Motivation

Heute habe ich bei einer berufsbedingten Recherche ein tolles Video gefunden. Der Drachenflieger Oliver Heuler sinniert dabei über seine Motivation, in die Luft zu gehen, und erschreckt bei der Erkenntnis, dass er das vielfach nur aus einem Grund getan hat: um am Ende Punkte in der OLC-Wertung zu bekommen. Allein der Leistungsgedanke zählte, die Lust am Fliegen war nur Beiwerk.

 

 

Olivers Gedanken sind es wirklich wert, sich damit mal auseinander zu setzen. Ich habe über diese Thematik auch schon sinniert, wenngleich aus ziemlich genau der entgegengesetzten Perspektive. Ich weiß, dass es manche Leute gibt, die abschätzig auf mich blicken, weil ich nahezu jede Gelegenheit zum Fliegen nutze, ohne dass ich mich groß um OLC-Ergebnisse oder andere Platzierungen schere. Einer hat sich getraut, mir das mal ins Gesicht zu sagen, nach x Bier und dem ein oder anderen Cocktail. Dass es da noch weiter ging, mir meine Vielfliegerei als reiner Akt der Selbstdarstellung angekreidet wurde, kommt noch dazu (wobei man sich natürlich fragen kann, welchen selbstdarstellerischen Wert beispielsweise ein 40-Minütiger Einsitzer-Flug in winterlich grauem Himmel über dem Teckberg haben soll; es war saukalt, der Hangwind bockig, die Sicht mäßig und es standen nichtmal die für mein fliegerisches Selbstverständnis als notwendig unterstellten Zuschauer auf der Burgterrasse!).  Im Suff werden viele Leute ehrlich…
Klar will ich auch manchmal Strecke machen und am Ende eine Wertung im OLC sehen, aber ich freue mich genauso über einen ausgedehnten Thermikflug am Platz oder die drei Platzrunden, die ich auch dann aus reiner Lust am Flug immer noch abreiße, wenn’s mal gar nicht blubbert.

Inzwischen ist es mir egal, was jene Leute über mich denken, für die allein die Jagd nach Streckenkilometern und Wertungspunken zählt. Uns trennen von der Motivation her Welten. Ich will deren Anspruch ans Fliegen keinesfalls abwerten, aber ich erwarte einfach, dass sie meine Herangehensweise akzeptieren. Wenn ich unter der Woche mit Freunden oder Kollegen von mir Doppelsitzer fliege, dann tue ich das nicht, um mich als Pilot zu inszenieren oder – auch schon vorwurfsvoll gehört – mir von denen meine Fliegerei bezahlen zu lassen. Ich tue das zum einen, weil es mir riesigen Spaß macht, meine Leidenschaft mit anderen zu teilen, zum anderen, weil es ganz einfach praktisch ist, wenn zwei helfende Hände mich dabei unterstützen, ein Flugzeug aus der Halle zu zerren, zu checken und zum Start zu bringen. Und es ist wirklich unbezahlbar, wenn man aus dem hinteren Cockpit Sätze hört wie „Ist das der Hammer!“.

Ich werde weiterhin fliegen, wenn ich Lust dazu habe (also fast immer… 😉 ). Und wenn ab und an ein paar OLC-Punkte dabei herauskommen, umso besser.

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