Aua, das wird knapp…

… wird beim gestrigen Landeanflug von Dennis und Dirk der ein oder andere Zaungast gedacht haben, aber mehr dazu später.

Nach zwei Wochenenden ohne Flug hatte ich am Samstag endlich wieder Zeit und Nerv ins Flugzeug zu steigen. Auf dem Flugplatz angekommen schien uns das Wetter aber einen Strich durch die Rechnung zu machen, denn der Himmel war von einer gschlossenen Wolkendecke überzogen, und alle Anzeichen deuteten auf Regen hin. Also wurde kurzerhand beschlossen, erstmal nen Kaffee zu kochen und etwas abzuwarten. Da an diesem Tag Bernd Schmehl eine Umschulung auf den Janus machen wollte, der Sporngummi des Fliegers aber beschädigt war, konnten wird die verbleibende Zeit noch für die notwendige Reparatur nutzen. Gegen halb elf fiel dann doch die Entscheidung, es trotz der Wolken, enormer Windgeschwindigkeit und immer wieder einsetzendem Nieselregen zu probieren. Der Wind kam natürlich so, dass wir nicht am Tor aufbauen konnten und die Flugzeuge erstmal über den ganzen Platz schleppen mussten.
Zur Abwechslung war ich mal der erste Flugschüler des Tages und bereitete mich ordnungsgemäß auf den Flug vor. Mit Fluglehrer Uwe-Carsten Zehl standen vorrangig Kurvenflugübungen auf dem Programm. Aufgrund des starken Windes, der zudem leicht von der Seite kam, gab Uwe mir einige Tips um mit richtigem Vorhaltewinkel das Flugzeug trotzdem halbwegs gerade auf Höhe zu bringen. Nach dem Startcheck und einklinken des Seils verzögerte sich alles noch etwas, da mit der Winde irgendwas nicht stimmte. Mittlerweile war die Haube derart nass geregnet, dass der Faden völlig unbeweglich auf der Scheibe klebte. Wirklich paradiesische Bedingungen…
Endlich gab der Windenfahrer Gas und bereits nach wenigen Metern Rollstrecke hoben wir ab. Die Geschwindigkeit durch den Seilzug und der Gegenwind brachten uns auf recht ordentliche 450m Auskuppelhöhe. Ich trimmte ordnungsgemäß aus und lies mir den Kurvenflug nochmal in allen Einzelheiten erklären. Es klappte dann auch zunehmen besser, auch wenn mich der Ausfall des Fadens wirklich behinderte, da man in diesem Fall keine Ahnung hat, wie das Flugzeug gerade angeströmt wird. Irgendwann bekam das Uwe auch mit und meinte, wir könnten den Flieger ja mal trockenfliegen. Also schob er mal eben zwanzig, dreißig Meter Sturzflug ein und siehe da, er der Fetzen auf der Scheibe begann wieder zu flattern.
Insgesamt hatte ich auf drei Flüge mit 23 Minuten Flugzeit.

Im Anschluss kam dann Bernd zu seiner Umschulung und Uwe war mit ihm für zwei Testflüge unterwegs. Den Bocian hatte sich mittlerweile Dennis geschnappt, der zusammen mit Dirk sein Glück bei der beschissenen Wetterlage probieren wollte. Nachdem sie sich durch die Platzrunde gehangelt hatten setzten sie zum Landeanflug an. Obwohl der Flieger von der Landebahn noch reichlich weit weg war, hatte er schon viel Höhe verloren und schien es gerade so noch zu packen. Auf den letzten hundert Metern vor der Flugplatzwiese verlor er nochmal radikal an Höhe und verschwand mit einer Rechtskurve im Rapsfeld. An diesem Punkt machte sich Aufregung breit und diverse Flüche und Kraftausdrücke waren von allen Anwesenden zu vernehmen. Alle joggten in Richtung der Landestelle, um nachzusehen, ob die Piloten und das Flugzeug ihre unplanmäßige Außenlandung heil überstanden hatten. Leicht blass hatten sich die beiden bereits aus dem Cockpit geschält und standen etwas bedeppert neben ihrem Flugzeug im anderthalb Meter hohen Raps.
Nun war Krisensitzung angesagt, es galt zu klären, wie der Flieger die 50 Meter vom Rapsfeld wieder auf den Flugplatz zu schaffen war. Abrüsten hätte wenigstens eine Stunde gedauert, und irgendwie sollte der Flugbetrieb ja noch weitergehen, um alle Flugschüler mit ihren Ausbildungsflügen zu versorgen. Also trampelten wir kurzerhand eine zwanzig Meter breite Schneise ins Feld und zerrten den Bocian auf den Weg, der das Feld und den Flugplatz trennt. Nach gut einer halben Stunde stand er dann wieder da, wo er hingehörte, und wurde ordentlich durchgecheckt. Immerhin hatte das 30 Jahre alte Flugzeug alles ohne schaden überstanden, was für die Qualität der Konstruktion und den guten Wartungszustand spricht.

Im Anschluss gabs Kaffe, und ich verabschiedte mich in Richtung der anstehenden Familienfeier.

Bernd im Janus; Schlechtwetterfliegerei; der Flugleiter vom Dienst

Bergungsaktion Bocian

Bodenbetrieb…

Vorerst bleibe ich am Boden, da ich mich momentan auf meine Abschlussprüfung in Musikwissenschaft vorbereite. Neue Fluggeschichten gibts voraussichtlich ab dem übernächsten Wochenende wieder…

Vom Flugspiel zur Erkenntnis…

Das letzte Wochenende auf dem Flugplatz hatte in mehrfacher Hinsicht einen deutlichen Lerneffekt zur Folge.

Am Samstag war Rolf Bathel verantwortlicher Fluglehrer. Bei sieben Schülern und nur einem Schul-Doppelsitzer zog sich alles etwas länger hin, weshalb ich nur zu einem gut halbstündigen Flug kam. Vor Beginn des Flugbetriebes pfiff uns Rolf wie üblich zum „Flugspiel“ heran, in dem die theoretischen Grundlagen der Übungen, die der betreffende Schüler zu fliegen hat, nochmal durchgegangen werden. Darüber hinaus wird die ein oder andere Frage aus dem Theorieunterricht, vorrangig der Fluglehre, gestellt. Eigentlich standen bei mir Rollübungen auf dem Programm, aber Rolf wollte von mir wissen, woran man den Flugzustand Trudeln erkennt. Natürlich hatten wir das behandelt, und ich antwortete die Standardformel, die im Buch stand: Steile Fluglage, Normale Fahrtmesserwerte, starker Höhenverlust und normales Fahrtgeräusch. Letzteres stimmte nicht ganz, was mir im Verlauf meines Fluges später am Tag noch eine Überraschung bereiten sollte.

Kurz vor 14 Uhr UTC (entspricht 16 Uhr MESZ) gings dann für mich los. Der Start verlief problemlos, und nach kurzer Zeit hatte Rolf einen Bart gefunden, in dem es nahezu konstant mit 4m/s aufwärts ging. Die Rollübungen waren erstmal Nebensache, denn in diesem Aufwind konnte mich Rolf hervorragend in den Kreisflug einweisen. Mit Quer- und Seitenruder die Seitenneigung und Drehung steuern, und mit dem Höhenruder die Schnauze am Horizont halten. Eigentlich simpel, praktisch aber ziemlich knifflig. Da ich aber genug Zeit zum probieren hatte und der Aufwindstrom so breit war, dass ich eigentlich kaum rausrutschen konnte, klappte es nach einiger Zeit ganz gut. Insgesamt kamen wir auf irgendwas um die 900m Höhe. Dann wurde es Zeit für einen Ortswechsel, denn die Wolke über uns hatte sich aufgelöst, und das große Saufen ging los. Von hinten kam der Befehl, mal bischen Gas zu geben, worauf ich den Bocian mit 120 auf den nächsten Wolkenhaufen zujagte. Meine Bemerkung, dass bei der Geschwindigkeit der Ruderdruck doch recht ordentlich ist, hätte ich mir besser verkniffen, denn Rolf trimmte daraufhin erstmal ordentlich kopflastig, und ich musste erstmal realisieren, dass wir mittlerweile bei 140 Sachen angekommen waren und das eigentlich viel zu schnell war. Ich trimmte wieder auf Hecklastig und wir suchten uns nochmal einen Aufwind, um etwas an Höhe zu gewinnen.

Da noch drei Schüler auf ihren Flug warteten, beschloss Rolf, so langsam Schluss zu machen. Höhe hatten wir noch mehr als genug, und um diese Abzubauen bekam ich noch eine Sondervorführung: Rolf gab über Funk unsere Position durch und teilte mit, dass er ein kleines Programm fliegen wolle. Vom Platz wurde das bestätigt und Rolf stellte die Frage vom Flugspiel erneut: „Wie hört sich das Trudeln an??“ Im selben Augenblick zog er den Knüppel an und ließ den Bocian in der Luft fast stehen. Bei Tempo 60 trat er voll in das linke Pedal und brachte damit die Strömung am linken Flügel zum Abreißen. In Sekundenbruchteilen stellte sich der Flieger auf die Nase und stürzte mit atemberaubender Geschwindigkeit und wilder Drehung auf die Erde zu. Nach einer halben Umdrehung leitete Rolf das Trudeln aus und fing wieder ab. Zum verschnaufen blieb aber keine Zeit, denn schon standen wir wieder fast in der Luft, diesmal Tritt ins rechte Pedal und wir trudelten mit Rechtsdrehung in Richtung Globus, diesmal eine ganze Umdrehung.

Hier das ganze mal aus der Cockpitperspektive:

Und so sieht das von unten aus:

Zum Abschluss kam dann nochmal die Frage, ob das Fahrtgeräusch beim Truden anders sei. Ich konnte noch irgendwie ein „Ja“ zustande bringen. Danach gönnte Rolf uns noch jeweils drei Steilkreise links und rechts mit 90° Querneigung, also förmlich auf der Flächenspitze gedreht. Erst bei solchen Belastungen wird einem Klar, wo im Körper überall Blut hingedrückt werden kann…

Gestern war Dr. Uwe-Carsten Zehl Fluglehrer. Er hatte im Theoriekurs Navigation unterrichtet, allerdings war ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht dabei. Aufgrund der Hitze wollte er unbeding mit spaltbreit geöffneter Haube fliegen, was meinen Ohren natürlich weniger gefiel. Trotzdem waren es drei sehr lehrreiche Flüge, in denen er mir erste Einweisungen in Start und Landetechnik gab und die Einteilung der Platzrunde aus Cockpitperspektive erklärte. Dazu kamen noch einige Rollübungen, bei denen ich diesmal auch das Höhenruder mitbenutzen sollte, was der ganzen Aktion sicher ein äußerst komisches Aussehen gab.

Alles in allem ein schönes Wochenende.

Übung beherrscht…

…steht jetzt in meinem Ausbildungsnachweis beim Geradeausflug. Nachdem ich das ganze Wochenende dran gearbeitet hatte, wurde das ja nun auch Zeit. Gestern hatte ich mit Bernd Krause insgesamt drei Flüge mit gerade mal 21 Flugminuten absolviert. Trotzdem zeigte das Training Wirkung, denn heute flog sich der Bocian wirklich gut. Mittlerweile werden die Checks vor dem Start sehr sicher, auch die Positionsmeldung über Funk samt der geforderten Handlungsabläufe (Kontrolle Geschwindigkeit, Sinken, Höhe, Luftraum 3./4. Kurve, Landebahn) klappt ganz gut. Das Trimmen des Flugzeugs ist noch etwas Gewöhnungbedürftig, aber so langsam taste ich mich da auch ran. Heute war Bernd Knösing verantwortlicher Fluglehrer, und mit ihm hatte ich einen wirklich schönen Flug. Ungeachtet der Tatsache, dass unsere große Winde wegen Kühlerschadens durch die kleine Herkules ersetzt wurde, katapultierte uns der Windenfahrer auf 340m. Die Wolken standen gut und ließen ausreichend Thermik erwarten. Zuerst hingen wir mit 3-4m sinken in einem ziemlichen Loch, aber dann fand Bernd südwestlich vom Platz doch einen recht anständigen Bart, der uns bis auf 900m brachte. Es wäre sicher noch deutlich mehr gegangen, aber die Lotsin von München Radar konnte wegen An- und Abflugverkehr nach Leipzig im nördlichen Sichtfluggebiet nur bis 3500ft freigeben. Trotzdem war die Höhe mehr als ausreichend, dass ich Übungen en mass fliegen konnte. Der Geradeausflug klappte zu dem Zeitpunkt schon recht sicher, und auch wenn der Fluglehrer durch Eingriffe das Flugzeug vom Kurs abweichen lies brachte ich es wieder in die richtige Richtung. Danach waren Rollübungen an der Reihe. Dabei wird das Flugzeug mit Quer- und Seitenruder in eine Drehung abwechselnd links und rechts um die Längsachse gebracht. Dabei noch halbwegs auf einen Blickpunkt zuzufliegen verlangte schon allerhand Konzentration. Trotzdem hat es riesigen Spaß gemacht, den Bocian endlich mal mit richtig harten Ruderausschlägen zu foltern. 41 Minuten dauerte dieser Flug, und nach der Landung war ich wirklich zufrieden mit dem, was ich fabriziert hatte. Bernd bestätigte das und meinte, mit den nächsten Flügen könne ich den Geradeausflug fertig machen. Aufgrund von Gästeflügen und der Tatsache, dass Bernd als UL-Pilot mit einem der Ultraleichtflugzeuge des Nachbarclubs Flugzeugschlepps machen konnte, waren uns zwischenzeitlich sowohl Fluglehrer als auch Schulflugzeug abhanden gekommen. So langsam trudelten die Streckenflieger des Tages wieder ein, und schließlich übernahm Uwe Hölling die letzten sechs Schulflüge des Tages. Für mich sprangen noch zwei Platzrunden dabei raus und Uwe quittierte mir im Ausbildungsnachweis, dass ich jetzt ein Segelflugzeug sicher geradeaus steuern kann.

Bereits Samstag stellte sich heraus, dass ich wahrscheinlich gar nicht in die Tarifgruppe 60, sondern bei 105 Baustunden eingestuft wurde. Das hat zur Folge, dass mich ein Windenstart nur noch 2,10€ und die Flugminute 17ct kostet. Wenn sich das bewahrheitet, wird meine Ausbildung noch preiswerter und ich muss meine Kostenaufstellung nach unten korrigieren. Warum auch nicht 😉

Diesmal gibt es auch reichlich Bilder vom Flugbetrieb:

Bocian im Landeanflug


Unser Tower, ein alter LO; die Kollegen vom Motorflug; einer von den ganz Großen

Start einer DG300

Flugzeugmikado kurz vor Feierabend…


Von miserabel bis Prüfungsreif

Die letzten Flugstunden liegen nun schon fast zwei Wochen zurück, aber aus Faulheit und Stress bin ich noch nicht zum Protokollieren gekommen.

Samstag war ich mit Bernd Krause zusammen gut eine Stunde in der Luft. Themen der Schulung waren wieder der Geradeausflug und die Meldung an der Position. Irgendwie war ich aber nicht wirklich fit an diesem Tag, denn so richtig machte der Bocian nicht das was ich wollte. Erschwerend für mich kam hinzu, dass wir wie in der Schulung durchaus üblich mit leicht geöffneter Haube flogen, damit der Fluglehrer hinten nicht völlig erstickt. Durch das Gepfeife des Windes war meine Konzentration irgendwann völlig im Keller, weil ich wieder mal nicht wusste, wie meine Ohren auf die Dauerbelastung reagieren würden. Entsprechend beschissen waren meine Flugleistungen. Gegen 17 Uhr klingelte das Telefon der Flugleitung. Rolf, der mit dem Janus auf Strecke gegangen war und den die Thermik kurz vor der Heimat verlassen hatte, lag irgenwo bei Eula auf einem Acker und bestellte ein Taxi. Ein Kuriosum an diesem Tag war ein betagter Fluggast. Dieser Mann war bereits im Besitz einer Lizenz, die er sogar auf dem Platz in Taucha gemacht hatte. Allerdings hieß die ausbildende Institution weder Fliegerclub Leipzig-Taucha, noch GST. Er hatte seinen Schein bei der Flieger-HJ gemacht. Demzufolge musste er irgendwas um die 80 Jahre alt gewesen sein. Es war schon eine Herausforderung, den alten Mann in das Flugzeug zu bekommen. Aber er hatte sichtlichen Spaß dabei und war nach der Landung hellauf begeistert. Da der Flug trotz F-Schlepp nur 15 Minuten gedauert hatte, entschloss sich Bernd, noch einen Windenstart mit dem Gast auf seine Kosten zu machen. Der alte Mann strahlte…

Am Abend feierte Kassenwart Leo seinen 50. Geburtstag. Meinen thüringer Genen entsprechend hab ich mich um die Zubereitung der Grillware gekümmert, und die Kameraden waren augenscheinlich mit dem Ergebnis zufrieden. Nach der Fresserei haben wir den Abend gemütlich am Lagerfeuer ausklingen lassen.

Sonntag war vom Wetter her mehr oder weniger bescheiden. Zwar knallte die Sonne förmlich auf den Platz, aber die nahezu nicht vorhandene Wolkenbildung sorgte dafür, dass die meisten Windenstarts nur für eine Platzrunde reichten. Sandro, ein Vereinskamerad in meinem Alter (aber schon acht Jahre im Besitz der Fluglizenz) brauchte drei Starts, bis er irgendwo Thermik fand und auf Strecke gehen konnte. Fluglehrer an diesem Tag war Uwe, mit dessen Pädagogik ich bisher am besten zurecht kam. Wieder stand der Geradeausflug auf dem Programm, und schon im ersten Flug des Tages klappte der ganz gut. Zudem flogen wir mit komplett geschlossener Haube, was die Geräuschkulisse gewaltig abdämpfte und mir die Möglichkeit gab, mich voll und ganz aufs Fliegen zu konzentrieren. Kurz nach der Positionsmeldung während des zweiten Fluges machte mir ein Schlag ins Genick sehr schnell klar, dass ich etws vergessen hatte: Direkt nach der Funkmeldung hat jeder Flugschüler Höhe, Fahrt und Sinken zu überprüfen sowie die Kurve drei und vier der Platzrunde samt Landebahn auf andere Flugzeuge abzusuchen und das Ergebnis dem Lehrer mitzuteilen. Auf diese Art soll man sich die Prozedur einhämmern, da nach diesem Check ein sicherer Landeanflug möglich ist. Der dritte Flug war wirklich gut, auch vom persönlichen Gefühl her. Nach der Landung meinte Uwe, beim nächsten Flug können wir den Geradeausflug abschließen. Ich kann den Flieger halbwegs sicher geradeaus steuern und auch bei Kursabweichungen durch Turbulenzen oder Eingriffe des Fluglehrers wieder auf ein Vorgegebenes Ziel einsteuern. Das ist ja schonmal was.

Siehe da…

…wenn man die Sprache des Flugzeugs versteht, ist eine angenehme Kommunikation auch dann möglich, wenn man sich noch nicht so lange kennt. Im Klartext heißt das, mit Uwe Hölling als Fluglehrer im Rücken und seinen präzisen Steueranweisungen klappte es heute, dass ich mit dem Flugzeug flog und nicht das Flugzeug mit mir (wobei gerade der Bocian derart gutmütig ist, dass man auch mal alles loslassen kann, ohne dass der Vogel gleich vom Himmel fällt wie ein Stein). Der Geradeausflug funktionierte heute schon deutlich besser als gestern, und Uwes Manöverkritik zufolge hatte ich auch das Korrigieren von Steuerfehlern so langsam raus. Insbesondere die Kombination von Quer- und Seitenruder bedarf etwas Gefühl, da der Bocian auf Querruderausschläge relativ sensibel reagiert, beim Seitenruder aber deutlich kräftigere Tritte in die Pedale notwendig sind. Neben dem Geradeausflug gab es heute erste Einweisungen in den Kurvenflug. Der Windenstart wird mit jedem Mal angenehmer, und auch der Startcheck vor dem Einklinken des Schleppseils sitzt mittlerweile.

Am Morgen kurz nach dem Aufbau wies mich Uwe darüber hinaus in die Vorflugkontrolle ein. Er zeigte mir die Stellen am Geflügel, an denen unbedingt bewegliche Teile, Verbindungsbolzen und Splinte auf korrekten Sitz und Beschädigungen zu überprüfen sind. Vor allem die Anschläge der Ruder bedürfen hier großer Aufmerksamkeit, da es sich beispielsweise mit verklemmtem Höhenruder doch eher bescheiden fliegt. Zum Abschluss der Kontrolle wird der Bocian an einem Flügel richtig durchgeschüttelt, und wenn es dabei nicht knackt, ist es unwahrscheinlich, dass der Flieger in der Luft plötzlich die Ohren anlegt. (laut Uwe hat auf einem anderen Flugplatz mal ein Pilot ein Flugzeug bei dieser Prozedur förmlich zerbrochen).

Für reichlich Aufregung sorgte ein Start von Rolf mit dem Janus, bei dem sich noch während des Schleppens der kleine Bremsfallschirm im Heck löste und öffnete. Das Flugzeug konnte zwar sicher gelandet werden, die Reparatur (wenn man das radikale Entfernen des Schirms so nennen kann) zog sich dann allerdings etwa eine Stunde hin. Am Nachmittag kam auch Motorflugpilot Andreas vorbei, um mit der Wilga zuerst einen Gästeflug und im Anschluss noch einige F-Schleppstarts zu machen.

Sieger in Bezug auf die am Stück geflogene Zeit war heute Bernd Knösing, der mit seiner DG300 über sieben Stunden in der Luft war.

Wie vorm Computer…

…nur dass das am Computer irgendwie viel leichter ging!

Heute war es wieder Zeit, den Himmel zu erobern. Zuerst gab es einen heftigen Anschiss, da ich zehn Minuten zu spät auf dem Platz ankam. Beim Aufbauen und Flugzeuge rausräumen bereute ich die Entscheidung, meine Stiefel im Auto gelassen zu haben, denn die Taunässe der Platzwiese übertrug sich mehr und mehr auf meine Schuhe. Gottseidank wurden die Socken in der Sonne nach zwei Stunden wieder trocken, denn so lange musste ich warten, bis die anderen ihre Flüge absolviert hatten und ich dran war. In Anbetracht der Tatsache, dass heute relativ wenig Leute auf dem Platz waren, wurde nur mit einem Bocian und einem Piraten geflogen.

Punkt 12.00 Uhr UTC (Koordinierte Weltzeit, entspricht Taucha minus 1Std.) gab es für Fluglehrer Ulf Franz und mich Startfreigabe und die Winde hämmerte los. Das Gefühl war immer noch berauschend, aber von meinem zweiten Start bekam ich schon deutlich mehr mit als vom ersten vor zwei Wochen. Auskuppelhöhe war irgendwas um die 400m, und Ulf machte sich gleich daran im nächstbesten Thermikbart noch etwas an Höhe zu gewinnen. Als wir bei etwa 600m angekommen waren kam von hinten der Befehl „Hände an den Knüppel und Flugzeug übernehmen!“. Auch dieses Gefühl ist wiederum kaum zu beschreiben, wenn das Flugzeug zum ersten mal auf die Steuerbewegungen reagiert, die man selbst eingibt. Zugegeben, es klappte anfangs überhaupt nicht, den Flieger in einer einigermaßen vernünftigen Fluglage zu halten, geschweige denn auf ein vorgegebens Ziel wie eine Wolke zuzuhalten. Irgendwie war das vorm Computer immer wesentlich einfacher, ein Flugzeug da hin zu steuern wo ich es hinhaben wollte… Nach diversen unmöglichen Flugmanövern, die aus der Bodenperspektive wahrscheinlich mehr an einen besoffenen Geier als an ein Segelflugzeug erinnert hatten, demonstrierte mir Ulf mit sogenannten Rollübungen, wie die einzelnen Ruder im Zusammenspiel wirken. Trotzdem wollte es mir nicht hunderprozentig gelingen, das Ding in vernünftigem Geradeausflug zu halten. Irgendwie schaffte ich es nicht, den Wollfaden, der mittig auf der Cockpithaube aufgeklebt ist und die Luftströmung über das Flugzeug anzeigt, für einen aerpdynamisch optimalen Flug in der Mitte zu halten. Nachdem wir den Großteil der Höhe verflogen hatten gingen wir in den Landeanflug über und setzten 12.44 UTC wieder auf.

In der Zwischenzeit hatten sich die Vereinskameraden schon über meinen Kuchen hergemacht, den ich als Neuling mitzubringen und entsprechend am Vortag gebacken hatte. Mandarinenkuchen mit Segelflugzeug-Silhouette aus Puderzucker drauf, echt ein Kunstwerk.

Zwei Flüge sind es im Anschluss noch geworden, einer über 15 Minuten, der dritte des Tages gerade mal sechs. Beeindruckend war der letzte Flug insofern, dass Ulf gleich eine Heimlandung machen wollte, bei der das Flugzeug nicht weit vom Tor zum stehen kommt und dann demetsprechend nicht mehr über den ganzen Platz geschleppt werden muss. So zischten wir mit Tempo 100 knapp einen halben Meter über den Platz, bis wir kurz vor Platzende am Tor aufsetzten und ausrollten.

Schlussendlich ging es dann noch ans Flieger putzen und einräumen. Meine drei Flüge mussten noch ins Flugbuch eingetragen und vom Fluglehrer agezeichnet werden. Bewertet hat mich Ulf jeweils mit einer 2-. Fürs erste mal ein Flugzeug steuern eigentlich gar nicht so schlecht…

Schulflugzeug Bocian vor dem Start, ich im Bocian

Blick aus dem Cockpit auf die Startbahn, Starthelfer an der linken Fläche

Blick nach links bzw. rechts

Fahrtmesser bei 100km/h, Feinvariometer am Anschlag; Grobvario bei 8m/s Steigen, Höhenmesser 330m.

Blick aus dem Cockpit, auf der Scheibe das simpelste Instrument: der Wollfaden; Schon im Landeanflug: 2m/s Sinken, Höhe 220m.

Tarifgruppe 60…

…heißt konkret: Windenstart 3,90€, F-Schlepp 2,70/min, Flugminute im Segler 0,31€. Das sind die finanziellen Eckdaten, mit denen ich die Kosten für jeden meiner Flüge in diesem Jahr berechnen kann. Da diejenigen, die gerade zu Beginn der Saison einsteigen, im Vorjahr keine Baustunden machen konnten, werden sie automatisch in die Tarifgruppe 60 eingestuft. So bleibt das Fliegen einigermaßen bezahlbar. Für leute mit zu viel Zeit, die mehr als 245 Stunden im Jahr für den Verein schuften, sinken die Gebühren auf 85ct pro Windenstart und 2ct pro Flugminute… Aber wer hat schon so viel Zeit??

Die Wettervorhersage fürs Wochenende lässt immerhin auf Flugbetrieb hoffen, auch wenn es wahrscheinlich bedeckt sein wird und die Regenwahrscheinlichkeit mit 20% nicht zu unterschätzen ist. Mal schauen was kommt, andererseits werden Baustunden gemacht, auf dem Weg zur 245 😀

IRRE!!!

Es wäre gelogen, zu behaupten, mein Puls hätte wesentlich unter 120 gelegen, als ich mich nach Anlegen des Fallschirms auf den vorderen Platz des Janus 2 fallen ließ und mir Rolf die Gurte festzog. Seinen großzügigen Hinweis bezüglich des Lösens der Gurte im Fall der Fälle versuchte ich ironisch aufzufassen und dachte mir meinen Teil. Dann verzögerte sich das alles auch noch, da sich die Windenseile beim zurückschleppen irgendwie verfitzt hatten und das Seilfahrzeug (in der Tat ein W124 300TDT) erstmal stoppen musste, um den Schlamassel zu beheben. Das verschaffte mir noch mal etwas Zeit, um die persönlich Ausrüstung in den Seitentaschen zu verstauen: Fahrradbrille, die ich mir extra fürs Fliegen noch in meiner Stärke hatte verglasen lassen, meine Wollmütze, die ich gerade gegen einen aus dem selben Grund erworbenen, aber als Arbeitsmütze abgerechneten Hut getauscht hatte und natürlich diverse Ohrenstöpsel. Alles griffbereit.

Mit Rolfs Ankündigung „Na dann wollen wir mal…“ gab es dann definitiv kein Zurück mehr. Er schwang sich auf den hinteren Sitz, krachte die Haube zu und begann mit dem Startcheck: Haube geschlossen und Verriegelt, Trimmung neutral, Bremsklappen eingefahren und verriegelt, alle Ruder frei und beweglich, Besatzung ordnungsgemäß angeschnallt, Fallschirme eingehängt. Erst nach dieser Formel darf der Starthelfer das Windenseil in die Schwerpunktkupplung einklinken und dem Flugleiter Startbereitschaft melden. Während das geschah reichte mir Rolf noch eine Tüte „für alle Fälle“, dem Logo nach geklaut bei der Lufthansa. Mit der Meldung „Janus 2 Startklar“ steigerte sich die Mischung aus Anspannung und Bauchkribbeln nochmals um ein Vielfaches. Dann zog der Windenfahrer das Seil straff und los ging’s. Innerhalb von nicht mal drei Sekunden waren Tempo 90 erreicht und wir hoben ab. Irres Gefühl. Kein dröhnender Motor der beruhigend vor sich hintuckert, sondern nur das Fauchen des Windes. Ab 50m zog Rolf richtig an und wir stiegen im 45°-Winkel, bei etwa 350m krachte das Seil aus der Kupplung und der Flieger war frei. Um den Startvorgang wirklich genießen zu können war das ganze Ereignis viel zu intensiv, etwas Derartiges hatten weder mein Hirn noch mein Magen bisher erlebt. Entsprechend brauchte ich einige Sekunden, um mich dann wirklich auf das was ich da grade machte, nämlich Segelfliegen, zu konzentrieren. Rolf war zwischenzeitlich schon auf der Suche nach dem nächstbesten Thermikbart, um aus den 350 Metern noch etwas mehr herauszuholen, denn der Tower in Leipzig hatte heute bis 1500m (5000ft) Freigabe erteilt. Langsam aber sicher entspannte ich mich und versuchte, neben dem ständigen Blick auf Variometer, Fahrt- und Höhenmesser anhand von Bodenmarken die Orientierung zu behalten. Rolf spielte währenddessen Fremdenführer und erklärte mir die wichtigsten Orientierungspunkte in der Umgebung von Taucha.

So richtig steigen wollte der Flieger dann aber zwischendrin nicht mehr, und langsam eierten wir bis auf 170m runter. Eigentlich schon auf dem Weg zur Landung erwischte Rolf dann aber doch noch einen Aufwind, in dem es richtig zur Sache ging. Nach einigem Suchen und Korrigieren hatte er den Dreh raus und kurbelte den Segler wieder bis auf 500m hoch. Dann gings auf ein kurzes Stück Strecke zur nächsten Wolke, die einigermaßen vielversprechnd aussah und an der schon ein Pirat sein Glück versuchte. Irgendwie war das dann doch nicht so das Wahre, und Rolf beschloss, es gut sein zu lassen. Er meldete Janus 2 auf Position und erhielt vom Flugleiter Landefreigabe. Nach den letzten beiden Kurven der Platzrunde fuhr er die Bremsklappen aus, schwebte den Vogel majestätisch über die Platzgrenze und setzte direkt am Landezeichen butterweich auf. Nach einigen Metern Rollstrecke standen wir wieder fest auf dem Boden. Nach knapp 30 Minuten war mein erster Flug zu Ende.

Im Anschluss wurden noch sechs Starts durchgeführt, und ich machte mich beim Seileholen und Flugzeugschieben nützlich. Nach dem Abbau und Abstellen der Flugzeuge in der großen Halle wurde noch diskutiert und der Tagessieger in Bezug auf die am Stück geflogene Zeit bekannt gegeben. Mein Persönliches Resümee war eine beeindruckende Erfahrung, insbeseondere in Bezug auf den Windenstart. Mit den Ohren hat das rein von Druck her ganz gut funktioniert, auch wenn ich jetzt, gute sechs Stunden später, es doch ein wenig merke. Alles in allem muss ich mir noch nen passenden Gehörschutz organisieren, der einerseits mehr als 20dB dämpft, aber andererseits die Luft ordentlich zirkulieren lässt.

Auf ein Neues in vierzehn Tagen.

Why does it always rain on me…?

Aschekasten wars mit dem ersten Flug am Wochenende… Gestern war das Wetter absolut bescheiden, und da bis zum Mittag nicht feststand, ob überhaupt geflogen werden kann, bin ich dann gleich in Gera geblieben. Heute sah es zumindest in Gera etwas besser aus, also gegen Mittag nach Leipzig gefahren und aufm Flugplatz angerufen. Allerdings verflog die Hoffnung schnell, als Uwe mir am Telefon sagte, dass heute zwar mal aufgebaut wurde, aber aufgrund der Widrigen Platzverhältnisse kein sicherer Flugbetrieb möglich war. Entsprechend wurde dann alles wieder weggeräumt. Bleibt auf besseres Wetter am kommenden Sonntag zu hoffen, vielleicht klappts dann…