Drei mal vier gleich zwölf…

Mehr Flugzeit war heute bei dem thermiklosen Wetter nicht drin. Trotz der Wärme kaum ein aufsteigendes Lüftchen. Dementsprechend kam ich lediglich auf drei Platzrunden. Die erste flog ich zusammen mit Ulf Franz, aber irgendwie war die richtig schlecht. Kurven geflogen wie Eier und ein völlig vermasselter Landeanflug, nachdem ich schon die dritte Kurve viel zu spät geflogen und entsprechend wenig Höhenreserve hatte. Runde zwei und drei saß Rolf Barthel hinter mir, und es flog sich deutlich besser. Der Start des zweiten Fluges war irgendwie nicht so der Bringer, weil die Winde viel zu lasch zog und wir entsprechend keinen vernünftigen Steigwinkel hatten. Die Kurven flogen sich wesentlich besser als bei der ersten, zudem gab Rolf sehr präzise Korrekuranweisungen. Auch der Landeanflug gestaltete sich mit Hilfe des Lehrers deutlich eleganter als beim ersten Flug. Die Letzte Platzrunde begann mit einem ordentlichen Start und war insgesamt die beste des Tages. Da ich wie gestern der letzte Flugschüler des Tages war, machten wir auch heute eine Heimlandung. Dazu nahm Rolf nach er vierten Kurve ordentlich Fahrt auf und flitzte mit über 140 Sachen im Tiefflug über den Platz. Um die Geschwindigkeit abzubauen zog er in der Platzmitte nochmal hoch und ging dann mit voll ausgefahrenen Landeklappen zur Landung über. Am Ende des Rollweges hatten wir allerdings mächtig zu tun, den Bocian zum stehen zu bringen und nicht ins Feld zu brettern.

Schön wars, auf ein neues in einer Woche.

Das Trudeln ist des Fliegers Lust…

Zumindest wenn man drauf vorbereitet ist und so langsam anfängt, die richtigen Gegenmaßnahmen auch unter dem Eindruck des schnellen zu-Boden-stürzens ordnungsgemäß einzuleiten.
Mit Uwe-Carsten Zehl als Fluglehrer an meiner Seite (um genau zu sein auf dem Sitz hinter mir) war es natürlich kein Problem, sich am Himmel mal ordentlich daneben zu benehmen. Eigentlich standen Kurven- und Kreisflugübrungen sowie Start und Landung auf dem Programm, aber da wir überraschender Weise abends um halb sieben noch Thermik finden konnten, die uns auf über 1000m brachte, waren da noch ein Paar Einlagen anormale Flugzustände drin. Oben angekommen wies mich Uwe zuerst in den Langsamflug ein. Das ist im Prinzip jede Situation, in der die Geschwindigkeit für das aktuelle Manöver zu gering ist. Im Geradeausflug beginnt der Langsamflug beim Bocian bei etwa 65km/h. Das Flugzeug fängt an zu schütteln und die Ruderwirkung ist aufgrund der zu geringen Strömung deutlich verringert. Nimmt die Geschwindigkeit noch weiter ab, kippt der Flieger entweder in eine Richtung nach unten ab oder stüzt ins Trudeln. Als nächstes standen Kreise mit zu großer Schräglage auf dem Programm. In diesem Zustand rutscht das Flugzeug in die Kurve hinein, nimmt schnell Fahrt auf und muss dann abgefangen werden. Zu guter letzt ging es ans Trudeln: Fahrt wegziehen, kurz vor dem abkippen stark Seitenruder, warten bis Sturz und Drehung einsetzen und zum Ausleiten Höhenruder nachlassen, Seitenruder entgegen der Drehrichtung und sanft abfangen. Beim ersten Mal hab ich das mit dem Abfangen etwas zu digital gemacht, da hat es ordentlich gedrückt im Gesicht… Das zweite und das dritte Mal fühlte sich deutlich besser an.

Neben diesen Kurbeleien klappt der Start immer besser. Es gelingt mir mehr und mehr, mich auf das Korrigieren der Geschwindigkeit und das halten des richtigen Anstellwinkels zu konzentrieren. Auch das Nachkuppeln nachdem das Seil aus der Kupplung gerutscht ist und das Austrimmen läuft ohne großes Nachdenken ab. Bei der Landung hingegen ist der richtige Einsatz der Klappen noch zu sehr von den Kommandos des Fluglehrers abhängig, aber auch da stimmt die Richtung halbwegs.
Der letzte Flug des Tages sollte gleich eine Heimlandung werden, d.h. dass man das Flugzeug nicht direkt am Beginn der Landebahn aufsetzt, sondern eher in der Mitte, und dann Ende des Platzes rollt. Der Vorteil liegt einfach darin, dass der Flieger dann nicht mehr über den ganzen Platz geschleppt werden muss, um ihn abzustellen. Die Letzte Kurve war quasi eine hundertachzig-Grad-Wende. Uwe drückte den Knüppel voll durch und drehte den Flieger im Abschwung herum, so dass wir nach dem Abfangen in entgegengesetzter Richtung flogen. Dann gings im Tiefflug über den Platz zur Landung und wir rollten fast genau am Tor aus.

Im Anschluss an den Flugbetrieb gabs heute gleich zwei Gründe zum Feiern: Zuerst hatte Hannes seine Lizenzprüfung bestanden. Drei Flüge mit Prüfer war er nahezu fehlerfrei geflogen. Besonders beeindruckte ein Slip während der Landung, den er äußerst akkurat und ohne vom Kurs abzuweichen flog. Der zweite Glückliche war Dennis, der endlich seine 5 Stunden erflogen hatte.

Alles in Allem ein schöner Flugtag.

Edit: Der passende Smilie zum Trudeln: null

Aua, das wird knapp…

… wird beim gestrigen Landeanflug von Dennis und Dirk der ein oder andere Zaungast gedacht haben, aber mehr dazu später.

Nach zwei Wochenenden ohne Flug hatte ich am Samstag endlich wieder Zeit und Nerv ins Flugzeug zu steigen. Auf dem Flugplatz angekommen schien uns das Wetter aber einen Strich durch die Rechnung zu machen, denn der Himmel war von einer gschlossenen Wolkendecke überzogen, und alle Anzeichen deuteten auf Regen hin. Also wurde kurzerhand beschlossen, erstmal nen Kaffee zu kochen und etwas abzuwarten. Da an diesem Tag Bernd Schmehl eine Umschulung auf den Janus machen wollte, der Sporngummi des Fliegers aber beschädigt war, konnten wird die verbleibende Zeit noch für die notwendige Reparatur nutzen. Gegen halb elf fiel dann doch die Entscheidung, es trotz der Wolken, enormer Windgeschwindigkeit und immer wieder einsetzendem Nieselregen zu probieren. Der Wind kam natürlich so, dass wir nicht am Tor aufbauen konnten und die Flugzeuge erstmal über den ganzen Platz schleppen mussten.
Zur Abwechslung war ich mal der erste Flugschüler des Tages und bereitete mich ordnungsgemäß auf den Flug vor. Mit Fluglehrer Uwe-Carsten Zehl standen vorrangig Kurvenflugübungen auf dem Programm. Aufgrund des starken Windes, der zudem leicht von der Seite kam, gab Uwe mir einige Tips um mit richtigem Vorhaltewinkel das Flugzeug trotzdem halbwegs gerade auf Höhe zu bringen. Nach dem Startcheck und einklinken des Seils verzögerte sich alles noch etwas, da mit der Winde irgendwas nicht stimmte. Mittlerweile war die Haube derart nass geregnet, dass der Faden völlig unbeweglich auf der Scheibe klebte. Wirklich paradiesische Bedingungen…
Endlich gab der Windenfahrer Gas und bereits nach wenigen Metern Rollstrecke hoben wir ab. Die Geschwindigkeit durch den Seilzug und der Gegenwind brachten uns auf recht ordentliche 450m Auskuppelhöhe. Ich trimmte ordnungsgemäß aus und lies mir den Kurvenflug nochmal in allen Einzelheiten erklären. Es klappte dann auch zunehmen besser, auch wenn mich der Ausfall des Fadens wirklich behinderte, da man in diesem Fall keine Ahnung hat, wie das Flugzeug gerade angeströmt wird. Irgendwann bekam das Uwe auch mit und meinte, wir könnten den Flieger ja mal trockenfliegen. Also schob er mal eben zwanzig, dreißig Meter Sturzflug ein und siehe da, er der Fetzen auf der Scheibe begann wieder zu flattern.
Insgesamt hatte ich auf drei Flüge mit 23 Minuten Flugzeit.

Im Anschluss kam dann Bernd zu seiner Umschulung und Uwe war mit ihm für zwei Testflüge unterwegs. Den Bocian hatte sich mittlerweile Dennis geschnappt, der zusammen mit Dirk sein Glück bei der beschissenen Wetterlage probieren wollte. Nachdem sie sich durch die Platzrunde gehangelt hatten setzten sie zum Landeanflug an. Obwohl der Flieger von der Landebahn noch reichlich weit weg war, hatte er schon viel Höhe verloren und schien es gerade so noch zu packen. Auf den letzten hundert Metern vor der Flugplatzwiese verlor er nochmal radikal an Höhe und verschwand mit einer Rechtskurve im Rapsfeld. An diesem Punkt machte sich Aufregung breit und diverse Flüche und Kraftausdrücke waren von allen Anwesenden zu vernehmen. Alle joggten in Richtung der Landestelle, um nachzusehen, ob die Piloten und das Flugzeug ihre unplanmäßige Außenlandung heil überstanden hatten. Leicht blass hatten sich die beiden bereits aus dem Cockpit geschält und standen etwas bedeppert neben ihrem Flugzeug im anderthalb Meter hohen Raps.
Nun war Krisensitzung angesagt, es galt zu klären, wie der Flieger die 50 Meter vom Rapsfeld wieder auf den Flugplatz zu schaffen war. Abrüsten hätte wenigstens eine Stunde gedauert, und irgendwie sollte der Flugbetrieb ja noch weitergehen, um alle Flugschüler mit ihren Ausbildungsflügen zu versorgen. Also trampelten wir kurzerhand eine zwanzig Meter breite Schneise ins Feld und zerrten den Bocian auf den Weg, der das Feld und den Flugplatz trennt. Nach gut einer halben Stunde stand er dann wieder da, wo er hingehörte, und wurde ordentlich durchgecheckt. Immerhin hatte das 30 Jahre alte Flugzeug alles ohne schaden überstanden, was für die Qualität der Konstruktion und den guten Wartungszustand spricht.

Im Anschluss gabs Kaffe, und ich verabschiedte mich in Richtung der anstehenden Familienfeier.

Bernd im Janus; Schlechtwetterfliegerei; der Flugleiter vom Dienst

Bergungsaktion Bocian

Bodenbetrieb…

Vorerst bleibe ich am Boden, da ich mich momentan auf meine Abschlussprüfung in Musikwissenschaft vorbereite. Neue Fluggeschichten gibts voraussichtlich ab dem übernächsten Wochenende wieder…

Vom Flugspiel zur Erkenntnis…

Das letzte Wochenende auf dem Flugplatz hatte in mehrfacher Hinsicht einen deutlichen Lerneffekt zur Folge.

Am Samstag war Rolf Bathel verantwortlicher Fluglehrer. Bei sieben Schülern und nur einem Schul-Doppelsitzer zog sich alles etwas länger hin, weshalb ich nur zu einem gut halbstündigen Flug kam. Vor Beginn des Flugbetriebes pfiff uns Rolf wie üblich zum „Flugspiel“ heran, in dem die theoretischen Grundlagen der Übungen, die der betreffende Schüler zu fliegen hat, nochmal durchgegangen werden. Darüber hinaus wird die ein oder andere Frage aus dem Theorieunterricht, vorrangig der Fluglehre, gestellt. Eigentlich standen bei mir Rollübungen auf dem Programm, aber Rolf wollte von mir wissen, woran man den Flugzustand Trudeln erkennt. Natürlich hatten wir das behandelt, und ich antwortete die Standardformel, die im Buch stand: Steile Fluglage, Normale Fahrtmesserwerte, starker Höhenverlust und normales Fahrtgeräusch. Letzteres stimmte nicht ganz, was mir im Verlauf meines Fluges später am Tag noch eine Überraschung bereiten sollte.

Kurz vor 14 Uhr UTC (entspricht 16 Uhr MESZ) gings dann für mich los. Der Start verlief problemlos, und nach kurzer Zeit hatte Rolf einen Bart gefunden, in dem es nahezu konstant mit 4m/s aufwärts ging. Die Rollübungen waren erstmal Nebensache, denn in diesem Aufwind konnte mich Rolf hervorragend in den Kreisflug einweisen. Mit Quer- und Seitenruder die Seitenneigung und Drehung steuern, und mit dem Höhenruder die Schnauze am Horizont halten. Eigentlich simpel, praktisch aber ziemlich knifflig. Da ich aber genug Zeit zum probieren hatte und der Aufwindstrom so breit war, dass ich eigentlich kaum rausrutschen konnte, klappte es nach einiger Zeit ganz gut. Insgesamt kamen wir auf irgendwas um die 900m Höhe. Dann wurde es Zeit für einen Ortswechsel, denn die Wolke über uns hatte sich aufgelöst, und das große Saufen ging los. Von hinten kam der Befehl, mal bischen Gas zu geben, worauf ich den Bocian mit 120 auf den nächsten Wolkenhaufen zujagte. Meine Bemerkung, dass bei der Geschwindigkeit der Ruderdruck doch recht ordentlich ist, hätte ich mir besser verkniffen, denn Rolf trimmte daraufhin erstmal ordentlich kopflastig, und ich musste erstmal realisieren, dass wir mittlerweile bei 140 Sachen angekommen waren und das eigentlich viel zu schnell war. Ich trimmte wieder auf Hecklastig und wir suchten uns nochmal einen Aufwind, um etwas an Höhe zu gewinnen.

Da noch drei Schüler auf ihren Flug warteten, beschloss Rolf, so langsam Schluss zu machen. Höhe hatten wir noch mehr als genug, und um diese Abzubauen bekam ich noch eine Sondervorführung: Rolf gab über Funk unsere Position durch und teilte mit, dass er ein kleines Programm fliegen wolle. Vom Platz wurde das bestätigt und Rolf stellte die Frage vom Flugspiel erneut: „Wie hört sich das Trudeln an??“ Im selben Augenblick zog er den Knüppel an und ließ den Bocian in der Luft fast stehen. Bei Tempo 60 trat er voll in das linke Pedal und brachte damit die Strömung am linken Flügel zum Abreißen. In Sekundenbruchteilen stellte sich der Flieger auf die Nase und stürzte mit atemberaubender Geschwindigkeit und wilder Drehung auf die Erde zu. Nach einer halben Umdrehung leitete Rolf das Trudeln aus und fing wieder ab. Zum verschnaufen blieb aber keine Zeit, denn schon standen wir wieder fast in der Luft, diesmal Tritt ins rechte Pedal und wir trudelten mit Rechtsdrehung in Richtung Globus, diesmal eine ganze Umdrehung.

Hier das ganze mal aus der Cockpitperspektive:

Und so sieht das von unten aus:

Zum Abschluss kam dann nochmal die Frage, ob das Fahrtgeräusch beim Truden anders sei. Ich konnte noch irgendwie ein „Ja“ zustande bringen. Danach gönnte Rolf uns noch jeweils drei Steilkreise links und rechts mit 90° Querneigung, also förmlich auf der Flächenspitze gedreht. Erst bei solchen Belastungen wird einem Klar, wo im Körper überall Blut hingedrückt werden kann…

Gestern war Dr. Uwe-Carsten Zehl Fluglehrer. Er hatte im Theoriekurs Navigation unterrichtet, allerdings war ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht dabei. Aufgrund der Hitze wollte er unbeding mit spaltbreit geöffneter Haube fliegen, was meinen Ohren natürlich weniger gefiel. Trotzdem waren es drei sehr lehrreiche Flüge, in denen er mir erste Einweisungen in Start und Landetechnik gab und die Einteilung der Platzrunde aus Cockpitperspektive erklärte. Dazu kamen noch einige Rollübungen, bei denen ich diesmal auch das Höhenruder mitbenutzen sollte, was der ganzen Aktion sicher ein äußerst komisches Aussehen gab.

Alles in allem ein schönes Wochenende.

Schon isser berühmt…

…oder eher berüchtigt??
Bereits kurz nach Beginn meiner Theorieausblidung im Februar rief mich ein Redakteur der Thüringer Allgemeinen an, da er an einem Beitrag über Flugschulen und Flugschüler arbeitete, und erkundigte sich, ob ich ihm ein paar Fragen zu der Materie beantworten könnte. Klar konnte ich, und der folgende Artikel war das Resultat:

ILA 2008

Nach meinem Einstieg in die Fliegerei war der Besuch auf der ILA 2008 in Berlin nahezu obligatorisch. Unmengen an Leuten stand eine Unmenge an Fluggerät gegenüber, dass sowohl stehend am Boden als auch fliegend in der Luft präsentiert wurde.

Hier einige Impressionen des Spektakels:

CH47 Chinook; Mi-24 Hind; Bell UH-1 Huey

Bundeswehrhubschrauber im Formationsflug; Lockheed P51 „Mustang“; Fokker Dr.1

SZD-9 Bocian als Versuchsträger zur Untersuchung von Strömungsverhältnissen am Segelflugzeug

Kunstflug

Hier gibts mal wieder ein schönes Video, dass einem eindrucksvoll vor Augen führt, was man mit einem Segler so alles machen kann…

Übung beherrscht…

…steht jetzt in meinem Ausbildungsnachweis beim Geradeausflug. Nachdem ich das ganze Wochenende dran gearbeitet hatte, wurde das ja nun auch Zeit. Gestern hatte ich mit Bernd Krause insgesamt drei Flüge mit gerade mal 21 Flugminuten absolviert. Trotzdem zeigte das Training Wirkung, denn heute flog sich der Bocian wirklich gut. Mittlerweile werden die Checks vor dem Start sehr sicher, auch die Positionsmeldung über Funk samt der geforderten Handlungsabläufe (Kontrolle Geschwindigkeit, Sinken, Höhe, Luftraum 3./4. Kurve, Landebahn) klappt ganz gut. Das Trimmen des Flugzeugs ist noch etwas Gewöhnungbedürftig, aber so langsam taste ich mich da auch ran. Heute war Bernd Knösing verantwortlicher Fluglehrer, und mit ihm hatte ich einen wirklich schönen Flug. Ungeachtet der Tatsache, dass unsere große Winde wegen Kühlerschadens durch die kleine Herkules ersetzt wurde, katapultierte uns der Windenfahrer auf 340m. Die Wolken standen gut und ließen ausreichend Thermik erwarten. Zuerst hingen wir mit 3-4m sinken in einem ziemlichen Loch, aber dann fand Bernd südwestlich vom Platz doch einen recht anständigen Bart, der uns bis auf 900m brachte. Es wäre sicher noch deutlich mehr gegangen, aber die Lotsin von München Radar konnte wegen An- und Abflugverkehr nach Leipzig im nördlichen Sichtfluggebiet nur bis 3500ft freigeben. Trotzdem war die Höhe mehr als ausreichend, dass ich Übungen en mass fliegen konnte. Der Geradeausflug klappte zu dem Zeitpunkt schon recht sicher, und auch wenn der Fluglehrer durch Eingriffe das Flugzeug vom Kurs abweichen lies brachte ich es wieder in die richtige Richtung. Danach waren Rollübungen an der Reihe. Dabei wird das Flugzeug mit Quer- und Seitenruder in eine Drehung abwechselnd links und rechts um die Längsachse gebracht. Dabei noch halbwegs auf einen Blickpunkt zuzufliegen verlangte schon allerhand Konzentration. Trotzdem hat es riesigen Spaß gemacht, den Bocian endlich mal mit richtig harten Ruderausschlägen zu foltern. 41 Minuten dauerte dieser Flug, und nach der Landung war ich wirklich zufrieden mit dem, was ich fabriziert hatte. Bernd bestätigte das und meinte, mit den nächsten Flügen könne ich den Geradeausflug fertig machen. Aufgrund von Gästeflügen und der Tatsache, dass Bernd als UL-Pilot mit einem der Ultraleichtflugzeuge des Nachbarclubs Flugzeugschlepps machen konnte, waren uns zwischenzeitlich sowohl Fluglehrer als auch Schulflugzeug abhanden gekommen. So langsam trudelten die Streckenflieger des Tages wieder ein, und schließlich übernahm Uwe Hölling die letzten sechs Schulflüge des Tages. Für mich sprangen noch zwei Platzrunden dabei raus und Uwe quittierte mir im Ausbildungsnachweis, dass ich jetzt ein Segelflugzeug sicher geradeaus steuern kann.

Bereits Samstag stellte sich heraus, dass ich wahrscheinlich gar nicht in die Tarifgruppe 60, sondern bei 105 Baustunden eingestuft wurde. Das hat zur Folge, dass mich ein Windenstart nur noch 2,10€ und die Flugminute 17ct kostet. Wenn sich das bewahrheitet, wird meine Ausbildung noch preiswerter und ich muss meine Kostenaufstellung nach unten korrigieren. Warum auch nicht 😉

Diesmal gibt es auch reichlich Bilder vom Flugbetrieb:

Bocian im Landeanflug


Unser Tower, ein alter LO; die Kollegen vom Motorflug; einer von den ganz Großen

Start einer DG300

Flugzeugmikado kurz vor Feierabend…


Von miserabel bis Prüfungsreif

Die letzten Flugstunden liegen nun schon fast zwei Wochen zurück, aber aus Faulheit und Stress bin ich noch nicht zum Protokollieren gekommen.

Samstag war ich mit Bernd Krause zusammen gut eine Stunde in der Luft. Themen der Schulung waren wieder der Geradeausflug und die Meldung an der Position. Irgendwie war ich aber nicht wirklich fit an diesem Tag, denn so richtig machte der Bocian nicht das was ich wollte. Erschwerend für mich kam hinzu, dass wir wie in der Schulung durchaus üblich mit leicht geöffneter Haube flogen, damit der Fluglehrer hinten nicht völlig erstickt. Durch das Gepfeife des Windes war meine Konzentration irgendwann völlig im Keller, weil ich wieder mal nicht wusste, wie meine Ohren auf die Dauerbelastung reagieren würden. Entsprechend beschissen waren meine Flugleistungen. Gegen 17 Uhr klingelte das Telefon der Flugleitung. Rolf, der mit dem Janus auf Strecke gegangen war und den die Thermik kurz vor der Heimat verlassen hatte, lag irgenwo bei Eula auf einem Acker und bestellte ein Taxi. Ein Kuriosum an diesem Tag war ein betagter Fluggast. Dieser Mann war bereits im Besitz einer Lizenz, die er sogar auf dem Platz in Taucha gemacht hatte. Allerdings hieß die ausbildende Institution weder Fliegerclub Leipzig-Taucha, noch GST. Er hatte seinen Schein bei der Flieger-HJ gemacht. Demzufolge musste er irgendwas um die 80 Jahre alt gewesen sein. Es war schon eine Herausforderung, den alten Mann in das Flugzeug zu bekommen. Aber er hatte sichtlichen Spaß dabei und war nach der Landung hellauf begeistert. Da der Flug trotz F-Schlepp nur 15 Minuten gedauert hatte, entschloss sich Bernd, noch einen Windenstart mit dem Gast auf seine Kosten zu machen. Der alte Mann strahlte…

Am Abend feierte Kassenwart Leo seinen 50. Geburtstag. Meinen thüringer Genen entsprechend hab ich mich um die Zubereitung der Grillware gekümmert, und die Kameraden waren augenscheinlich mit dem Ergebnis zufrieden. Nach der Fresserei haben wir den Abend gemütlich am Lagerfeuer ausklingen lassen.

Sonntag war vom Wetter her mehr oder weniger bescheiden. Zwar knallte die Sonne förmlich auf den Platz, aber die nahezu nicht vorhandene Wolkenbildung sorgte dafür, dass die meisten Windenstarts nur für eine Platzrunde reichten. Sandro, ein Vereinskamerad in meinem Alter (aber schon acht Jahre im Besitz der Fluglizenz) brauchte drei Starts, bis er irgendwo Thermik fand und auf Strecke gehen konnte. Fluglehrer an diesem Tag war Uwe, mit dessen Pädagogik ich bisher am besten zurecht kam. Wieder stand der Geradeausflug auf dem Programm, und schon im ersten Flug des Tages klappte der ganz gut. Zudem flogen wir mit komplett geschlossener Haube, was die Geräuschkulisse gewaltig abdämpfte und mir die Möglichkeit gab, mich voll und ganz aufs Fliegen zu konzentrieren. Kurz nach der Positionsmeldung während des zweiten Fluges machte mir ein Schlag ins Genick sehr schnell klar, dass ich etws vergessen hatte: Direkt nach der Funkmeldung hat jeder Flugschüler Höhe, Fahrt und Sinken zu überprüfen sowie die Kurve drei und vier der Platzrunde samt Landebahn auf andere Flugzeuge abzusuchen und das Ergebnis dem Lehrer mitzuteilen. Auf diese Art soll man sich die Prozedur einhämmern, da nach diesem Check ein sicherer Landeanflug möglich ist. Der dritte Flug war wirklich gut, auch vom persönlichen Gefühl her. Nach der Landung meinte Uwe, beim nächsten Flug können wir den Geradeausflug abschließen. Ich kann den Flieger halbwegs sicher geradeaus steuern und auch bei Kursabweichungen durch Turbulenzen oder Eingriffe des Fluglehrers wieder auf ein Vorgegebenes Ziel einsteuern. Das ist ja schonmal was.