Wenngleich wir mit unserer Else – in die ich mich, zugegebener Maßen, so langsam doch ein bisschen verliebe – ein Flugzeug haben, mit dem man in der Clubklasse einigermaßen mitfliegen kann, besteht die Perleberger Flotte doch im Wesentlichen aus Oldtimern. Und eigentlich reiht sich die Else da genau mittig ein, zwischen Rhönlerche und Bergfalke, die beide älter sind, und Pirat und Bocian, beide jünger. Da liegt es natürlich nahe, die alten Holzdrachen in den Anhänger zu packen und nach Rothenburg-Görlitz zu düsen, zum 19. kleinen Segelflug-Oldtimertreffen. Wahrscheinlich unter Einfluss von Alkohol und/oder der Euphorie eines besonders schönen Flugtages ausgeheckt, war der Plan auch nüchtern noch ganz witzig, sodass Frank und Felix den Bergfalken für den Ritt vorbereiteten und ich mich um den Piraten kümmerte.
360 Kilometer einfache Strecke, und das mit Anhänger. Schön ist anders, zumal ich am Freitag erst nach 22 Uhr losfahren konnte, da ein Kollege seinen Abschied feierte. Zu meiner eigenen Überraschung war ich erschreckend ausgeruht und brachte die Tour in rund fünfeinhalb Stunden hinter mich. Die Probleme begannen erst mit meiner Ankunft am Flugplatz. Natürlich hatte ich vergessen, beim Flugleiter anzurufen und mir Instruktionen zur Ankunft zu holen, und so stehe ich um 3.45 Uhr am Flugplatz und habe keine Ahnung, wo ich hin muss. Die Unterlagen zum Selbstbriefing bringen mich nicht wirklich weiter, denn dichter Nebel sorgt für eine Sichtweite von um die 30 Meter, und das auf einem Flugplatz, der Flächenmäßig so groß ist, dass darin vermutlich alle anderen Plätze, auf denen ich bisher geflogen bin, locker reinpassen würden. Nach dreimal verfahren finde ich schließlich Schilder, die mich zur Flugleitung führen. Ich parke neben zahllosen anderen Anhängern und laufe einmal quer über den Platz. Hinter dem Bunker mit dem Tower obendrauf sehe ich das Auto der Naumanns mit dem Anhänger des Bergfalken dran. Ok, geschafft. Klogang, Isomatte im Kofferraum platzieren und pennen. Anreise gemeistert.
Beim Briefing am Samstag die erste Überraschung. Ich betrete den Raum und von irgendwem kommt der Satz „Ah, der rote Pirat…“ Eigentlich ganz schmeichelhaft, wenn man mal nicht mit „Du bist doch der, der in Wershofen die LS1 ohne Rad…“ empfangen wird. Die Ansprache von Flugleiter Volker Wollert ist kurz und sachlich, es gibt einige Hinweise zu den Höhenschlepps. Allein beim Gedanken daran, dass die hier 3200 Meter Seil auf dem Platz auslegen und dich auf weit über 1000 Meter Höhe schleppen, wird mir schwindelig. Die Wesentlichen Infos wie Frequenzen, Ausweichplätze und Pilotennummer gibts im kniebrettauglichen A6-Format, wobei mir wieder einmal auffällt, dass ich mir endlich auch mal ein Kniebrett zulegen sollte.
Dankenswerter Weise dürfen wir am Start aufrüsten und entgehen so der Höchststrafe, die Flieger für den Startaufbau 18 ziemlich genau zweieinhalb Kilometer über den Platz ziehen zu müssen. Und das bei brütender Hitze, die uns beim aufrüsten für die nächsten zwei Stunden nahezu völlig durchgrillt. Klar hätte das ganze viel schneller erledigt sein können, aber es gibt viel zu viel zu gucken und zu quatschen. Vor allem die wunderschöne Foka 4, mit der Ullrich Hötling angereist ist, lenkt mich ziemlich ab. Es dürfte kaum einen Flieger geben, der von der Eleganz her mit der SZD 24 mithalten kann. Da stimmt einfach alles, und das Gerät war seinerzeit so erfolgreich, dass es 1964 von Jan Wroblewski pilotiert als bisher einziges Standardklasseflugzeug den Weltmeistertitel in der Offenen Klasse erringen konnte.
Irgendwann am frühen Nachmittag habe ich den Piraten zusammengepuzzelt und gecheckt. Bei der Sitzprobe kann ich mir beim besten Willen nicht mehr erklären, warum ich den Flieger mal der LS1 vorziehen wollte. Auch das Kissen unter dem Hintern ist nur psychologisch wirksam. Während ich auf meinen Start warte, schlendere ich die Schlange von Flugzeugen entlang. Hier steht wirklich Segelfluggeschichte: Eine Rhönschwalbe, ein Rhönadler, ein Condor, ein kurioser side-by-side-Doppelsitzer vom Typ Slingsby T21, ein wunderschöner, im Lufthansa-Design gestalteter IIIer Bergfalke, diverse Babys und drei Foken (oder wie sonst schimpft sich die Mehrzahl von Foka?), davon zwei vierer und eine fünfer… Wirklich Wahnsinn, wa da an Historie aufgefahren ist. Einmal mehr wird mir meine Leidenschaft für die unfassbar schönen und dynamisch gestalteten Fokas bewusst, wohingegen ich mit vielen Schleicher-Oldies wie der K6, der Ka8 etc. nicht wirklich was anfangen kann. Nunja, Geschmackssache halt.
Die Windenstarts in Rothenburg sind schon beim Zuschauen irre. Die Kameraden vom RLSV schmeißen wirklich 3200 Meter Kunststoffseil auf ihren Platz und feuern Einsitzer damit auf bis zu 1470 Meter. Doppelsitzig liegt der Rekord nur bei 1400 Meter, aber damit lässt es sich auch irgendwie leben. Als ich den Start von Frank und Felix im Bergfalken beobachte, klappt mir die Kinnlade runter. Es geht einfach nur hoch, hoch, hoch. Aus ihrem Siebenkommaundlitervauacht haben die Rothenburger irgendwas weit jenseits der 400PS rausgekitzelt, sodass es auch wirklich nie an Leistung mangelt. Der Pulst steigt. Kaum drin im Flieger klickt das Seil in die Kupplung und es geht los. Aber so spektakulär, wie es von außen aussieht, ist es dann gar nicht. Der Schlepp ist völlig ruhig, nur dass irgendwann der Boden auch beim Blick in die Flächen aus der Sicht gerät. Die Nadel am Höhenmesser geht über die 600 hinaus, hier wäre schon bei den meisten F-Schlepps schluss. 700, 800. Bei 860 Meter macht es klick und der Pirat ist frei.
Thermik scheint es in Rothenburg überall zu geben, denn es steigt nur. Und dabei kommt man sich vor, wie wenn man in einem Museum fliegt. Vor lauter Guckerei angesichts des historischen Geflügels überall um mich rum muss ich mich ermahnen, mich auch aufs Fliegen zu konzentrieren. Es macht einfach nur irre Spaß, auch wenn eine Inversion alle Ambitionen bei rund 1100 Meter einbremst. Aber wegfliegen wollte ich eh nicht, und so mache ich mir einen Spaß daraus, die Flugzeuge, die mich interessieren, anzufliegen und mir von allen Seiten anzugucken. Besonders das oder die Slingsby ist schon ein drolliger Flugkörper, und wieder schmelze ich dahin, als ich sehe, wie eine der schnittigen Fokas durch die Luft flitzt.
Die Landschaft unter mir ist eine Mischung aus Wald, Feldern, einem Truppenübungsplatz und Braunkohletagebauen. Drei riesige Kraftwerke sind in Sichtweite, Boxberg, Schwarze Pumpe und Jänschwalde. Angesichts der wüsten Tagebaue und der dicken Wasserdampfwolken, die an der Inversion bei rund 1200 Metern Höhe breit laufen, keimt in mir die Frage auf, wie lange wir die Luft, die wir ja nicht nur zum Fliegen, sondern auch irgendwie zu Atmen brauchen, noch mit dem Kohlendreck vollpaffen und die Landschaft zuwecks Brennstoffgewinnung umpflügen wollen…
Eine Stunde und 40 Minuten dauert mein Flug über Rothenburg. Lange Landung und dann unfassbar langes latschen zum Hangar und die ganzen Flieger einschachteln. Gemeinsam geht das aber erstaunlich gut.
Am Abend gibt es ein sehr leckeres gemeinsames Abendessen mit allen angereisten Teams, und es ist Zeit, ins Gespräch zu kommen. Vor allem mit Gunter aus Taucha, der mit einem Baby da ist, erzählen wir lange. Im Schwatz mit Joachim Schulz vom Aero-Club Schwarzheide lassen wir den Tag ausklingen. Am Sonntag nehme ich Jürgens Angebot an, mir einmal seine Foka 5 anzuziehen. Tatsache, der Flieger hat was, und es liegt sich saubequem im Cockpit. Klar isses eng, aber das spornt wenigstens an, es mit der Völlerei nicht zu übertreiben.
Nach nochmal anderthalb Stunden Flug am Sonntag, in dem die letzten 20 Minuten wildes Lufthaschen mit Frank und Felix im Bergfalken sind, packen wir unsere Flieger zusammen und düsen gen Heimat. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an Volker Wollert und sein Team vom Rothenburger Luftsportverein. Es war ein tolles Wochenende. Windenschlepp auf 900 Meter, viel gesehen, zehnter Platz auf meiner Liste. Daumen hoch!
Perfekt ausgestattet fürs Oldtimertreffen.
Zweimal Perleberger Luftfahrtkompetenz.
Das Fünf-Teile-Puzzle für große Kinder.
Natürlich ist auch mein Co-Pilot wieder dabei.
Endlich in der Luft. Gerade Mal 250 Meter Startüberhöhung 😉
…denkt Frerk Frommholz in seinem Beitrag nach und plädiert für die Abkehr vom leistungsbestimmten Fliegen. Ein toller Ansatz, den man sich durch den Kopf gehen lassen sollte.
„Fast möchte man dem Eindrucke Raum geben, als sei der Storch eigens dazu geschaffen, um in uns Menschen die Sehnsucht zum Fliegen anzuregen und uns als Lehrmeister in dieser Kunst zu dienen; fast hört man’s, als rief er die Mahnung uns zu:
Es kann deines Schöpfers Wille nicht sein, Dich, Ersten der Schöpfung, dem Staube zu weih’n, Dir ewig den Flug zu versagen!“
Ist sie das? Der schmale, hell glänzende Strich in der Landschaft, direkt vor dem Wäldchen? Kein Zweifel, das ist sie. Lady Agnes. Eine Iljuschin IL 62, erster Langstrecken-Passagierjet der Sowjetunion, bei der Interflug mit der Kennung DDR-SEG bis zur Wende im Dienst und am 23. Oktober 1989 von Heinz-Dieter Kallbach, einer Legende unter Verkehrspiloten, auf der nur 850 Meter langen Graspiste in Stölln auf den Acker gesetzt. Reife Leistung. Einige Minuten später bin ich mir sicher: Der Sonderlandeplatz Stölln-Rhinow liegt direkt vor mir, vielleicht zehn Kilometer entfernt. Der Plan, mit dem Segelflugzeug zur Bundesgartenschau nach Stölln zu fliegen und ein bisschen auf den Spuren des Flugpioniers Otto Lilienthal zu wandeln, ist geglückt.
Rückblick: Bereits in der Woche vor dem 8. August hatte ich mit Johannes Hille, dem Vorsitzenden des Flugsportvereins „Otto Lilienthal“ Stölln/Rhinow, telefoniert und ihm von meinem Plan erzählt, von Perleberg nach Stölln zu fliegen um den dortigen Standort der Bundesgartenschau 2015 zu besuchen. Obwohl am geplanten Wochenende der Cross Country Champions Cup, kurz CCCC, stattfinden würde, erbarmte sich Johannes, mir einen Hallenplatz für die Else und eine Schlafgelegenheit zu organiaisern. Einen Tag später würde ich versuchen, auch den Rückweg ohne Motorkraft zu bewältigen. Soweit, so gut geplant.
Die Ausrüstung für den Trip musste überschaubar ausfallen, da das Gepäckfach der Else wirklich nur das nötigste fasst. Streckenflieger-Kulturbeutel in Form eines Zipperbags mit Duschbad, Deo, Zahnpasta und Sonnencreme im Miniturformat plus Zahnbürste und Allergiepillen. Wechselwäsche. Ladekabel fürs Handy, Portemonnaie, Jacke, Bordbuch und persönliche Dokumente, die obligatorische Außenlandelektüre, mein Schlafsack und ein Bettlaken samt Kissenbezug. Dazu zwei Flaschen wasser, ein paar Müsliriegel und das übliche Gedöns wie Sonnebrille, Handy, Pisstüte und ICAO-Karte. Mit dem Berg Gepäck stand ich am 8. August pünktlich um zehn in Perleberg auf der Matte, aber die Kombination aus Wetterbericht und dessen empirischer Überprüfung via Blick in den Himmel machte alle Erfolgsaussichten zunichte. Aber ich hatte immerhin Zeit, verschiedenste Beladevarianten durchzuprobieren und den ganzen Kram in den Flieger zu puzzeln. Fazit: es passte fast alles ins Gepäckabteil, lediglich der Schlafsack blieb über. Aber auch das war kein Problem, denn da ich die Else stets mit vier Kissen unterm Arsch fliege, konnte ich hier substituieren: Alle Kissen raus, Schlafsack rein, ein Kissen drauf und es war nicht nur ok, sondern saumäßig bequem. Den Nachmittag verbringe ich damit, der ersten Buga-Standort, Havelberg, ohne Flugzeug abzuarbeiten.
Am Folgetag ergibt sich immerhin ein schöner Flugtag, bei dem ich dreieinhalb Gäste glücklich machen kanne. Ein junger Kerl und seine Freundin wollen einen Windenstart und steigen hinterher mit zum Dauergrinsen festgetackerten Mundwinkeln aus dem Bocian. Flug drei mache ich mit meinem Kumpel Jon, den ich vor einigen Jahren beim Badminton in Wittenberge kennengelernt habe. Im F-Schlepp geht es hinter der Remo der Flugggruppe des JG 71 Richthofen zügig in den Himmel, und im Kreisen über Perleberg spiele ich den Reiseführer. Da Jon noch ein bisschen Spaß haben will, verpasse ich ihm eine Handvoll Parabelflüge, die er ganz offenbar genial findet. Schließlich folgt noch ein F-Schlepp mit einem Gast aus Karstädt, der vor allem aus der Luft fotografieren will. Der Schlepp führt uns zunächst über das ausgedehnte Waldgebiet südlich des Platzes, da ich den Schlepiloten gebeten hatte, nicht über die Stadt zu fliegen, um Ärger wegen Lärm von vornherein aus dem Weg zu gehen. Nach dem ausklinken geht es nach Perleberg, und dort ziehen ich bedächtig Kreise, während hinter mir die Kamera klickt. Schließlich geht es schneller als erwartet nach unten, aber bei 250 Metern finde ich einen Bart, der eng gekreist nochmal 200 Meter bringt. Weiter geht es leider nicht, aber nicht etwa, weil die Luft nicht trägt, sondern weil mein Engagement, meinem Gast für sein Geld mehr Flugzeit zu erkämpfen dessen Kreisflugstabilität diametral entgegen steht. Nachdem von hinten unmissverständlich die Bitte kommt, aufzuhören, reiche ich sicherheitshalber meinen Hut durch mit der Ansage „Wenn, dann da rein!“. Fünf Minuten später sind wir unten, alles gut gegangen.
Zweiter Versuch, zwei Wochen später
An diesem Wochenende scheint alles zu passen. Stabile Wetterlage mit reichlicher Cumulusbildung vorhergesagt und zwei Tage angesetzter Flugbetrieb in Perleberg. Zunächst allerdings muss ich mir Rückholer organisieren, und schließlich erklären sich Frank und Valentin, zwei Piloten, die in Neu Gülze fliegen und in Perleberg eventuell ihren Bergfalken stationieren wollen, bereit, mich im Fall der Fälle vom Acker zu kratzen. Erst gegen 12 Uhr kommt der Flugbetrieb einigermaßen in Gang, und beim Blick an den Wolkenlosen Himmel fluche ich auf den Wettergott und sein Bodenpersonal beim DWD. Nichts tut sich. Der Bocian fällt nach Platzrunden immer wieder runter, aber gegen 13 Uhr bilden sich doch noch Wolken. Ich schleppe das ganze Geraffel zum Flieger, nachdem ich meine Vorflugkontrollliste abgearbeitet habe und überlege noch, mein Trinksstem anzuklemmen, verkneife mir es dann aber. Aberglaube, genau wie mit dem Abkleben: Klebste ab, bleibste da. Klebste nicht ab, fliegste sonstwieweit. Isso. Punkt und aus.
Wo soll der ganze Mist nur hin?
Um 13.20 Uhr schleudert mich die Winde in den Himmel. Trotz gut 400 Metern geht der Versuch daneben, es steigt kein bisschen. Der Wald in der Südplatzrunde, der sonst eigentlich zuverlässig Steigen bringt, lässt mich im Stich. Nach wenigen Minuten bin ich wieder unten. Egal, ran und zweiter Versuch. Wieder 400 Meter, dieses Mal gehe ich in die Nordplatzrunde, und siehe da, im Gegenanflug steigt es. Zwei, drei Bärte später stehen 1600 Meter auf der Uhr. Das muss zum Abflug reichen trotz des straffen Gegenwindes. Navigatorisch ist das ganze simpel: Einfach in südöstlicher Richtung die Waldkante entlang, als Orientierungslinien eigenen sich die B5 und die Bahnlinie Hamburg-Berlin. Am Boden sehe ich Bad Wilsnack mit der Wunderblutkirche vorbeiziehen, dann Glöwen. Die Elbe glitzert in der Sonne ebenso wie die Havel, die zum einen bei Havelberg in den größeren Fluss einmündet, zum anderen über die Wehre bei Gnevsdorf. Direkt über Havelberg drehe ich ein paar Kreise und habe nebenbei Zeit, die schöne Stadt aus der Vogelperspektive zu betrachten. Das Buga-Gelände im Norden, den Dom, die Insel mit der St. Laurentius-Kirche, in der die Blumenausstellung stattfindet und in der ich mich zwei Wochen zuvor über die – sagen wir mal gewöhnungsbedürftige – Floristik aus Fernost gewundert habe.
In einiger Entfernung eine große, glänzende Fläche. Blick zur Karte, Blick zum Fleck, Aha-Effekt: Der Gülper See. Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen, denn nun ist klar, dass ich mein Ziel, den Stöllner Flugplatz, selbst ohne weitere Thermik bei entspanntem Gleitflug erreichen müsste. Als ich den See rechts querab habe, ziehe ich noch zwei, drei Angstkreise, die aber keine Höhe bringen. Dennoch erreiche ich mit 1100 Metern Stölln und Lady Agnes gegen 15.12 Uhr Ortszeit. Noch gute zehn Minuten kreise ich hier und versuche, mit dem Handy Fotos der Anlage zu schießen, ohne dabei abzustürzen. Das wird mir schließlich zu doof und ich mache mich klar zur Landung. Bei Stölln Info frage ich die aktuellen Landeinformationen ab, insbesondere die Platzrunde und das Landeverfahren. Da ein Segelflugzeug in der Motorbahn links vom Startaufbau steht, weiter rechts aber noch ein Landezeichen liegt bin ich mir nicht sicher, wie das hier gehandhabt wird. Vom Flugleiter kommt die lapidare Info, dass ich landen kann, wo gerade Platz ist. Um 15.25 Uhr steht die Else auf der Wiese des Stöllner Flugplatzes, eine Stunde und 43 Minuten nach dem Start in Perleberg.
HavelbergDer Gülper See.
Lady Agnes und das Lilienthal-Centrum
Das Anmeldeprocedere ist simpel: Hallo, ich bin der und der, habe mit dem und dem gesprochen, habe das und das vor. Alles klar, viel Spaß. Nach einer guten Stunde shake hands und Bekanntmachen laufe ich den Hang hinauf zum Buga-Gelände. Meine Frage, ob es für Leute, die mit dem Segelflugzeug anreisen, Rabatt gibt, quittiert die Kassentante mit verzerrtem Gesicht. Nunja, muss ja nicht jeder was von der Fliegerei halten. So schlendere ich einmal über das kleine Areal, überfliege die Ausstellung in der IL 62 zur Interflug-Geschichte, die ich vor einigen Jahren schonmal ausgiebig inspiziert hatte. Ein Magnum-Mandel später stehe ich auf der Aussichtsterrasse und tackere wehrlosen Menschen, die den Flugbetrieb beobachten, ein Gespräch über die Fliegerei ans Bein.
Der Fliegerpark in Stölln, daneben der Flugplatz.Gelandet in Stölln.
Die Zeit drängt, bis 19 Uhr muss ich fertig sein und vermute, im Lilienthal-Centrum möglicherweise etwas länger zu brauchen. So spaziere ich zügig den Flieger- und Landschaftspfad entlang, dessen Infotafeln ich aber erstmal links liegenlasse. Die kann ich auch auf dem Rückweg lesen. Vor dem Lilienthal-Centrum erwartet eine Let Z-37 Čmelák die Besucher. Das Gebäude der alten Brennerei beherbergt eine nette kleine Ausstellung, in der das Wirken von Otto Lilienthal gewürdigt wird. Dabei steht die Information im Fokus und weniger die Ausstellung historischer Exponate. Herausragend ist, dass der Otto-Lilienthal-Verein Stölln in seiner Schau nicht der Versuchung verfällt, sich allein auf Lilienthals Fliegerei zu konzentrieren, sondern sie seinem breiten Schaffen Raum geben. Dabei spielt auch die enge Beziehung zu seinem Bruder Gustav eine Rolle, da er Otto Lilienthal bei vielen Projekten unterstütze und selbst als Architekt erfolgreich war. Da wird über Lilienthal den Maschinenbauingenieur berichtet, Lilienthal, den Inhaber von 20 Patenten, Lilienthal, den Theaterdramaturg, Lilienthal, den fortschirttlichen Arbeitgeber, der seine Angestellten am Gewinn teilhaben ließ, die Brüder Lilienthal, die gemeinsam Flugzeuge bauten und mit dem Anker-Steinbaukasten einen indirekten Vorgänger des Legosteine enwickelten. Insbesondere für den passionierten Segelflieger interessant ist eine Schau zahlreicher Segelflugzeugmodelle des Greizers Günter Binge aus Greiz. Mit einem der Vereinsmitglieder komme ich schließlich ins Gespräch und erfahre, dass die Bundesgartenschau noch einmal für einen Besucherschub gesorgt hat, nachdem das Besucherzentrum seit seiner Eröffnung 2013 von Touristen und Fluginteressierten gut angenommen wird.
Auf der Buga.Auf der Buga.Fast überall in Stölln ist die Fliegerei präsent.Das Lilienthal-Centrum.Das Lilienthal-Centrum.Das Lilienthal-Centrum.Fliegerei wohin man schaut.Die LET vor dem Ausstellungsgebäude.Metallmodell des Lilienthal`schen Doppeldecker-Gleiters und ein Wandersegelflieger.Der Meister in Überlebensgröße. Graffiti kann schon toll sein.
Gegen 19.45 bin ich wieder auf dem Flugplatz. Der Grill brennt bereits, und als ich nach meinem Flugzeug frage zeigt sich einmal mehr die wahnsinnige Gastfreundschaft der Stöllner. „Steht in der Halle, ist doch ok so, oder?“ kommt es lapidar von irgendwem. Ich lasse mir die Hall noch einmal aufschließen, werfe meinen Krempel in den Schlafsack und darf in Zimmer 4 ein Bett belegen – ein Fehler, wie sich später herausstellt.
Bei totem Tier vom Grill lerne ich die Stöllner etwas besser kennen, wir tauschen uns über unsere Vereine aus, geflogene Flugzeugtypen und natürlich allerlei Erlebnisse. Das Projekt 100 Plätze – 100 Flüge findet durchaus Anklang, und die Idee, zur Buga zu fliegen, kommt ebenfalls gut an. Als es dunkel wird, baut einer der Stöllner sein Teleskop auf und ich kann abenso wie einige andere Flieger einen Blick auf Mond, Saturn und diverse Galaxien werfen. Gegen 23 Uhr ist auch Johannes, mit dem ich bislang nur telefoniert und alles abgesprochen hatte, wieder am Platz ein und wir sitzen noch bis nach Mitternacht am Lagerfeuer und erzählen. Die Nacht schlafe ich wenig bis gar nicht. Ob es an dem Erlebnissen des Tages liegt, die erst verarbeitet werden wollen oder am Schnarchen im Raum vermag ich nicht abschließend einzuschätzen. Gegen fünf Uhr ziehe ich in ein anderes Zimmer um und kann doch noch zwei Stunden pennen.
Frühstück, Boarding, Wartezeit, Rückflug
Um acht gibt es frische Brötchen mit Marmelade und Wurst, eine Tasse heißen Kräutertee und die Befürchtung, dass ich mir den Rückflug wohl klemmen kann. Hohe Schichtwolken, die sogar ein paar Tropfen Regen abladen, Kälte und kaum Sonne – die Laune sinkt. Der Wetterbericht lügt irgendwas von Cu-Thermik gegen Mittag. Mal gucken.
Gut zwei Stunden später beginnt der Flugbetrieb, und tatsächlich reißt der Himmel auf. Allerdings lässt die Thermik zunächst auf sich warten. Nachdem ich meinen Flieger gecheckt und mein Gepäck verstaut habe, mache ich mich nützlich und helfe beim Flugbetrieb mit. Die Stöllner haben viele Gäste zu versorgen und parallel läuft der Schulbetrieb. Viel zu tun also.
Der Flugbetrieb kommt in die Gänge.Johannes und Ich. Abschied von einem sehr netten Fliegerkameraden.Startbereit.
12.40 Uhr Uhr mache ich fertig zum Start. Jetzt aber streikt die Winde. Rund 20 Minuten sitze ich angeschnallt im Flieger – dank Schlafsack unterm Arsch recht bequem – und warte. Dann steige ich nochmal aus. 15 Minuten später heißt es, bereit machen. Ich soll als Versuchskaninchen den ersten Start mit der reparierten Winde machen. Um 13.20 Uhr strafft sich das Seil und die Else nimmt Tempo auf. Sekundenbruchteile später drücke ich den Knüppel bis zum Anschlag durch, um der Aufbäumneigung des Fliegers einigermaßen entgegen zu arbeiten. Der Fahrtmesser zeigt 150, und ich brülle ins Mikro, dass der Kollege langsamer schleppen soll. Kurz darauf passt es, und ich steige mit konstant 110 weiter. Mit 400 Metern fliege ich in die Südplatzrunde und finde tatsächlich Thermik, die mich langsam nach Oben trägt. Der Wind steht günstig und versetzt mich beim Kreisen in Zielrichtung. Besser gehts nicht.
Bei knapp 1000 Meter nehme ich Kurs Richtung Heimat, und zunächst sieht es gar nicht mal so gut aus. Nördlich des Gülper Seese gehen einige Kreis ins Leere, und ich fliege fatalistisch in Zielrichtung weiter, obwohl es mehr säuft als steigt. Irgendwass muss da noch kommen, denke ich und kreise so, dass ich immer einen Acker in Reichweite habe. Nahe Voigstbrügge habe ich schon fast aufgegeben und nur noch 450 Meter über grund, als das Vario Steigen anzeigt. Endlich, und jetzt aber richtig
Karstädt mit der künftigen Autobahnauffahrt.Eine Elbschleife.Kurs Wittenberge.Unter der Wolke ist es dunkel und kalt. Aber es steigt!Die Elbe bei Wittenberge.Wittenberge.
. Mit einem einzigen Bart kurbele ich mich auf mehr als 1400 Meter hoch bis direkt unter die Wolken. Jetzt läuft es. Mit Nullsinken und Rückenwind flitze ich mit 120 bis 140 Sachen in Richtung Heimat, und leidglich über Glöwen nehme ich im Kreisen nochmal ein bisschen Steigen mit. Bei 1400 Metern überfliege ich das Stadtzentrum von Perleberg, melde mich an und höre Freudige Errregung bei meinen Kameraden. Geschafft, zu Hause. Allerdings, jetzt schon Landen wäre Quatsch, denn das Wetter ist super. So fliege ich noch nach Karstädt und von dort nach Wittenberge, bevor ich um 15.29 Uhr nach zwei Stunden und neun Minuten die Else mit einer langen Landung auf die Perleberger Bahn setze. Ok, zugegeben, ich setze sie dreimal auf die Bahn, aber dann steht sie auch.
Mein Co-Pilot ist immer dabei.
Beim Einräumen werten wir den Tag aus, und alle sind zufrieden. Zum Schluss rüsten wir noch mit Unterstützung der Neu Gülzer den Piraten ab, mit dem es am kommenden Wochenende zum Oldtimertreffen nach Görlitz geht. Ein Hammerwochende geht zu Ende, und das nächste wirft seine Schatten voraus. Erster Wandersegelflug mit Erfolg absolviert, den achten Platz auf meiner To-Do-Liste angeflogen und bei bestem Wetter insgesamt knapp vier Stunden in der Luft verbracht. Quality time, im besten Sinne.
Im Schlafanzug zur Ruhe nach einem schönen Wochenende.
Nach zwei Wochenenden Scheißwetter einschließlich Else einmal nach Lüchow und zurück fahren, ohne dort auch nur den Anhänger aufgemacht zu haben die ersten Beiden Augusttage für das erlittene Elend recht gut entschädigt.
Am Samstag ist zunächst Werkstattarbeit angesagt. Um 10 Uhr steht der Prüfer auf der Matte um den Bergfalken und die Rhönlerche abzunehmen. So werkeln und fummeln wir zwei Flieger auseinander und wieder zusammen, wiegen sie in Einzelteilen und am Stück, bestimmen die Schwerpunktlage. Zwischenzeitlich reinige ich den Piratanhänger, denn der soll den Roten Baron Ende August auf das 19. kleine Segelflug-Oltimertreffen nach Rothenburg-Görlitz bringen. Am Ende bekommen beide ihr ARC und von einem Tag auf den anderen steigt die Zahl unserer flugfähigen Doppelsitzer auf das dreifache. Die Vorhut der Fluggruppe des JG71 Richthofen aus Wittmund, die bereits am Vorabend angereist ist, packt kräftig mit zu, sodass um 14 Uhr allers erledigt ist und wir den Bocian und den Bergfalken raus aufs Flugfeld zerren können. Für 15 Uhr hat sich ein Fluggast angekündigt, der erste, der unsere Flugleiter-Handynummer genutzt hat. Lange genug habe ich argumentiert, dass wir am Start erreichbar sein müssen, damit Interessierte auch mal durchklingeln und fragen können, ob spontan ein Schnupperflug möglich ist.
Kaum draußen, arbeite ich meine Vorflugkontrollliste am Bocian ab, Bernd macht den Bergfalken startklar. Meine Schwester hilft mir bei der Ruderprobe, und als wir fertig sind steht auch der Fluggast parat. Der gesunde Respekt vor der Sache ist ihm deutlich anzumerken, und meine Einweisung in Fallschirm und Notabsprungverfahren scheint nicht gerade vertrauensfördernd. Aber die Neugier siegt schließlich, und kaum ist der Startcheck erledigt, das Seil straff und der erste Meter gerollt, kommt vom Rücksitz das bekannte Seufzer der Entspannung. Mit 480 Metern haben wir den nötigen Spielraum für Thermiksuche, und, Tatsache, im Gegenanflug der Südplatzrunde steigt es. Gemächlich kreisen wir uns hoch, und ich bin inzwischen in den Reisebegleiter-Modus verfallen, wenngleich sich die Erklärungen zunächst auf das Flugzeug und seine Instrumente beschränken. Für Bodenmarken fehlt mir noch der Nerv, erstmal heißt es, hoch kommen.
Bei 800 Meter ist Schluss, und wir nehmen Kurs auf Perleberg. Mein Gast fühlt sich pudelwohl, die Begeisterung steigt mit jeder Minute. Über Perleberg machen wir sightseeing, dann geht es noch einmal über den Henningshof und nach Sükow. Auch der Bergfalke ist inzwischen in der Luft und dreht seine Kreise. Nach gut 15 Minuten sind wir immernoch 600 Meter hoch, und da mein Gast noch ein bisschen was erleben will, drehen wir ein paar Steilkreise und spielen Achterbahn. Als ich den Bocian nach gut 20 Minuten wirklich butterweich auf die Graspiste setze kann ich mir sicher sein, jemanden glücklich gemacht zu haben.
Auch meine Schwester bekommt ihren Flug ab, und obwohl ich sie eigentlich als relativ belastbar einstufe, überrascht mich das unvermittelte Kichern von hinten doch. Beim Kampf auf der letzten Rille mit sonstwieviel Schräglage im Kreis scheint das Bauchkribbeln auf dem Rücksitz erheblich ausgeprägter zu sein als im stupiden Geradeausflug. Doch es reicht nicht, nach zehn Minuten sind wir wieder unten.
Während auch Frank sich noch einen Flug im Bergfalken gönnt, packe ich mein Geraffel zusammen und hänge mir die LS1 an, die wir am Abend zum Monnlightshopping in Wittenberge ausstellen wollen. Dazu ne fetzige Beleuchtung mit meinen alten Bühnenscheinwerfern, das sollte Eindruck machen und die Segelfliegerei auf dem Perleberger Platz auch wieder in den Fokus der Öffentlichkeit rücken.
Vor Ort erweist sich das ganze allerdings zunächst als kompliziert, denn mit dem Neun-Meter-Hänger zwischen Fahrradständern, Bäumen, Laternen und einem Grill- und einem Bierstand so zu rangieren, dass man da einen Rumpf rausziehen und Flächen anstecken kann, braucht seine Zeit. Dennoch haben wir die Else zu fünft in kurzer Zeit aufgerüstet und mit Flatterband abgesperrt. Ein Schild vom Aeroclub und ne Infotafel, komplettieren den Auftritt, und nach wenigen Minuten zeigt der ungewöhnliche Anblick eines Flugzeugs in der Innenstadt Wirkung. Die Leute bleiben stehen, gucken ungläubig. „Fliegt das wirklich?“ fragen nicht nur Kinder, sondern auch genug Erwachsene. Bernd und ich beantworten Fragen im Akkord, verteilen Infoflyer. Mit einsetzender Dämmerung schalten wir die Lampen an, und die LS1 erstrahlt in orange, violett, blau und grün. Es sieht schick aus und verfehlt seine Wirkung nicht.
Der Bergfalke darf wieder fliegen. Im Hintergrund rüsten die Wittmunder auf.Mit der India Lima zum Moonlightshopping.Ein Segelflieger in der Innenstadt sorgt für Aufmerksamkeit.
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Am Sonntag geht es zur Abwechslung mal wirklich nur ums Fliegen. Um zehn holen sich die Wittmunder von Bernd die wesentlichen Informationen rund um den Platzbetrieb ab und im Anschluss gehts direkt raus aufs Flugfeld. Endlich steht wieder mal ordentlich Geflügel am Start. Neben unserem Pirat, dem Bocian und der gerade aufgerüsteten LS1 warten Twin Astir, Ka 8, ASK 13 und ASW 15 auf Thermik. Für mich steht zunäckst Putzdienst an, denn die beiden Showeinsätze der Else haben ihre Spuren in Form eine dicken Staubschicht hinterlassen. Außerdem haben zahlreiche Kinderhände unzählige Fingerabdrücke auf die Haube getatscht, sodass ich einmal den kompletten Rundumschlag mache. Nach einer halben Stunde glänzt der Flieger wieder und ich schiebe das Gerät an den Start.
Der Versuch an der Winde geht völlig daneben. Zum einen sitze beschissen, weil sich die neuen Spekon-Gurte noch schlechter fest ziehen lassen als das alte Gurtzeug. Außerdem säuft und säuft es, zumindest bis zum Queranflug. Hier macht der Variozeiger einen Satz nach oben und scheint bei drei Meter festzuklemmen. Das Popometer allerdings bestätigt die Anzeige, und ich fluche wild in mich hinein. Mit 150 Metern Resthöhe kurve ich in den Endanflug ein und konzentriere mich auf die Landung. Bislang kam ich mit der Else immer ziemlich weit, und ein erfahrener LS1-Pilot vom LSC Erftland hat mir empfohlen, einfach mal konsequent mit Tempo 85 bis maximal 90 anzufliegen. Bisher hatte ich immer zehn bis 15 km/h Fahrtreserve aufgeschlagen. Kaum sind die Klappen voll raus geht es abwärts. Ich nehme den zweiten Reiter der Bahn als Aufsetzpunkt und verfehle ihn nach kurzem Schweben nur knapp. Einigermaßen zufrieden rolle ich aus und lasse mich einsammeln.
Zurück am Start sehe ich, dass die anderen mehr Glück hatten. Auch Felix im Piraten zieht ruhig seine Runden und schraubt sich hoch. Mit einem schnellen Start scheint es abeer nichts zu werden, denn das letzte Seil wird gerade in den Bocian eingeklinkt und es warten noch zwei andere Flieger auf ihren Start. Ein Blick zur Remo und mir vergeht die Lust mich anzustellen.
Der Motor des Schleppflugzeuges brüllt auf und die LS1 beschleunigt. Kurz nach dem Abheben zieht sie nach links und will sich aufbäumen. Ich steuere kräftig dagegen, und als die Remo abhebt, positioniere ich mich oberhalb des Propellerstrahls. So machen wir zügig Höhe, etwa in der Mitte des südlichen Gegenanflugs stehen bereits 800 Meter auf der Uhr. Ich klinke aus und drehe nach rechts weg, die Remo zischt geradeaus weiter und geht direkt in den Sinkflug. Dank der Höhe finde ich gut Anschluss an die Thermik, aber das Steigen ist zerrissen und unbeständig. Südöstlich des Platzes schaffe ich es bis auf 1200 Meter und fliege ab in Richtung Wittenberge. Auf halber Strecke kommt mir Arndt mit der Ka8 entgegen. Im Gleichen Bart ist es frustrierend, wie er mich mit dem Schleicher-Drachen auskurbelt. Aber was solls, irgendwie bekomme ich auch die Else hochgehievt und halte mich auf dem Weg nach Wittenberge zwischen 1000 und 1200 Meter.
Über Wittenberge kreisend gucke ich Fußball, denn im Thälmannstadion ist eine Partie im Gange. Wenngleich der Ball aus einem Kilometer Höhe wirklich sehr sehr klein aussieht, ist er als weißer Punkt auf dem dunkelgrünen Rasen noch ganz gut zu erkennen. Ich schieße ein paar Fotos und ärgere mich einmal mehr darüber, dass ich durch die Sitzposition den Knüppel nicht zwischen die Beine klemmen und das Flugzeug so zum Fotografieren stabilisieren kann. Im Gegensatz zum Bocian kann ich die Else nicht mit der linken Hand fliegen, dafür bin ich zu grobmotorisch. Eine ordentliche Kamerahalterung mit Fernauslöser wäre freilich auch eine Alternative.
In Richtung Südost sehe ich eine gewaltige Rauchsäule aufsteigen, offensichtlich ein Feldbrand. Im Kreisen bemerke ich dasselbe nur ein paar Kilometer Nordwestlich von Perleberg. Meinem Reportertrieb folgend beschließe ich, hinzufliegen und vielleicht ein Foto aus der Luft zu machen. Allerdings reicht die Höhe noch nicht, sodass ich zähneknirschend Kreise drehe, wohl wissend, dass das Feld nicht ewig fackelt. Gute 15 Minuten später bin ich endlich da, aber die Action ist durch. Ein TLF gurkt noch über das Dampfende Feld und berieselt offenbar Glutnester aus dem Dachwerfer. Am Rand kämpfen einige Kameraden mit brennenden Bäumen, die, wie ich später erfahre, schließlich gefällt werden müssen, da auch 1000 Liter Schaum und 4000 Liter Wasser die Glut keinen Erfolg brachten. Auch zwei Wittmunder haben als Katastrophentouristen das Schauspiel aus der Luft beobachtet, sind aber inzwischen wieder weg.
Nach einer Fotosession und einer guten Viertelstunde ausgiebiger Brandortgafferei fliege ich zurück und kreise noch ein bisschen über Perleberg. Beim Abfliegen der Höhee sehe ich, wie die Remo den Bocian in die Luft zerrt. Im Funk höre ich, dass Frank sich seine F-Schlepps holt. Ich melde mich über Funk zur Landung an und frage nach, ob noch jemand die Else fliegen will. Da der Flugleiter das verneint, melde ich Position zur langen Landung und parke die Else direkt am Abzweig zur Halle.Gucke da, es geht doch mit dem Landen auf den Punkt…
Die Elbe voraus.Blick in Richtung nordwest.Fußballgucken aus 1000 Meter Höhe. Erkenntnis: Die Anzeigetafel im Stadion ist zu klein.Blick auf Wittenberge.
…aber ohne Eintrag auf der 100 Plätze – 100 Flüge-Liste. Nachdem das Wetter bereits am Samstag nur für Platzrunden reichte, sah es heute früh schon mehr als beschissen aus. In der Hoffnung, dass es doch irgendwie fliegbar wird, stehe ich gegen halb zehn auf dem Flugplatz und zerre den Else-Hänger aus der Halle. Das Ziel ist der Flugplatz Lüchow-Rehbeck. Bereits gestern hatte ich mit dem dort ansässigen Luftsportverein Lüchow-Dannenberg telefoniert und mich nach der Möglichkeit für nen Start erkundigt. Lapidare Antwort: „Komm her und flieg!“ Um nicht völlig dämlich vor verschlossener Tür zu stehen, klingel ich kurz vor der Abfahrt nochmal bei den Lüchowern an und erfahre, dass das Wetter bescheiden ist, aber eventuell doch noch Schulungsbetrieb in Gang kommt. Also Hänger dran und los.
Eine gute Stunde später bin ich da und werde freundlich eingewiesen. Auf dem Tower erfahre ich, dass man noch abwartet und die Tendenz wohl eher gegen das Fliegen spricht. Das Wetterradar zeigt Regenfelder, die sich auf den Platz zubewegen. Klar könnte ich jetzt aufrüsten und mich mal eben auf 600 Meter ziehen lassen – ein Schleppilot ist da. Aber will ich dann gegebenenfalls ein klatschnasses Flugzeug einladen, dass eigentlich noch ordentlich geputzt werden muss, um den Staub vom Oldtimertreffen zu beseitigen? Die Entscheidung ist gefallen.
Dennoch nutze ich meine Sonntagsausflug mit Neun-Meter-Anhänger, um Kontakte zu knüpfen. Ich lasse mich von Vereinsmitglied Yannik, der mich bereits über Facebook schon einmal eingeladen hatte, über den Platz führen und gucke mir an, was die Kameraden so in den Hallen stehen haben. Und da steht da doch tatsächlich ein LET 23 Super Blanik! Der Shades-of-Grey-Flieger im Original, ich lach mich kaputt (Für die nicht-Insider: Im Buch fliegt SM-Snob Christian Grey seine Sub in spe mit einer LET 23 durch die Gegend, im Film hat man die Blechdose allerdings durch eine DG 1000 ersetzt). Nun steht die Frage, wo ich mich zum Blanikfliegen einlade, in Jena-Schöngleina oder doch in Lüchow… Wobei, man kann ja beide mal probieren, den 23er und den 13er. Letzteren haben die Lüchower auch noch, leider gegroundet und seit 2012 auf dem Anhänger verstaut. Weiterhin stehen Astire, die obligatorische ASK 21 und eine Pik20D zusammengeschachtelt in der Halle.
Nach der Führung sitze ich mit Jasper und Sebastian im Vereinsheim bei einer Tasse Tee und wir diskutieren dieses und jenes rund ums Vereinsleben, Wettbewerbsfliegen und die Vorzüge und Nachteile der Segelflugregion Brandenburg-Niedersachsen. Postwendend kommt die Einladung, in zwei Wochen nochmal vorbei zu schauen, denn dann haben die Lüchower Sommerlager. Schließlich zeigt mir Jasper noch seine Speed Astir, einen Flieger, den ich aufgrund seiner konstruktiven Gimmicks wie spaltlose Wölbklappen interessant finde.
Nach gut zwei Stunden verabschiede ich mich wieder und zerre den Anhänger vom Flugfeld. Rückwärts fahre ich auf der linken Seite der Elbe und nehme schließlich die Fähre von Schnackenburg nach Lütkenwisch. Als ich den schmalen Weg zum Fähranleger hinunter fahre, hoffe ich inständig, dass der Kahn auch in Betrieb ist, denn hier mit dem Anhänger rückwärts zu rangieren wäre völlig unmöglich. Doch Tatsache, die Fähre ist trotz Niedrigwassers unterwegs.
Während der Wartezeit erzähle ich mit drei Motorradfahrern, die mich im Spaß fragen, warum ich nicht über die Elbe fliege. Einer war tags zuvor auch auf dem Oldtimertreffen und erkennt mich wieder. Beim Auffahren auf die Fähre kratzt der Arsch des Anhängers natürlich auf der Rampe, aber irgendwie passt es dann doch. Für zehn Euro kutscht der Fährmann mein 14-Meter-Gespann über den Fluss, und die Rampe auf der anderen Seite passiere ich in der Tat, ohne aufzusetzen. Einmal in Lütkenwisch, nutze ich die Chance, mir die Gedenkstätte für den hier von einem DDR-Grenzboot getöteten Flüchtlings Hans-Georg Lemme anzuschauen.
Gegen 15 Uhr schiebe ich den Anhänger wieder in die Halle und das Tor zu. Dank der Gastfreundschaft der Lüchower auch ohne Flug ein netter Ausflug. Wir sehen uns!
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Das Beweisfoto: Sebastian, Jasper, ich und die India Lima, letztere allerdings eingepackt.
Oldtimertreffen in Perleberg. Großes Spektakel bei den Oldtimerfreunden, direkt neben dem Flugplatz auf dem ehemaligen Militärareal. Die Chance für uns, ein bisschen die Werbetrommel zu rühren. Also die Else hingezerrt, zusammengesteckt, Pavillon drüber und in den Plastestuhl gelümmelt. Erfahrungsgemäß dauert es eine Zeit, bis Besucher von alleine zum Stand kommen. Sichere Distanz wahren, erstmal gucken – klar, so ne LS1 mit ihren gewaltigen 15 Metern Spannweite (Achtung, Ironie!) schüchtert schon ein.
Erst gegen Mittag kommt der ganze Spaß richtig in Gang, regelmäßig umringen Gruppen von Besuchern den Flieger und lassen sich das Cockpit und die Steuerung erklären. Interessanter Weise ist die LS1 auf einem Oltimertreffen gar nicht so falsch, mir ist neulich das Lachen aus dem Gesicht gefallen, als ich im Bordbuch das Baujahr 1969 gelesen habe. Die Gurke ist echt 16 Jahre älter als ich – und noch drei Jahr älter als unser Pirat und viele der DDR-Oldtimer, die an diesem Tag so über das Treffen rumpeln.
Schließlich umringt uns eine Gruppe junger Prignitzer, vielleicht Anfang 20. Während die Jungs sich eher zurückhaltend geben, scheinen die Mädels weniger Scheu zu haben. Tatsächlich lassen sich die beiden mit gutem Zureden zu Ihrem Glück bewegen, und die Gruppe setzt sich in Richtung Flugfeld in Bewegung. Auch ich lasse mich am Stand zwischenzeitlich von Felix ablösen und gucke zum Start. Als die erste Passagierin wieder aus dem Flieger steigt und die Obligatorische Frage „Und?“ mit zwei nach oben gereckten Daumen quittiert ist klar: Alles richtig gemacht. Auch Madame zwei lässt sich von Bernd ganz entspannt durch die Luft kutschen und steigt mit einem zufreidenen Gesicht aus.
Im Anschluss mache ich zwei Gästeflüge, den ersten mit Andreas, einem Brandenburger, der zum gucken aufs Oldtimertreffen gekommen ist und sich von mir hat belatschern lassen, einfach mal ins Flugzeug einzusteigen. Der Start ist untenraus zwar ganz schön lasch, aber wir kommen trotzdem auf 420 Meter Höhe. In bester Reisebegleitermanier mache ich einen kurzen Sightseeing-Flug, vor allem über dem Oldtimertreffen kreisen wir mit ordentlich Schräglage, damit mein Gast gut fotografieren kann. Nach sieben Minuten sind wir wieder unten, und ich unterschreibe die dritte Urkunde an diesem Tag für einen mutigen Mitglieger. Schließlich folgt noch ein siebenminütiger Gästeflug, der wieder für ein zufriedenes Gesicht sorgt.
Zurück am Stand kommt es zu einer Begegnung, die ich wohl nie vergessen werde. Mit zwei Herren mittleren Alters komme ich ins Gespräch, erkläre viele Details rund ums Segelfliegen. Irgendwie komme ich dann auf den Sternmotor, der um die Ecke auf nem Anhänger steht. „Der gehört uns“, klärt mich einer der beiden auf. „Wir haben den mal über Kontakte bekommen und auf nen Anhänger montiert.“ Ich frage nach, was man mit einem Antonow-Sternmotor mit neun Zylindern, 30 Litern Hubraum und 1000 PS auf einem Anhänger macht. Die Antwort darauf hätte konsequenter nicht sein können: „Na an!“ Muss man nicht verstehen, war aber eine urkomische Situation.
Um 18 Uhr verschwindet die Else total verstaubt im Anhänger und wir machen feierabend. Fünf Gästeflüge insgesamt, bisschen was für die Vereinskasse und ein schöner Tag. Es hat sich gelohnt.
Erklärbär und Else am Stand. Man beachte das verdammt coole T-Shirt.Ein Schwezow ASch-62 auf einem Anhänger montiert. „Und was macht man damit?“ „Na an!“Viele der Cockpitinstrumente der An 2 finden sich im Bedienpult des Motors wieder.
Drei Tage Segelflug in Folge – es gab definitiv schon schlechtere Wochenenden. Wobei Wochenende ja nur halbkorrekt ist, da ich am Samstag mit dem legendären Drachenbootteam „Gera 11km“ zunächst bei unbarmherziger Hitze das Wasser des Wittenberger Hafenbeckens quirlen musste, wobei immerhin ein respektabler viertletzter Platz unter 23 Teams herauskam. Fliegerisch konnte ich am Samstag ohnehin nicht viel verpasst haben, zumindest zeugten zahlreiche Facebookfotos mit improvisierten Pools in Anhängern von der einzigen Beschäftigung auf hiesigen Flugplätzen, die bei Temperaturen jenseits der 35 Grad noch denkbar war.
Für Sonntag allerdings hatten sich vier meiner Teamkameraden für einen Platz im Cockpit beworben, um aus der Perspektive des Co-Piloten einmal das zu erleben, wovon ich seit Jahren schwärme. So schlage ich um 10 Uhr auf dem Platz auf, um gemeinsam mit meinem Schlukumpel Lars, der ebenfalls mitgepaddelt war, bei den Startvorbereitungen zu helfen. Noch bevor wir fertig zum ersten Start sind kündet eine Kolonne aus vier Autos von der Ankunft der anderen „Delinquenten“.
Beim Durchchecken das Bocians folgen mir neugierige Augenpaare und ich erkläre hier und da, was ich warum kontrolliere. Als ich fertig bin, wühle ich mich mit Bernd zusammen ins Cockpit. Ich will einfach vorab einen Start machen, um mich auf die Windverhältnisse einzustellen, und es schadet nicht, ab und zu mal einen Fluglehrer dabei zu haben, zumal für die Sportpilotenlizenz zwei Checkflüge mit einem Lehrberechtigten innerhalb von 24 Monaten vorgeschrieben sind. Wir starten, alles verläuft unspektakulär. Es zuppelt ein bisschen, aber ich verkneife mir das Einkreisen, da am Boden meine Gäste warten.
Kaum sind wir wieder unten, kommen erste Fragen nach Geschwindigkeit und Steigwinkel. Offenbar werden sich meine Freunde der Tatsache bewusst, dass Segelfliegen aus der Nähe doch ein bisschen dynamischer ist als das entspannte Kreisen, das man gemeinhin vom Boden aus beobachten kann, wenn sich mal wieder ein Streckenflieger über den eigenen Garten verirrt. Lars ist der erste, der sich den Jägermeisterhut, den wir für Gäste immer im Startwagen liegen haben, aufsetzt. Dazu gibt es einen Müllbeutel, für den Fall der Fälle. Ich erkläre ihm vorab die Details des Starts, dass es untenraus heftig wird, aber spätestens nach dem Ausklinken sehr entspannt. Schließlich gibt es noch die obligatrische Einweisung in den Notabsprung einschließlich der Hinweise, dass Springen extra kostet und jede Nachfrage auf mein Ausstiegskommando hin ein Selbstgespräch ist. Den Startcheck mache ich bei offener Haube, sonst sterben wir den Hitzetod. Kaum ist der Deckel zu, wird das Cockpit zum Backofen. Erst als sich das Seil strafft, der Flieger Fahrt aufnimmt und es frische Luft durch die tausend Löcher im Rumpfbug drückt, wird es erträglich. Ein freudiges „Oaaaar“ vom Rücksitz kündet von der erwarteten Wirkung des Windenstarts. Kaum sind wir bei 400 Meter raus, kurve ich ab und suche nach Thermik. Es säuft. Na klasse. Erst über Sükow kündigt sich etwas Steigen an, aber es ist Feingewinde. In mühsamer Eichhörnchenmanier kreise ich den Bocian langsam nach oben, erkläre nebenbei die Steuerung, die Instrumente und den ominösen Faden auf der Haube. Bis auf 700 Meter geht es, hier kommt die obligatorische Frage, ob mein Fluggast Achterbahnfest ist oder die ruhige Variante bevorzugt. Lars bevorzugt die ruhige, und so kreise ich langsam die Höhe ab. Nach einer guten Viertelstunde sind wir wieder unten.
Beim zweiten Flug spielt Tom den Cockpitassistenten. Als echtes As in der Playstation-Flugsimulation Air Combat scheint er dafür ganz gut geeignet, wenngleich es kaum Ziele geben dürfte, die er mir zuweisen kann. Festgeschnallt, Haube zu, los gehts. Auch Tom scheint der Windenstart zu beeindrucken, das „Wow…“ vom Rücksitz lässt da wenig Zweifel. 420 Meter in 40 Sekunden, die letzten Meter als Überfahrt-Wegnaschen mit anschließender Airtime beim Nachdrücken hinterlassen beim Fluggast offenbar den ersten Adrenalinschub. Zweimal links, Kurs Sükow. Siehe da, der Bart steht noch, also rein in den Kreis und Höhe machen. Bis auf 800 geht es dieses Mal hoch, und als ich ihn einmal auf anderthalb Meter eingezirkelt habe, zeigt sich mein Co vom Spiel der Zeiger in Variometer, Fahrt- und Höhenmesser durchaus beeindruckt. Ich demonstriere Tom einen Seitengleitflug, denn im ersten Landeanflug mit Bernd im Nacken musste ich den Flieger ziemlich an den Boden ranprügeln, da wir im Endanflug noch Aufwind hatten. Per Funk kommt die Info, dass wir eine Viertelstunde voll haben, und da Tom sich für achterbahntauglich hält, Kreise ich die Höhe in Steilkurven ab und mache ein paar Parabelflüge. Zeitnah kommt dann von hinten die Rückmeldung, dass es reicht…
Flug drei gehört Daniel, der seiner Freundin Kristin einen Fluggutschein geschenkt hatte und damit diesen Flugtag mit Freunden überhaupt erst ins Rollen brachte. Da ich keine Thermik finde, sind wir nach fünf Minuten unten und rollen direkt wieder zum Start, um es noch einmal zu versuchen. Der zweite Flug geht immerhin 22 Minuten, und ich nutze die Zeit, um ein bisschen Sightseeing über Perleberg zu machen. Daniel fotografiert fleißig und scheint ebenso begeistert wie meine beiden vorherigen Co-Piloten. Die Landung versemmel ich etwas, da ich zu schnell anfliege und dadurch natürlich zu weit komme.
Schließlich darf die Hauptperson einsteigen. Daniels Freundin Kristin hat keine Angst, aber gesunden Respekt vor der Sache. Bereits am Tag zuvor habe ich ihr das Wissenswerte erklärt, auch Gefahrensituationen und Gegenmaßnahmen angesprochen. Jetzt scheint sie ganz entspannt. Einsteigen, Deckel zu, wir sind startklar. Noch einmal zeigt Horst, was seine Erfahrung als Windenfahrer wert ist, denn der Schlepp ist wieder perfekt. 420 Meter Höhe, eigentlich eine gute Basis. Madame hat ganz offensichtlich ihren Spaß, aber der Thermikgott steht uns dieses Mal so gar nicht bei. Es geht einfach nur abwärts. Bereits auf dem Weg zur Position verspreche ich ihr, bei Gelegenheit einen zweiten Flug mit ihr zu machen. Wir machen eine lange Landung, und dieses Mal parke ich den Bocian wirklich direkt am Rollweg zur Halle. Ich helfe meiner Passagierin beim Aussteigen und gucke in ein gut gelauntens Gesicht. Ziel erfüllt.
Starke Männer mit Glitzertattoos.Kristin bekam den Flug von ihrem Freund geschenkt.Landung.In der Luft.Startklar.Ein Heer von Inspektoren.Der (Durch)Checker und das Publikum.
Zu Gast bei den Kammermärkern
Montag und Dienstag frei. Beim angesagten Wetter konnte ich diese Tage eigentlich nur auf dem Flugplatz verbringen. Zwei Optionen: In Kyritz 40 Euro für nen F-Schlepp auf den Tisch legen oder nochmal nach Kammermark fahren und mich dort bei der Akaflieg Berlin und den Bonnern einklinken, die dort gerade ihr Sommerlager machen. Schließlich fällt die Entscheidung für Variante zwei, da ich von Kyritz zwar am Vormittag das OK für ’nen F-Schlepp bekommen habe, am frühen Nachmittag dort aber niemanden erreichen kann.
Wie üblich vertrödel ich vorher viel zu viel Zeit, und da der Flieger gerade aus der Werkstatt kommt, muss ich erstmal wieder alles ins Cockpit packen und das Zubehör zusammensammeln. Düse? Da. Hauptbolzen? Da. Xwieviele Kissen? Da. Kuller? Da. Akku? Da. Soweit alles Komplett, also rein in den Hänger. Zuvor ziehe ich die Klebebänder ab, die die Static-Ports und das Staurohr in der Werkstatt vor Staub schützen sollten, um dann nicht mit funktionslosem Fahrt- oder Höhenmesser am Windenseil zu hängen. Bevor ich abhaue, schneide ich noch einen Gummilappen zum Abdecken der Schleppkupplung passend, den ich vor Ort montieren will, da ich nicht an die Kupplung ran komme, wenn die Else auf dem Rumpfwagen steht.
Im gestrecken Galopp geht es nach Pritzwalk, gegen 16 Uhr bin ich da. Nach der Anmeldung beim Flugleiter helfen mir ein paar Flugschüler beim Zusammenstecken der Else. Das Anpassen und Ankleben des Gummilappens erweist sich als schwierige Fummelarbeit, und da ich meiner Handwerkskunst nicht traue, sichere ich ihn zusätzlich mit einem Streifen PVC-Klebeband. Beim Durchgehen meiner Vorflugkontrollliste stutze ich am Punkt „Aufzugsleine Schirm“ und fluche augenblicklich drauflos. Ich hab tatsächlich den Fallschirm vergessen. Gehts denn noch dämlicher? Die Akaflieger haben Mitleid und sponsern mir einen Schirm für den Tag. Der ist natürlich schlanker als mein üblicher Spekon RE5L, und so sitze ich mal wieder vollkommen beschissen in der Else. Das ist aber auch egal, weil das gute Wetter nun eh durch ist und ich nicht mehr auf Thermik hoffen brauche.
Drei Flüge, drei Platzrunden, mehr ist nicht drin. Aber allein das Kennenlernen anderer Flieger war es mal wieder Wert, an einen anderen Platz zu fahren. Natürlich erhalten sowohl die Bonner als auch die Akaflieger die Einladung, uns in Perleberg besuchen zu kommen. Letztere sind vor allem scharf darauf, einmal Holzflugzeuge zu fliegen. Als ich über Pirat, Bocian, Rhönlerche und Bergfalke berichte, die bei uns auf Piloten warten, glänzen die Augen der Kammermarker Platzherren. Offenbar kann man auch mit Oldtimern Eindruck machen. Als der Flugbetrieb zu Ende geht, rüste ich die Else ab und stelle den Anhänger abgeschlossen neben die des LSV Bonn Rhein-Sieg. Zwar verspricht der Dienstag laut Segelflugwetterbericht allenfalls mäßige Blauthermik, aber frei habe ich eh, und da kann ich auch noch einen Versuch starten.
Erste Amtshandlung am Dienstag: Fallschirm holen. Wenn ich schon fliege, will ich auch mit meiner bewährten Schirm-Kissen-Kombination unterwegs sein, mit der ich im Else-Cockpit wenigstens halbwegs bequem sitzen kann. Gegen 12 bin ich in Kammermark und erneut finde ich schnell drei Mann, die mir beim Aufrüsten helfen. Zwei von ihnen sind aber nicht Mitglieder der Akaflieg, sondern Teilnehmer des Studentenfliegens, eines Kurses der TU Berlin, in dem die Theorie der Aerodynamik für Studenten der Fachrichtungen Maschinenbau und Luft- und Raumfahrttechnik praktisch erlebbar wird. So erkläre ich ihnen nebenbei alles Wissenswerte rund ums Aufrüsten, die notwendigen Tätigkeiten zum Anschluss der Steuerung und der Klappen und die Vorzüge und Nachteile des Pendelleitwerks.
Der erste Flug wird wieder nur eine Platzrunde. Aber ich merke, dass mir jeder Start auf der LS1 gut tut, da ich sie in der Luft zwar mittlerweile sehr mag, mir ihre Kapriolen beim Start und bei der Landung aber immer noch auf die Nerven gehen. Aufbäumneigung, ellenlanges Ausschweben und richtiges Bremsen muss ich einfach durch Üben beherrschen lernen.
Wie auch immer, gleich wieder an den Start. Auch der ist an der starken Winde mit den Kunststoffseilen äußerst zügig, aber dennoch recht sanft. 330 Meter, jetzt gilt es. Der Wald nordwestlich des Platzes wurde mir empfohlen, und siehe da, die Hausherren wissen, wo ihre Bärte stehen. Untenraus ist es mühsam, aber ab 400 Meter wird es spürbar besser. Das Vario pegelt sich bei 0,5 bis einem Meter Steigen ein, und so gewinne ich sukzessive an Höhe. Nach ein oder zwei Kreiswechseln habe ich jetzt den richtigen Aufwind, der mich bis auf 1500 Meter hoch zieht. Endlich habe ich mal die Zeit, mir die Umgebung ein bisschen genauer anzusehen, denn dafür war bei den Platzrunden am Vortag einfach keine Zeit. Orientieren, Bodenmarken merken. Die Autobahn, der Gewerbepark Falkenhagen, die Anschlussstelle Meyenburg mit der Brücke, wo ich mal volle Kanne in den Blitzer gefahren bin. Man erkennt doch so einiges.
Gegen den Wind arbeite ich mich nach Pritzwalk vor, kreise über der Stadt und fliege weiter nach Giesensdorf, drehe hier meine Kreise. Im Raum Pritzwalk hänge ich bestimmt 30 oder 40 Minuten rum und beobachte die Stadt aus der Luft. Es ist einfach nur herrlich, hier oben mein Ding für mich zu machen. Keine Sau geht mir auf die Nüsse, mein Handy hat eh keinen Empfang und man kann wunderbar die Aussicht genießen. Segelfliegen ist vielleicht die einzige Beschäftigung jenseits des Klogangs, bei der ich auf die Anwesenheit von Artgenossen echt verzichten kann. Sonst totales Rudeltier, bin ich hier gerne mal alleine.
Den nächsten Bart kreise ich über dem Bad im Hainholz ein und lasse mich im Kreisen wieder fast bis nach Falkenhagen versetzen. In einiger Entfernung sehe ich blauen Qualm von einem Feld aufsteigen, kann aber die Ortschaft nicht genau identifizieren. Ich funke Kammermark an und beschreibe ungefähr die Position. Da Waldbrandwarnstufe 5 herrscht halte ich es für cleverer, die Feuerwehr gleich zu informieren, als unsinnig lange abzuwarten. Wer weiß, was da brennt. Als ich mir nochmal 1400 Meter Höhe ergeiert habe, beschließe ich, doch noch hin zu fliegen und mir das aus der Nähe anzuschauen. Schließlich entpuppt sich das Feuer doch als offenbar geplant, denn der Qualm kommt von einem landwirtschaftlichen Hof. Entspannt gleite ich zurück zum Flugplatz und kreise hier noch eine Zeit lang mit einem Twin zusammen, bevor ich zur Landung gehe. Nach zwei Stunden und sieben Minuten bin ich wieder unten, und ich kann mir einen weiteren Flugplatz in meine persönliche Liste eintragen.
So gehen drei tolle Flugtage zu Ende, und ich bedanke mich bei den Kammermärkern und den Bonnern mit einer Kiste Bier samt der Einladung zu uns auf den Platz. Und ich bin sicher, dass sie irgendwann bei uns auftauchen.
Kreisen mit dem Twin.Der Flugplatz KammermarkEs brennt.Gewerbepark Falkenhagen.1050 Meter GND.Pritzwalk.Flugbetrieb in Kammermark.India Lima in Kammermark.
Das derzeitige Hammerwetter frustet so ziemlich jeden Segelflieger, der berufsbedingt an den Boden gefesselt ist. Fette Cumuluswolken, blauer Himmel, besser geht es eigentlich nicht.
Gestern führte mich die Fahrt zu einem Termin in der hintersten Ecke des Landkreies Prignitz auch am Segelfluggelände Kammermark vorbei. Hals gereckt und siehe da, diverses Geflügel auf der Wiese erspäht. Die Studenten haben offenbar Zeit, denke ich mir, denn der Platz wird gemeinsam von der Akademischen Fliegergruppe und der Akademischen Fliegervereinigung Berlin betrieben. Logisch, dass ich auf der Rückfahrt vom Termin hier nen Stopp einlegen und nen Schwatz halten musste.
Als ich auf den Platz komme hebt gerade eine ASK 21 ab und zischt in den Himmel. Die Nackenhaare in Habacht-Stellung beobachte ich den Start und schlendere dann gemütlich zum Startwagen. Im Gespräch mit den Segelfliegern stellt sich heraus, dass die Segelflieger Mitglieder des LSV Bonn Rhein-Sieg sind, die hier im Rahmen ihres Sommerlagers fliegen. Im sich schnell entwickelnden Gespräch, in dem ich auch durchblicken lasse, dass ich nicht nur Pressefuzzi sondern auch Segelflieger bin, kommt natürlich irgendwann die Bemerkung „Ach, du bist doch der mit der Beinahe-Bruchlandung in Wershofen…“ Ja, in der Tat. Mein Ruf scheint mir vorauszueilen. Guido Help, Segelflugreferent im LSV ist selbst viele Jahre auf der Mönchsheide geflogen und kennt demzufolge auch die BBSW zur genüge. Nach allerlei Fachsimpelei, deren Quintessenz die Diskrepanz zwischen Ausklinkhöhe und Thermikbeginn ist, lasse ich mir von Guido ein paar Sätze zu seiner Truppe in den Block diktieren und scheuche das Bodenpersonal zur ASK 21, um ein schönes Foto für die Zeitung zu machen. Entspannter Plausch, der auch noch nen schönen Artikel für die Zeitung ergibt – besser geht es nicht.
Wer weiß, vielleicht sehen wir uns ja in der nächsten Woche nochmal…
Wochenende, fliegen. Zumindest war das so angedacht. Der Samstag lässt sich diesbezüglich recht kurz abhandeln: War nix. Dicke Wolken, Einige Tropfen, da war nichts zu holen. Immerhin hat Frank Zeit gefunden, die Wunden der Else fachmännisch zu versorgen, und ich habe mit Felix gemeinsam den seit einiger Zeit stehenden Bergfalken gewaschen. Gucke da, nach einer Stunde und viel Wasser zeigten die Flächen wieder sowas wie weiße Farbe. Perspektivisch soll der lahme Vogel wieder fit gemacht werden, aber das dürfte viel Arbeit sein. Allein das abpopeln der alten Klebebänder, mit denen der halbe Flieger zusammengehalten zu sein scheint, war unfassbare Fummelarbeit.
Am Sonntag sieht das Wetter eine Spur besser aus, noch nicht der Knaller, aber immerhin. Wir beschließen, erstmal nur den Bocian mitzunehmen, auch wenn Frank seinen Phoebus in „Alarmstart“-Position stellt, um ihn bei guter Thermik noch nachzuholen. Zunächst prüft Eckart mit zwei Starts die Luft und ist schnell wieder unten. Ich schnappe mir Felix als Co-Piloten und nehme das nächste Seil. Gucke da, es geht was. Mit viel Feingewinde geht es sukzessive nach oben, bei 900 Meter aber ist Schluss. Wir gurken geschmeidig durch die Gegend, schauen uns Perleberg aus der Luft an und haben nach einer dreiviertelstunde die Schnauze voll. Am Boden helfe ich den anderen beim Starten, Eckart hält sich immerhin ne Stunde in der Luft, schafft es bis auf 1500 Meter. Gute Bedingungen für meinen ersten offiziellen Gästeflug. Den hatte ich schon vor Jahren meiner Schwester versprochen, und nun sollte es endlich soweit sein. An dieser Stelle überlasse ich ihr das Feld:
Am Sonntag war es soweit! Nach über 6 Jahren konnte ich das erste Mal mit meinem Bruder zusammen im Segelflieger sitzen und die Aussicht genießen. Endlich hat er es geschafft und darf nun auch Gastflüge durchführen. Und ich war der erste Special Guest! Ich habe ihm zeitnah klar gemacht, das ich, seine Lieblingsschwestaaa (und die Einzige Schwester die er hat) als erste aus der Familie mit ihm abheben will! Muss ihn schließlich auch am meisten ertragen!
Aber fangen wir mal von vorne an. Eigentlich wollten wir bereits am Samstag fliegen. Allerdings hat es sich gegen 6 Uhr dermaßen zugezogen und anschließend auch ein Minigewitter (Blitz, Donner, 1/2 Minute Regen) gegeben. Fakt ist, die Wiese ist nass. und so wie es da am Himmel aussieht, werden die den Hangar auch gar nicht erst ausräumen. Da war kein hübsches Wetter für DEN Flug in Sicht. Deswegen schrieb ich ihm um 6:53 Uhr: „Hmm. Heute eher doch nicht fliegen?“. Und siehe da, Schwestaaa hatte Recht. *auf die Schulter klopf* Somit wurde die Aktion auf Sonntag vertagt.
Nach einem fürchterlichen Frühdienst im Krankenhaus hatte ich mir den Flug auch richtig verdient. Kurz nach 15 Uhr waren mein Freund David und ich auf dem Flugplatz in Perleberg angekommen. Fix mit Sonnencreme versorgt, meine normale Brille mit einer Billig-Ray-Ban und PVC-Klebeband zur Sonnenbrille umfunktioniert und den Fliegerhut auf die Omme. Dann war nach kurzer Zeit auch der Bocian im Anflug und es konnte endlich los gehen! Der Bruder hat sogar an eine Sitzerhöhung (drei olle Kissen) für die Schwestaaa gedacht, damit se auch was sieht! *Daumen hoch* Nun den Fallschirm angelegt und in den Flieger gekrochen… Manchmal ist es gar nicht so verkehrt klein zu sein!
Haube verschlossen, Kamera gezückt und dann war ich startklar. Wir haben nochmal besprochen wie das mit dem Fallschirm im Notfall funktioniert. Sollte man ja schon mal drüber geredet haben… Jetzt konnte es aber wirklich los gehen! Lars hat seine Checkliste runtergerattert: „Haube geschlossen und verriegelt, Trimmung neutral, Bremsklappen eingefahren und verriegelt, Ruder alle frei und gängig, Besatzung angeschnallt, Höhenmesser auf null, Start- und Schleppstrecke frei, Luftraum frei, auf Seilriss vorbereitet.“ Und los gings.Über Funk wurde endlich die Winde über die Startbereitschaft informiert.
Seil straff. Los geht’s. Langsames anrollen. Den Acker unter dem Arsch spüren. Genial! Ich bin wiedermal total geflasht. Wusste gar nicht mehr, dass es so steil nach oben geht. Dauergrinsen vom Feinsten war angesagt. Nicht nur wegen dem Dauerkribbeln im Bauch. Bei etwa 400 Meter auf dem Höhenmesser klinkt das Seil aus. Das Kribbeln im Bauch nahm nochmal für einen Moment gewaltig zu. Dann hieß es Aussicht genießen!. Schon genial wie die Erde aus der Höhe aussieht. Thermik haben wir vergeblich gesucht. Keine Ahnung warum sie uns keinen Spaß gönnte. Mehrere Kreise gezogen, nichts gefunden. Scheiße!!! Aber egal, heute ist nicht alle Tage… Nach fünf Minuten meldeten wir den Landeanflug an und dann war der Spaß auch schon vorbei, für’s Erste. Mir ging vor der Landung die ganze Zeit im Kopf rum, ob beim Bocian das Fahrwerk dauerhaft draußen ist oder ob Lars es ausfahren muss. Hmm. Meinte mich aber dunkel daran zu erinnern, das es nicht einzufahren geht. Ok. Abwarten und hoffen das der Bruder im Zweifelsfall dran denkt. ^^ Sind butterweich auf der gemähten Landebahn aufgesessenen. Gut gemacht Bruder! Nach dem das Flugzeug wieder an den Start geschleppt wurde, war David dran. Unser zweiter Flug im Anschluss war nicht wirklich länger, aber Spaß gemacht hat es trotzdem. Vielen vielen Dank für den schönen Nachmittag, Lieblingsbrudaaa!!!
Nachklapp zum Zwischenflug mit Schwesters eventuell zukünftigem Mann: Nach dem Start rupft es ein bisschen unter der Tragfläche. Mit Nullschiebern suchen, erwische ich schließlich doch eine Thermikblase, die ich nach einigen Runden Feingewinde – das nicht immer klar nach oben ging – doch einigermaßen eingekreist bekomme. Und Tatsache, nach nichtmal zehn Minuten stehen 1100 Meter auf der Uhr. Nebenbei erkläre ich David, was ich da tue, was die Instrumente gerade anzeigen und was das zu bedeuten hat. Dann kommt der Moment, in dem ich mich wahrscheinlich von einer möglichen Hochzeit in ferner Zukunft ausgeladen habe. Aus reiner Freude – und ich betone nochmal, dass das NICHT böse gemeint war – ziehe ich aus dem letzten Kreis raus die Fahrt weg, lasse den Bocian über die rechte Fläche kippen, stürze an und fange sanft ab. Kleiner Berg, Airtime genießen und Normalfluglage. Das Schweigen vom hinteren Sitz kündet davon, dass es dem, der sonst ein 125PS-Motorrad über die Landstraße prügelt, vielleicht doch nicht ganz so gefallen hat wie mir. Ein entsprechender Kommentar kommt von hinten und ich versuche den Rest des Fluges, mit ernstgemeinten Entschuldigungen die Wogen zu glätten.
Ich weiß wie es einem geht, der keinen Plan hat, was passiert, denn ich hatte das selbst während meiner Ausbildung erlebt, nachdem ich ’ne Frage im Flugspiel zum Fahrtgeräusch beim Trudeln nicht so ganz korrekt beantwortet hatte… Den Rest des Fluges mache ich ein bisschen Sightseeing über Perleberg. Da meine Schwester noch ihren zweiten Flug bekommen sollte, hieß es nun, runter zu kommen. Eigentlich einfach: Nase runter, 130 anlegen und er sinkt. Tut er aber nicht. Klappen raus und es steigt immer noch. Querruder rechts, Gegenseitenruder, eben Höhe abslippen. Denkste. Ich hänge quer wie eine Schrankwand in der Luft, habe die Klappen draußen und der Flieger, der sonst gleitet wie ein Klavier, hält seine Höhe. Mit ein paar Kurven finde ich schließlich Saufen und gleite die Höhe ab. Im Queranflug, wo wir zuvor an die vier Meter Saufen hatten, steigt es jetzt mit demselben Wert, sodass ich gezwungen bin, den Flieger im Slip gnadenlos an den Boden zu prügeln, um nicht sonstwieweit zu kommen.
Liebe Jule, danke für dein Vertrauen, bei mir einzusteigen. Lieber David, beim nächsten Mal bekommst du ne Vorwarnung, wenn ich irgendwas verrücktes mache 🙂
Die SchwestaaaStartbereit.Startbereit II.Steigflug.Fluggastperspektive I.Übersicht.Perleberg.Fluggastperspektive II.Das Gewerbegebiet Schwarzer Weg.Das Dreamteam: Pilot (r.) Ballastgewicht (m.) und Stewardess (l.)
Als ich den Anhänger mitsamt der Else in die Perleberger Halle zerre und das Tor zuschiebe ist der Urlaub endgültig vorbei. Und rückblickend muss ich sagen, dass es die beste Entscheidung seit langem war, die 570 Kilometer nach Rheinland-Pfalz zu fahren, um dort im Kreise von echt tollen Menschen zu fliegen und eine ganze Menge über mich und meine fliegerischen (Un)Fähigkeiten zu lernen – darunter vieles, was ich beim stupiden Kreisen über den Brandenburgischen Ebene gar nicht hätte lernen können.
Wenngleich ich vorzeitig von der Mönchsheide abreisen musste hatte ich auch am Wochenende noch einmal Gelegenheit zu fliegen und meine 100 Plätze – 100 Flüge-Liste um Eintrag nummer fünf zu erweitern. Schon bei der Urlaubsplanung hatte ich einkalkuliert, die Else eventuell am Pfingstwochenende in Gera einmal zusammen zu stecken und über meiner Heimatstadt zu kreisen. Gesagt, getan. Auch wenn ich angesichts der Feier am Vorabend erst gegen 12 Uhr auf dem Flugplatz aufschlug und damit das Fenster mit gutem Wetter verpasste war es noch einmal schön, in den eleganten Clubklasse-Flitzer zu steigen und mich mit sanftem Zug in den Himmel schnippsen zu lassen. Zwar reichte es nur für drei Platzrunden, da weit und breit kein Steigen zu finden war, aber die angenehme Plauderei mit den Kameraden des Geraer Luftsportvereins tröstete über die mangelnde Thermik hinreichend hinweg. Außerdem konnte ich mit dem Besuch in Leumnitz endlich eine Schuld begleichen, denn schon zwei Jahre zuvor hatte ich hier eine Runde im Puchacz mitfliegen dürfen und dafür eine Kiste Bier versprochen. Die lieferte ich zur Überraschung der Geraer ab. Außerdem bekam ich auf dem Platz Besuch von meinem ebenfalls Luftfahrtbegeisterten Cousin, mit dem ich in Kindheitstagen mit Flugsimulationen wie LHX oder Red Baron erste fliegerische Erfahrungen sammelte, und seiner kleinen Tochter. Beide schauten sich den Flugbetrieb an und ließen sich das Flugzeug erklären. Während mein Cousin definitiv zu groß für das Cockpit der Else ist muss die Kleine noch ein bisschen wachsen, bevor sie da richtig rein passt. Meine drei Flüge mussten die beiden allerdings vom Boden aus miterleben, aber der gemeinsam Flug im DoSi kommt bestimmt.
Allerdings musste natürlich auch an diesem Flugtag etwas kaputt gehen. Nach dem Abrüsten fiel mir auf dem Weg zum Hängerstellplatz ein schleifendes Geräusch auf. Eine Aluleiste hatte sich vom Boden des Anhängers gelöst und kratzte über den Asphalt. Mit Bohrmaschine, Schraubendreher und vier Metallschrauben, die ich aus dem Fundus des LSV klauen durfte, konnte ich die Misere aber beheben.
So bleibt die Erinnerung an einen netten Nachmittag mit den Segelfliegern meiner Heimatstadt. Auf bald, Kameraden!