Wie vorm Computer…

…nur dass das am Computer irgendwie viel leichter ging!

Heute war es wieder Zeit, den Himmel zu erobern. Zuerst gab es einen heftigen Anschiss, da ich zehn Minuten zu spät auf dem Platz ankam. Beim Aufbauen und Flugzeuge rausräumen bereute ich die Entscheidung, meine Stiefel im Auto gelassen zu haben, denn die Taunässe der Platzwiese übertrug sich mehr und mehr auf meine Schuhe. Gottseidank wurden die Socken in der Sonne nach zwei Stunden wieder trocken, denn so lange musste ich warten, bis die anderen ihre Flüge absolviert hatten und ich dran war. In Anbetracht der Tatsache, dass heute relativ wenig Leute auf dem Platz waren, wurde nur mit einem Bocian und einem Piraten geflogen.

Punkt 12.00 Uhr UTC (Koordinierte Weltzeit, entspricht Taucha minus 1Std.) gab es für Fluglehrer Ulf Franz und mich Startfreigabe und die Winde hämmerte los. Das Gefühl war immer noch berauschend, aber von meinem zweiten Start bekam ich schon deutlich mehr mit als vom ersten vor zwei Wochen. Auskuppelhöhe war irgendwas um die 400m, und Ulf machte sich gleich daran im nächstbesten Thermikbart noch etwas an Höhe zu gewinnen. Als wir bei etwa 600m angekommen waren kam von hinten der Befehl „Hände an den Knüppel und Flugzeug übernehmen!“. Auch dieses Gefühl ist wiederum kaum zu beschreiben, wenn das Flugzeug zum ersten mal auf die Steuerbewegungen reagiert, die man selbst eingibt. Zugegeben, es klappte anfangs überhaupt nicht, den Flieger in einer einigermaßen vernünftigen Fluglage zu halten, geschweige denn auf ein vorgegebens Ziel wie eine Wolke zuzuhalten. Irgendwie war das vorm Computer immer wesentlich einfacher, ein Flugzeug da hin zu steuern wo ich es hinhaben wollte… Nach diversen unmöglichen Flugmanövern, die aus der Bodenperspektive wahrscheinlich mehr an einen besoffenen Geier als an ein Segelflugzeug erinnert hatten, demonstrierte mir Ulf mit sogenannten Rollübungen, wie die einzelnen Ruder im Zusammenspiel wirken. Trotzdem wollte es mir nicht hunderprozentig gelingen, das Ding in vernünftigem Geradeausflug zu halten. Irgendwie schaffte ich es nicht, den Wollfaden, der mittig auf der Cockpithaube aufgeklebt ist und die Luftströmung über das Flugzeug anzeigt, für einen aerpdynamisch optimalen Flug in der Mitte zu halten. Nachdem wir den Großteil der Höhe verflogen hatten gingen wir in den Landeanflug über und setzten 12.44 UTC wieder auf.

In der Zwischenzeit hatten sich die Vereinskameraden schon über meinen Kuchen hergemacht, den ich als Neuling mitzubringen und entsprechend am Vortag gebacken hatte. Mandarinenkuchen mit Segelflugzeug-Silhouette aus Puderzucker drauf, echt ein Kunstwerk.

Zwei Flüge sind es im Anschluss noch geworden, einer über 15 Minuten, der dritte des Tages gerade mal sechs. Beeindruckend war der letzte Flug insofern, dass Ulf gleich eine Heimlandung machen wollte, bei der das Flugzeug nicht weit vom Tor zum stehen kommt und dann demetsprechend nicht mehr über den ganzen Platz geschleppt werden muss. So zischten wir mit Tempo 100 knapp einen halben Meter über den Platz, bis wir kurz vor Platzende am Tor aufsetzten und ausrollten.

Schlussendlich ging es dann noch ans Flieger putzen und einräumen. Meine drei Flüge mussten noch ins Flugbuch eingetragen und vom Fluglehrer agezeichnet werden. Bewertet hat mich Ulf jeweils mit einer 2-. Fürs erste mal ein Flugzeug steuern eigentlich gar nicht so schlecht…

Schulflugzeug Bocian vor dem Start, ich im Bocian

Blick aus dem Cockpit auf die Startbahn, Starthelfer an der linken Fläche

Blick nach links bzw. rechts

Fahrtmesser bei 100km/h, Feinvariometer am Anschlag; Grobvario bei 8m/s Steigen, Höhenmesser 330m.

Blick aus dem Cockpit, auf der Scheibe das simpelste Instrument: der Wollfaden; Schon im Landeanflug: 2m/s Sinken, Höhe 220m.

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