Fayence II

Der Auftrag ans Unterbewusstsein war klar. Und das Unterbewusstsein hat auch mitgespielt. Exakt bis zum Ende von Figur 1. Ab da ist irgend ein Schaltkreis im Prozessor in den tilt gegangen, und was dann kam, war halt Scheiße. Statt 2/4 aus dem Rücken in den Normalflug und Aufschwung zum halben Kubaner kam da ein kräftiger Impuls negativ hoch zum Käseeck, den ich aber erst so richtig bemerkte, als es schon zu spät war. Irgendwie noch so rumgemogelt, dass am Ende wenigstens die Richtung wieder stimmte. Aber danach stimmte halt alles so gar nicht mehr.

Gefühl nach dem ersten WM-Flug: zum kotzen. Und wieder war sie da, diese unbändige Wut. Ich hab sie in dem Moment nicht rausgebrüllt, sondern runtergschluckt. Ich will ja niemand anderen mit runterziehen. Die gut gemeinten Kommentare der anderen, die wirklich immer kommen, wirken in solchen Momenten auch nicht beruhigend, sondern konträr. Es ist halt völlig irrelevant, ob Weltmeister oder sonstwelche Spitzenpiloten auch Küren verhauen, Figuren HZen oder sonstwie Mist bauen. Diese Sprüche sind genauso unsinnig wie der Verweis darauf, dass kommerzielles Fliegen statistisch total sicher ist. Wenn du der bist, der in der Möhre sitzt, die abschmiert, ist dir die Statistik herzlich egal. Ich hab das Programm versaut, das ich vorher hinreichend trainiert hatte. Das einzige, das dieses Jahr irgendwie halbwegs funktionierte. Und es hat ne mentale Wirkung, wenn man nicht mal das x-mal trainierte so abrufen kann, dass es wertbar wird. Wenn in der Kür eine Figur misslingt, weil man den Punkt für ne Steuereingabe verpasst hat oder so, geschenkt. Aber einfach stumpf die falsche Figur zu fliegen, das ist das, was man sich in diesem Umfeld nicht leisten darf. Nationalmannschaft. Und dann solche Anfängerfehler. Kannste dir nicht ausdenken. Die Nummer war insgesamt so peinlich, dass sich sogar meine als V/g-Logger missbrauchte GoPro geweigert hat, den Flug aufzuzeichnen…

Flugzeug weggepackt, aufs Fahrrad gesetzt, fluchend den Berg hoch gefahren. Eineinhalb Stunden auspowern. Weg von dem, was passiert ist.

Am nächsten Morgen die Bestätigung der unterirdischen Performance. Dritter. Von hinten. Mit lächerlichem Ergebnis. Allein das Positioning war mit 8,21 annähernd auf dem Niveau, wie man es auf solch einem Wettbewerb erwarten darf.

Alles was ich mir für mich selbst gewünscht hätte, wäre irgend ein erträglicher Einstieg in den Wettbewerb gewesen. Mittelfeld, halbwegs solide Performance. Mehr nicht. Aber dafür reichts halt nicht.

Wie´s weitergeht? Keine Ahnung. Am liebesten würde ich „fire-and-forget“ fliegen. Alles maximal aggressiv, schnell, hart, gnadenlos. Dafür habe ich aber das falsche Flugzeug, zumal man hier immer damit rechnen muss, in eine satte Thermikböe reinzuballern. Manchmal wärs schön, nen Swift zu haben, allein um das gute Gefühl zu genießen, dass ich körperlich aufgebe, bevor das Flugzeug Schaden nimmt…

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Hinterlasse einen Kommentar