Fayence

Und plötzlich biste mittendrin. Was Anfang des Jahres noch ein bisschen surreal wirkte, ist nun real. Dabei. Auf einer Weltmeisterschaft, zwischen den besten Segelkunstfliegern diesseits der Sonne. Wo ein Wolfgang Schieck, ein Maciej Pospieszyński, ein Jonas Langenegger und etliche andere Spitzenleute um den Titel in der Unlimited fliegen, und man selbst antritt gegen Leute, die in der Aufsteigerklasse Advanced zeigen, was sie draufhaben – Richard Münzberger, Agata Porebska, Tobi Ohlig und wie sie alle heißen.

Einmal die Jacke mit der Nationalflagge tragen – das war das Ziel. Und dann stehste da und hast es erreicht. Was bleibt, ist die Frage, mit welchem Anspruch man an solch einen Wettbewerb herangehen darf, herangehen muss. Spaß haben wäre schon mal schlau – allein angesichts der 85 Euro, die die Locals hier für einen Schlepp aufrufen. Zitat meines Mentors Robin: „Wer so viel Geld ausgibt und dann da oben keinen Spaß hat, der sollte sich ein anderes Hobby suchen.“ Jo, is was dran.

Wahr ist aber auch: Man kann sich noch so sehr selbst zum Spaßhaben anhalten, wenns dann nicht optimal läuft, kicken alte Verhaltensmuster. Wut, Ärger, Selbsthass. Hab ich bei der LM in Hünsborn wieder in epischem Ausmaß erlebt. Zwei Flüge ok – nach Free Known und 1st Unknown auf Rang 3. Solide, dem Potenzial nicht völlig unangemessen. Dann fing die Scheiße an. Fehler, wo keine sein müssten, Banale figuren wie ein Weibchen zur HZ verstümmelt, Frust. Gelandet, Haube auf, den Ärger rausgebrüllt. Flugzeug weggepackt, in den Camper verkrümelt, die Sache mit mir selbst ausgemacht. Immerhin: Ich belästige andere nicht mehr mit meiner Laune, wenns Scheiße lief – was vielleicht der größte Sprung in meiner mentalen Wntwicklung in den letzten Jahren war.

Zurück ins hier und jetzt. Zwei Trainingsflüge. Einer bäh, einer ok. Der „Okee“ war immerhin der, in dem ich die Free Known noch einmal geflogen bin. Keine HZ. So weit, so ok. Der Flieger funktioniert, technisch sind also keine Showstopper zu erwarten.

Abends die Analyse beider Flüge mit Robin. Der erste, als Spaß- und Orientierungsflug gedacht, war viel unruhiger. Und warum? Weil laut Robin das Unterbewusstsein, das für das reine Figurenfliegen zuständig ist, vorab keinen klaren Auftrag hatte. Heißt, spontan geflogene Figuren gemäß dem Motto „’n Turn geht jetzt auch noch“ werden mit ziemlicher Sicherheit scheiße, weil das Hirn doppelt und dreifach arbeiten muss. Die Steuerbewegung für die Figur an sich kommt ohne Programm nämlich nicht aus dem Unterbewusstsein, der Prozessor muss sich vielmehr neben Fahrtübergängen und Positioning auch noch um die Figur an sich kümmern. Also: Klaren Auftrag ans Unterbewusstsein. Das kennt die einzelnen Figuren, weiß, wie sie zu fliegen sind. Großhirn sorgt für orientierung, Muskelgedächtnis führt aus. Basta.

Viel Philosophie für den ersten Abend.

Wir werden sehen, was passiert.

 

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