Vom Flugspiel zur Erkenntnis…

Das letzte Wochenende auf dem Flugplatz hatte in mehrfacher Hinsicht einen deutlichen Lerneffekt zur Folge.

Am Samstag war Rolf Bathel verantwortlicher Fluglehrer. Bei sieben Schülern und nur einem Schul-Doppelsitzer zog sich alles etwas länger hin, weshalb ich nur zu einem gut halbstündigen Flug kam. Vor Beginn des Flugbetriebes pfiff uns Rolf wie üblich zum „Flugspiel“ heran, in dem die theoretischen Grundlagen der Übungen, die der betreffende Schüler zu fliegen hat, nochmal durchgegangen werden. Darüber hinaus wird die ein oder andere Frage aus dem Theorieunterricht, vorrangig der Fluglehre, gestellt. Eigentlich standen bei mir Rollübungen auf dem Programm, aber Rolf wollte von mir wissen, woran man den Flugzustand Trudeln erkennt. Natürlich hatten wir das behandelt, und ich antwortete die Standardformel, die im Buch stand: Steile Fluglage, Normale Fahrtmesserwerte, starker Höhenverlust und normales Fahrtgeräusch. Letzteres stimmte nicht ganz, was mir im Verlauf meines Fluges später am Tag noch eine Überraschung bereiten sollte.

Kurz vor 14 Uhr UTC (entspricht 16 Uhr MESZ) gings dann für mich los. Der Start verlief problemlos, und nach kurzer Zeit hatte Rolf einen Bart gefunden, in dem es nahezu konstant mit 4m/s aufwärts ging. Die Rollübungen waren erstmal Nebensache, denn in diesem Aufwind konnte mich Rolf hervorragend in den Kreisflug einweisen. Mit Quer- und Seitenruder die Seitenneigung und Drehung steuern, und mit dem Höhenruder die Schnauze am Horizont halten. Eigentlich simpel, praktisch aber ziemlich knifflig. Da ich aber genug Zeit zum probieren hatte und der Aufwindstrom so breit war, dass ich eigentlich kaum rausrutschen konnte, klappte es nach einiger Zeit ganz gut. Insgesamt kamen wir auf irgendwas um die 900m Höhe. Dann wurde es Zeit für einen Ortswechsel, denn die Wolke über uns hatte sich aufgelöst, und das große Saufen ging los. Von hinten kam der Befehl, mal bischen Gas zu geben, worauf ich den Bocian mit 120 auf den nächsten Wolkenhaufen zujagte. Meine Bemerkung, dass bei der Geschwindigkeit der Ruderdruck doch recht ordentlich ist, hätte ich mir besser verkniffen, denn Rolf trimmte daraufhin erstmal ordentlich kopflastig, und ich musste erstmal realisieren, dass wir mittlerweile bei 140 Sachen angekommen waren und das eigentlich viel zu schnell war. Ich trimmte wieder auf Hecklastig und wir suchten uns nochmal einen Aufwind, um etwas an Höhe zu gewinnen.

Da noch drei Schüler auf ihren Flug warteten, beschloss Rolf, so langsam Schluss zu machen. Höhe hatten wir noch mehr als genug, und um diese Abzubauen bekam ich noch eine Sondervorführung: Rolf gab über Funk unsere Position durch und teilte mit, dass er ein kleines Programm fliegen wolle. Vom Platz wurde das bestätigt und Rolf stellte die Frage vom Flugspiel erneut: „Wie hört sich das Trudeln an??“ Im selben Augenblick zog er den Knüppel an und ließ den Bocian in der Luft fast stehen. Bei Tempo 60 trat er voll in das linke Pedal und brachte damit die Strömung am linken Flügel zum Abreißen. In Sekundenbruchteilen stellte sich der Flieger auf die Nase und stürzte mit atemberaubender Geschwindigkeit und wilder Drehung auf die Erde zu. Nach einer halben Umdrehung leitete Rolf das Trudeln aus und fing wieder ab. Zum verschnaufen blieb aber keine Zeit, denn schon standen wir wieder fast in der Luft, diesmal Tritt ins rechte Pedal und wir trudelten mit Rechtsdrehung in Richtung Globus, diesmal eine ganze Umdrehung.

Hier das ganze mal aus der Cockpitperspektive:

Und so sieht das von unten aus:

Zum Abschluss kam dann nochmal die Frage, ob das Fahrtgeräusch beim Truden anders sei. Ich konnte noch irgendwie ein „Ja“ zustande bringen. Danach gönnte Rolf uns noch jeweils drei Steilkreise links und rechts mit 90° Querneigung, also förmlich auf der Flächenspitze gedreht. Erst bei solchen Belastungen wird einem Klar, wo im Körper überall Blut hingedrückt werden kann…

Gestern war Dr. Uwe-Carsten Zehl Fluglehrer. Er hatte im Theoriekurs Navigation unterrichtet, allerdings war ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht dabei. Aufgrund der Hitze wollte er unbeding mit spaltbreit geöffneter Haube fliegen, was meinen Ohren natürlich weniger gefiel. Trotzdem waren es drei sehr lehrreiche Flüge, in denen er mir erste Einweisungen in Start und Landetechnik gab und die Einteilung der Platzrunde aus Cockpitperspektive erklärte. Dazu kamen noch einige Rollübungen, bei denen ich diesmal auch das Höhenruder mitbenutzen sollte, was der ganzen Aktion sicher ein äußerst komisches Aussehen gab.

Alles in allem ein schönes Wochenende.

2 Kommentare zu „Vom Flugspiel zur Erkenntnis…

  1. Ja Lars,

    das Flugspiel verpennt und schon nimmt ein der Fluglehrer ran 😉

    Tröste Dich, das ist noch jedem so ergangen.
    Und Vollkreise mit 3 G Belastung gehöhren einfach dazu.

    Grüße Thomas

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