Lady Agnes – Was für eine Schönheit

Die Iljuschin IL 62 (Ильюшин Ил-62) hat mich aus irgend einem Grund schon immer fasziniert. Eigentlich finde ich Passagierflugzeuge todlangweilig, nicht aber dieses. Vielleicht ist es einzig und allein die Anordnung der vier Triebwerke am Heck ähnlich der britischen Vickers VC 10, die das Flugzeug aus der Masse heraus hebt und deswegen mein Interesse geweckt hat. Von den ursprünglich gebauten 276 Maschinen befinden sich noch über 100 im Einsatz, vorwiegend bei Osteuropäischen Airlines. Bei der Interflug der DDR bildete die IL 62 das Rückgrat der Flotte für Fernstrecken.
Im Jahre 1989 schenkt die Airline eine zur Ausmusterung anstehende Maschine dieses Typs der Gemeinde Gollenberg in Brandenburg, zum Gedenken an den hier bei seinen Flugversuchen tödlich verunglückten Luftfahrtpionier Otto Lilienthal. Doch die Maschine wird nicht etwa zerlegt und via LKW in das Dorf Stölln, unmittelbar am Fuße des Gollenbergs gelegen, transportiert, sondern dorthin geflogen. Unter dem Kommando des wohl bekanntesten deutschen Verkehrsfliegers, Heinz-Dieter Kallbach, wird die waghalsige Aktion vorbereitet. Normalerweise benötigt eine IL 62 mehr als 2500m Betonpiste, um nach der Landung sicher zum Stillstand zu kommen, aber auf dem Segelflugplatz Stölln stehen nur 900m Acker zur Verfügung. Doch die Berechnungen der Experten ergeben, dass eine komplett ausgeräumte 62er, die nur Sprit für drei Anflüge + einen Rückflug hat, mit der richtigen Technik dort gelandet werden kann.
Zwei mal muss die Aktion wegen schlechten Wetters abgeblasen werden, doch am 23. Oktober 1989 stimmen die Verhältnisse. Nach zwei Überflügen Setzt die Crew (Dieter Kallbach, Co-Pilot Peter Bley, Navigator Rudi Döge und Bordingenieur Ulli Müller) schließlich zur Landung an und bringt das Flugzeug nach 860 Metern zum stehen. Im Anschluss rollt die Maschine zu ihrem letzten Stellplatz am Westfuß des Gollenberges. In Erinnerung an Lilienthals Ehefrau Agnes tauften die Stöllner „ihre“ IL 62 auf den Namen „Lady Agnes“. Rückblickend bezeichnen Experten diese spektakuläre Landung als das größte kalkulierte Risiko der Luftfahrtgeschichte. Zudem geht erhält das Ereignis einen Eintrag im Guinnes Buch der Rekorde.

Am vergangenen Montag habe ich meinen freien Tag genutzt, um mir diesen Ort, an dem zweimal Luftfahrtgeschichte geschrieben wurde, anzuschauen. Das Flugzeug ist zugänglich, im vorderen Teil ist eine Interessante Ausstellung über Otto Lilienthal untergebracht. Im hinteren Teil befindet sich ein Standesamt, wo die Hochzeitsgesellschaft auf den originalen Sitzen Platz nimmt. Also wenn ich mal heirate, dann sicher hier 😉

3 Kommentare zu „Lady Agnes – Was für eine Schönheit

  1. Viele Grüße nach Perleberg aus Taucha,

    hoffe wir sehen unseren „Schwanz Lars“ trotzdem irgendwann mal wieder. Vielleicht dann als ausgebildeten Segelflieger….

    Grüße Thomas

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