Die RAF hautnah

Kurzfristige Entscheidungen müssen nicht immer gut sein. Die Idee, vier Tage meines Resturlaubs zwischen Umzug meiner Schwester, eigenem Umzug und Renovierung einer neuen und einer alten Wohnung in London zu verbringen, war allerdings eine der besseren.

Auf dem Programm stand unter anderem das RAF-Museum. Nun habe ich ja inzwischen einiges an Luftfahrt- und Technikmuseen gesehen. Höhepunkte waren das Deutsche Technikmuseum Berlin, die Flugwerft in Schleißheim und  das Flyhistorisk Museum Sola bei Stavanger. Hier reiht sich nun auch das RAF-Museum ein. Selten habe ich so viele hervorragende Exponate in einer Ausstellung gesehen.

Die erste Halle steht unter dem Motto „Milestones of flight“. Hier finden sich Stücke, die die Entwicklung der (militärischen) Luftfahrt maßgeblich beeinflusst haben. Angefangen von einem Drachen für Artilleriebeobachter aus dem ersten Weltkrieg über eine Replika der Blériot XI, mit der Louis Blériot am 25. Juli 1909 den Ärmelkanal überquerte, über die P51 als einer der Höhepunkte der Kolbenmotor-Jäger,  die Me 262 als Überhang zum Düsenjäger-Zeitalter und die Harrier als erster, wirklich einsatzfähiger Senkrechtstarter bis hin zum Eurofighter als aktuellem Höhepunkt dessen, was bei der RAF flog bzw. fliegt.

Blériot XI in der Halle der Luftfahrt-Meilensteine.
Blériot XI in der Halle der Luftfahrt-Meilensteine.
Die Schwalbe, der erste einsatzfähige Düsenjäger der Welt.
Die Schwalbe, der erste einsatzfähige Düsenjäger der Welt.

Die zweite Ausstellungshalle trägt den bezeichnenden Namen „Bomber hall“. Während man bei kleinerenExemplaren wie der B25 Mitchell oder der Bristol Blenheim noch denk, ok, ist halt ein Flugzeug, ist es dann doch was ganz anderes, mal vor einer Avro Lancaster zu stehen. Auch ein Display von He 111, Ju 88, Me 109 und Me 110 führt einem erstmal die Größenverhältnisse vor Augen. Vor allem die Me 110 hätte ich wesentlich kleiner eingeschätzt.
Eine besondere Ecke widmet sich dem Wrack einer Handley Page Halifax und seiner Geschichte. Der Bomber war 1944 bei einem Einsatz gegen das deutsche Schlachtschiff Tirpitz in Brand geschossen worden und musste auf einem gefrorenen See notlanden. Nach Jahrzehnten im Wasser wurde das Wrack schließlich gehoben und ins RAF-Museum gebracht. Dazu ist eine Tür von einem der Mittelartillerie-Türme der Tirpitz gestellt, dass die Norweger einst an die RAF übergeben hatte. Dazu gibt es eine interessante Aufarbeitung der Einsätze gegen das Schlachtschiff, dass hier als das modernste und ausgewogenste beschrieben wird, das je in Europa konstruiert und gebaut wurde.

Highlight: Eine Avro Vulcan samt Bombenlast.
Highlight: Eine Avro Vulcan samt Bombenlast.
Diese Handley Page Halifax musste nach einem Angriff auf die Tirpitz brennend notlanden.
Diese Handley Page Halifax musste nach einem Angriff auf die Tirpitz brennend notlanden.
Die B24 ist ebenfalls vertreten.
Die B24 ist ebenfalls vertreten.
Die "Fliegende Festung".
Die „Fliegende Festung“.
Auch Rotationsgeflügel gibt es zu sehen...
Auch Rotationsgeflügel gibt es zu sehen…

Überhaupt fällt auf, dass die Ausstellung und die Beschreibungen sehr fair gehalten sind. Von Siegerdenken, wie es beispielsweise bei amerikanischen Museen mit ihrem zwanghaften Patriotismus zuweilen vorkommt, keine Spur. Erfolgreiche Flieger wie Manfred von Richthofen oder wegweisende Konstruktionen wie die Me 262 werden gewürdigt, als gehörten sie zur Geschichte der RAF.

Eine weitere Halle widmet sich zum einen der Luftschlacht um England, zum anderen weiteren interessanten Objekten. Hier ist beispielsweise ein Sunderland-Flugboot als begehbares Exponat ausgestellt, und einmal mehr wurde mir beim Weg durch den Bauch dieses riesigen Kahns klar, wie sehr man sich in Bezug auf die Größe von Flugzeugen, die man nur aus Büchern und Computerspielen kennt, täuschen kann.

Me 110, Ju 88 und He 111.
Me 110, Ju 88, Me 109 und He 111.
Die Sunderland ist ein Riese von Flugboot.
Die Sunderland ist ein Riese von Flugboot.

Den Abschluss macht eine Halle, die sich dem ersten Weltkrieg widmet. Neben der Geschichte um den Weg in den Krieg und den Aufbau der RAF gibt es auch hier allerhand exponate zu sehen, angefangen von der Sopwith Triplane über einen Albatros bis hin zu Sopwith Camel und Fokker D VII, die sich an der Hallendecke ein imaginäres Luftgefecht liefern.

IMAG2001
Sopwith Camel im Dogfight gegen…
IMAG2000
…eine Fokker D VII.
Blick in die IWK-Halle.
Blick in die IWK-Halle.

Alles in allem ist das RAF-Museum ein hervorragend aufgebautes und mit sehenswerten Exponaten bestücktes Museum, das sich für jeden Luftfahrtfan lohnt. So viele Spitfires und Hurricanes auf einem Haufen sieht man warscheinlich sonst nirgendwo. Und plant für einen Besuch wirklich vieeeel Zeit ein. Ich hab dieses Mal etwas zügig agiert und es so in sechseinhalb Stunden geschafft. Ok, zugegeben, da ich mich ja nun was die Weltkriegsflieger angeht schon ein Bisschen auskenne, musste ich auch nicht mehr jede Infotafel lesen 😉

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