleben. Ich schiebe den Gedanken beiseite und konzentriere mich auf die Navogation.

Kurz vor Mühlheim-Kärlich habe ich gerade noch 500 Meter über Grund, und in dem Wissen, dass das nicht bis nach Hause zurück reicht, gucke ich bereits nach landbaren Feldern. Davon gibt es hier genug, ich kann mich also weiter auf die Thermiksuche konzentrieren, die tatsächlich Erfolg hat und mich und die Else wieder auf 1800 Meter über Grund bringt. 1300 in einem Bart ausgekurbelt, das ist sportlich. Bei Sankt Sebastian hüpfe ich über den Rhein und Kreise über Bendorf noch einen Aufwind aus, bevor ich mit einem kurzen Stück Ostkurs den Zylinder von Elz anschneide und dann direkt umdrehe.

Beim Eindrehen in den Endanflug habe ich 1400 Meter über Mönchsheide-Niveau, laut Navi komme ich mit 300 Meter Reserve dort am Platz an. Neben mir fliegen noch zwei andere ihren Endanflug, allerdings gleiten die beiden besser als ich. Genau in der Mitte des Anfluges drehe ich noch zwei Angstkreise, die vielleicht 50 Meter bringen und nur einen homöopathischen Effekt für die Psyche haben. Egal, die Höhe reicht. Mit bis zu 180 Sachen lasse ich die Else durch die Lusft flitzen und melde beim Überfliegen des Rheins meine Position an die Wettbewerbsleitung. Südlich des Platzes überfliege ich die imaginäre Ziellinie und ordne mich schließlich in die Platzrunde ein. Um 14.34 beende ich die letzte Kurve, gleite tiefer und setze die Else einigermaßen ordentlich ins Gras. Als ich aus dem Fliegersteige muss ich grinsen. Rumgekommen, zum ersten Mal. Ein perfekter Abschluss für meine erste BBSW.

Jeder Flieger, der mir begegnet, fragt mich, ob ich es geschafft habe, und es gibt Schulterklopfen und ernstgemeinte Glückwünsche. Alle hatten mitbekommen, wie ich die Else an Tag eins auf den Bauch gesetzt hatte, wussten von den Problemen mit dem Funk und dem Pech mit der kaputten Bremse des Anhängers. Es sind ernstgemeinte Glückwünsche, und das freut mich umso mehr. Am Ende des Tages bin ich elfter in der Klassenwertung mit 161, Kilometern und einem Schnitt von 53,8 km/h. Ich wusste gar nicht, dass die Else so langsam fliegt… Damit kann ich sogar Robert hinter mir lassen, der zwar mehr Kilometer mit besserem Schnitt flog, aber durch den Index-Nachteil seiner ASW20 offenbar Punkte eingebüßt hat.

Mein letzter Abend auf der Mönchsheide wird nochmal so richtig schön. Gemeinsam mit Markus, Karin und den Jungs und Mädels vom LFC Erftland sitze ich beim Abendessen, wo diverse Witze, vor allem über den Deutschen Schäferhund, die Belegschaft zweimal fast völlig zusammenbrechen lassen. Jaja, so viel Humor hätten die Gebrauchtdeutschen ihrem Quotenossi nicht zugetraut. Nachdem ich mein Zelt zerlegt und das ganze Campinggeraffel ins Auto verfrachtet habe – an dieser Stelle ein Dank an Maurice und Dennis, die mir eine Schlafkammer ihres Zeltes freigeräumt haben – geht es noch auf einen Cocktail in die Flugplatzbar, wo der ein oder andere meiner Fehltritte als Mönchsheide-Anfänger genüsslcih ausgeschlachtet wird (jaja, liebe Besatzung von Bravo Tango, euch meine ich damit besonders!!) Aber auch hier zeigt sich noch einmal, dass die BBSW-Flieger ihren Ossi offenbar voll und ganz adoptiert haben, denn ich bekomme mehrfach Dresche angedroht für den Fall, dass ich 2016 nicht wieder antrete.

Das Briefing am Freitag nutze ich unter Störung des Protokolls noch einmal, um mich von allen zu verabschieden und herzlich für die tolle Aufnahme bei der BBSW zu bedanken. Bernd drücke ich eine Flasche Tequila Gold in die Hand mit der Bitte, alle, die mich in den zehn Tagen unterstützt haben, daran teilhaben zu lassen. Bernd, Bernd, Bernd, Ramona, Robert, Dennis, Maurice, Thomas, Nicole, Gerd, Andreas, Babette, Karin, Markus, Gerhard, Jan, Obelix, Lucas, Yorg, Yogi, Alice, Patrick, Marcus, Frauke und allen anderen danke ich für Tipps, Motivation, Spülmittel, Spiegelei mit Speck, Verlängerungskabel, technischen Sachverstand, Fokkernadeln, Nudelsalat, Reibekuchen, Hilfe beim Auf- und Abrüsten und einfach für eine tolle Zeit, die mir klar gemacht hat, dass das Fliegen nur halb so schöne wäre ohne die Menschen, die dadurch zusammen kommen. DANKE! Ich hoffe, ihr kommt am letzten Wertungstag alle gut houch! (das ist KEIN Tippfehler ;-)) Für mich bleiben unvergessliche Eindrücke, die vor allem beim Spachteln und Lackieren der LS1 nochmal richtig präsent werden dürften, und nicht zuletzt das gute Gefühl, auf einem Flugplatz tief im Westen der Republik immer willkommen zu sein. Auf ein Neues im nächsten Jahr!

Das Radioteleskop Effelsberg, Spitzname Eifelohr. Angeblich steht da immer ein Bart.
Das Radioteleskop Effelsberg, Spitzname Eifelohr. Angeblich steht da immer ein Bart.
Unter einer Wolke wird es ziemlich schnell ziemlich diesig...
Unter einer Wolke wird es ziemlich schnell ziemlich diesig…
Das Ziel in Sicht und ein Guide vorneweg.
Das Ziel in Sicht und ein Guide vorneweg.
Ich war da, Beweisstück A.
Ich war da, Beweisstück A.

Zum Abschluss will ich BBSW für mich hier noch einmal in Zahlen zusammen fassen:

Flüge gesamt: 6
F-Schlepps: 6
Flugzeit gesamt: 15h 10min
längster Flug: 5h 1min
Wertungsstrecke gesamt: 370,7km

Ein Kommentar zu “Mönchsheide im Rückblick: Wie Weihnachten und Ostern, und das sogar mit Bananen…

  1. Lars Du warst eine Bereicherung mit Deinen Blogbeiträgen aber noch mehr mit Dir als Mensch hier auf der Mönchsheide. Und wir freuen uns auf Dich im nächsten Jahr! Grüsse von einer Gebraucht Deutschen 😀

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